Magazin für Kultur

Kategorie: Reisebericht

Per Anhalter in die Karibik

Ein span­nen­des Reiseaben­teuer

Ein Berlin­er aus Ober­schönewei­de, ger­ade erst 20 gewor­den, berichtet span­nend erzählt von einem beson­deren Reiseaben­teuer: es begin­nt mit sein­er ersten Atlantiküber­querung als See-Tram­per. Auf Mar­tinique begin­nt Carl Bec­ca­rd seine Reise durch die karibis­che Insel­welt und das lateinamerikanis­che Fes­t­land – ohne Plan und ohne jedes Reise­bud­get. Auf Boots­baustellen ver­di­ent er sich das Geld für die näch­ste Etappe, schließt Fre­und­schaften und lernt, was ihm wichtig ist im Leben. Ins­ge­samt drei Jahre dauert seine Reise. Über Grena­da, den ABC-Inseln geht es nach Kolumbi­en, Equador und Peru. Zurück über­quert Bec­ca­rd nach einem län­geren Aufen­thalt in Pana­ma über Jamai­ka, Kuba, den Bahamas und Bermu­da wieder mit einem Segel­boot den Atlantik zum zweit­en Mal, dies­mal mit Sta­tion auf den Azoren. Sein Bericht ist mitreißend, jede Seite schildert ein beson­deres Erleb­nis. Manch­mal wird zu viel über per­sön­liche Befind­lichkeit­en, seine Liebesge­füh­le berichtet, auch stört stel­len­weise der Jugend­jar­gon. Den­noch ist dieses Buch ein Leseer­leb­nis, durch die anschaulichen Schilderun­gen erlebt der Leser die Reise unmit­tel­bar mit.

Carl Bec­ca­rd: Per Anhal­ter in die Karibik, 294 Seit­en, 18,95 €, Mair­Du­mont Ver­lag, Ost­fildern 2026, ISBN 9783616036380

Streifzüge in nah und fern

Wiederentdeckung einer emanzipierten Journalistin

Es ist weniger die Auswahl von Reis­eskizzen aus Lady Col­in Camp­bells Buch A Woman’s Walks, son­dern die Wieder­ent­deck­ung ein­er emanzip­ierten Jour­nal­istin, die dieses schön gegestal­ten Buch sehr empfehlenswert machen. Im höchst infor­ma­tiv­en Nach­wort wird das Leben der Autorin nachgeze­ich­net. Gertrude Eliz­a­beth Blood (1857 – 1911) war die jüng­ste Tochter eines irischen Groß­grundbe­sitzers. Nach der skan­dalumwit­terten Schei­dung von Lord Col­in Camp­bell wandte sie sich dem Jour­nal­is­mus und der Lit­er­atur zu. Bekan­nt