Magazin für Kultur

Monat: September 2026

Per Anhalter in die Karibik

Ein span­nen­des Reiseaben­teuer

Ein Berlin­er aus Ober­schönewei­de, ger­ade erst 20 gewor­den, berichtet span­nend erzählt von einem beson­deren Reiseaben­teuer: es begin­nt mit sein­er ersten Atlantiküber­querung als See-Tram­per. Auf Mar­tinique begin­nt Carl Bec­ca­rd seine Reise durch die karibis­che Insel­welt und das lateinamerikanis­che Fes­t­land – ohne Plan und ohne jedes Reise­bud­get. Auf Boots­baustellen ver­di­ent er sich das Geld für die näch­ste Etappe, schließt Fre­und­schaften und lernt, was ihm wichtig ist im Leben. Ins­ge­samt drei Jahre dauert seine Reise. Über Grena­da, den ABC-Inseln geht es nach Kolumbi­en, Equador und Peru. Zurück über­quert Bec­ca­rd nach einem län­geren Aufen­thalt in Pana­ma über Jamai­ka, Kuba, den Bahamas und Bermu­da wieder mit einem Segel­boot den Atlantik zum zweit­en Mal, dies­mal mit Sta­tion auf den Azoren. Sein Bericht ist mitreißend, jede Seite schildert ein beson­deres Erleb­nis. Manch­mal wird zu viel über per­sön­liche Befind­lichkeit­en, seine Liebesge­füh­le berichtet, auch stört stel­len­weise der Jugend­jar­gon. Den­noch ist dieses Buch ein Leseer­leb­nis, durch die anschaulichen Schilderun­gen erlebt der Leser die Reise unmit­tel­bar mit.

Carl Bec­ca­rd: Per Anhal­ter in die Karibik, 294 Seit­en, 18,95 €, Mair­Du­mont Ver­lag, Ost­fildern 2026, ISBN 9783616036380

InnoTrans 2026

Wie sieht die Mobil­ität von mor­gen aus?

Vom 22. bis 25. Sep­tem­ber wird Berlin wieder zum inter­na­tionalen Tre­ff­punkt der Verkehr­swelt. Die Inno­Trans, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Beste­hen feiert, ist die inter­na­tionale Leitmesse für Verkehrstech­nik. Was hier gezeigt und disku­tiert wird, reicht weit über neue Züge und Straßen­bah­nen hin­aus: Es geht um die Zukun­ft der Mobil­ität, der Infra­struk­tur und des öffentlichen Verkehrs.

Auf dem Berlin­er Messegelände tre­f­fen sich Her­steller, Verkehrsun­ternehmen, Infra­struk­turbe­treiber, Poli­tik­er und Fach­leute aus aller Welt. Alle 42 Hallen sowie das Gleis- und Freigelände sind belegt. Auf 3.500 Metern Schiene wer­den Fahrzeuge und Tech­nolo­gien präsen­tiert – vom Region­alzug über Güter­wa­gen und Bau­maschi­nen bis hin zum Hochgeschwindigkeit­szug.

Beson­ders inter­es­sant ist der Blick auf die Tech­nolo­gien, die den Verkehr in den kom­menden Jahren verän­dern kön­nten. Zu den Schw­er­punk­ten der Inno­Trans 2026 gehören kün­stliche Intel­li­genz, Robotik, autonome Fahrzeuge, Dig­i­tal­isierung, Cyber­se­cu­ri­ty und alter­na­tive Antriebe. Im neuen bzw. erweit­erten Umfeld des AI Mobil­i­ty Lab wer­den konkrete Anwen­dun­gen für KI, Automa­tisierung und Robotik vorgestellt.

Dabei geht es längst nicht mehr allein um die klas­sis­che Eisen­bahn. Die Gren­zen zwis­chen Bahn, Bus, On-Demand-Ange­boten und dig­i­taler Mobil­ität wer­den zunehmend fließend. Dig­i­tale Tick­ets, intel­li­gente Verkehrss­teuerung, bar­ri­ere­freie Nav­i­ga­tion und autonome Fahrzeuge sind eben­so Teil der Messe wie neue Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr.

Ger­ade für Berlin besitzt die Inno­Trans deshalb eine beson­dere Bedeu­tung. Die Stadt ist nicht nur Gast­ge­berin, son­dern selb­st ein großes Verkehrsla­bor. Die auf der Messe disku­tierten Her­aus­forderun­gen – über­lastete Net­ze, Aus­bau und Mod­ernisierung der Infra­struk­tur, Dig­i­tal­isierung, Kli­maschutz und die Frage nach ein­er attrak­tiv­en Alter­na­tive zum Auto – sind auch Berlin­er All­t­ag.

Die Inno­Trans zeigt somit weniger eine fer­tige Zukun­ft, son­dern vielmehr einen tech­nol­o­gis­chen und wirtschaftlichen Möglichkeit­sraum. Welche dieser Entwick­lun­gen tat­säch­lich den Weg in den All­t­ag find­en, entschei­det sich jedoch nicht allein auf dem Messegelände. Hier lässt sich jedoch beobacht­en, woran die inter­na­tionale Verkehrs­branche arbeit­et und welche Lösun­gen bere­its konkret ver­füg­bar sind.

30 Jahre Inno­Trans in Berlin sind deshalb nicht nur ein Messe­ju­biläum, son­dern auch ein Anlass, um zu betra­cht­en, in welche Rich­tung sich die Mobil­ität tat­säch­lich entwick­elt.

Streifzüge in nah und fern

Wiederentdeckung einer emanzipierten Journalistin

Es ist weniger die Auswahl von Reis­eskizzen aus Lady Col­in Camp­bells Buch A Woman’s Walks, son­dern die Wieder­ent­deck­ung ein­er emanzip­ierten Jour­nal­istin, die dieses schön gegestal­ten Buch sehr empfehlenswert machen. Im höchst infor­ma­tiv­en Nach­wort wird das Leben der Autorin nachgeze­ich­net. Gertrude Eliz­a­beth Blood (1857 – 1911) war die jüng­ste Tochter eines irischen Groß­grundbe­sitzers. Nach der skan­dalumwit­terten Schei­dung von Lord Col­in Camp­bell wandte sie sich dem Jour­nal­is­mus und der Lit­er­atur zu. Bekan­nt für ihre Schön­heit, ihre Intel­li­genz und ihren Esprit, etablierte sie sich erfol­gre­ich als mod­erne unab­hängige Frau, die die Wochen­zeitung Ladies Field her­aus­gab, malte, radelte, ritt, focht, fis­chte, schwamm und sang und sich öffentlich für Fahrrad­wege, Feuerbestat­tung und das Recht der Frau auf Rauchen ein­set­zte. Auf ihren zahlre­ichen Reisen kamen ihr ihre aus­geze­ich­neten Sprachken­nt­nisse zugute: Ital­ienisch, Franzö­sisch, Deutsch, Spanisch und Ara­bisch.
Sie muss so etwas wie eine »rasende Repor­terin« gewe­sen sein, besessen davon, ihren Leserin­nen und Lesern die Welt in all ihrer Vielfalt vor Augen zu führen. Jede Woche kon­nte man in The World – der damals größten Wochen­zeitung Eng­lands – nach­le­sen, wo sie sich ger­ade herumtrieb. In „A Woman’s Walks“, ein­er Auswahl von 236 Artikeln, die sie ab 1889 bis 1906 dort pub­lizierte, erweist sich Lady Col­in Camp­bell als scharfe Beobach­terin. Mit iro­nis­ch­er Dis­tanz und einem gnaden­losen Humor schildert sie die Skur­ril­itäten ihrer Mit­men­schen und die Merk­würdigkeit­en des aus­ge­hen­den 19. Jahrhun­derts. 1911 starb die Autorin mit 54 Jahren. Zum ersten Mal erscheinen ihre leg­endären Feuil­letons hier in deutsch­er Sprache.

Gertrude Eliz­a­beth Blood – Lady Col­in Camp­bell –: A Woman’s Walks — Streifzüge in nah und fern, 160 Seit­en Hard­cov­er, Faden­hef­tung mit Schutzum­schlag und Lese­bänd­chen,
s/w Abbil­dun­gen, Edi­tion A.B.Fischer, Berlin 2026, 978–3‑948114–33‑6, € 22.00


IFA 2026 ein Fazit

Wenn die Zukun­ft aussieht wie ein Media­Markt


Die IFA ist zu Ende. Mit rund 2.000 Ausstellern und mehr als 220.000 Besuch­ern ist klar, dass die Berlin­er Tech­nikmesse nach wie vor äußerst attrak­tiv ist. Und doch bleibt nach mehreren Mes­se­ta­gen ein merk­würdi­ger Ein­druck zurück: Wo endet die Tech­nolo­giemesse und wo begin­nt der größte Media­Markt der Welt?
Natür­lich gibt es sie noch, die großen Marken. Sam­sung, LG, Bosch, Miele und andere präsen­tieren aufwendi­ge Erleb­niswel­ten, in denen Pro­duk­te Teil ein­er per­fekt insze­nierten Marken­welt wer­den. Dazwis­chen ste­hen jedoch unzäh­lige Aussteller mit Fernse­hern, Kopfhör­ern, Staub­saugern, Küchengeräten, Smart­phones und aller­lei Gad­gets. Vieles davon ist inter­es­sant und manch­es beein­druck­end, aber erstaunlich wenig wirkt wirk­lich über­raschend.
Auch die kün­stliche Intel­li­genz ist auf der IFA inzwis­chen all­ge­gen­wär­tig. Kaum ein Gerät kommt ohne das Etikett „AI“ aus. Dabei ist die Tech­nolo­gie keineswegs neu. Neu ist vielmehr, dass immer leis­tungs­fähigere Prozes­soren, größere Spe­ich­er und aus­ge­feil­tere Algo­rith­men es ermöglichen, Ver­fahren, die lange Spezialan­wen­dun­gen vor­be­hal­ten waren, in immer mehr All­t­ags­geräte zu inte­gri­eren. Die eigentliche Rev­o­lu­tion ist also weniger die Erfind­ung neuer Intel­li­genz als deren Indus­tri­al­isierung.
Genau darin liegt die Botschaft dieser IFA. Sie zeigt weniger die spek­takuläre Zukun­ft als den Moment, in dem tech­nis­che Entwick­lun­gen zur Ware wer­den. Beson­ders auf­fäl­lig ist dabei der Auf­stieg chi­ne­sis­ch­er Her­steller, die mit riesi­gen Stän­den und ein­er enor­men Pro­duk­t­palette inzwis­chen selb­st­be­wusst neben den etablierten europäis­chen, kore­anis­chen und japanis­chen Marken auftreten.
Die IFA ist deshalb keineswegs über­flüs­sig. Im Gegen­teil: Sie ist ein ziem­lich präzis­es Abbild eines sich verän­dern­den Welt­mark­tes. Nur hat sich ihre Funk­tion verän­dert. Vielle­icht wird die Zukun­ft hier nicht mehr erfun­den.
Vielle­icht ähnelt sie inzwis­chen ein­fach einem sehr großen Media­Markt.

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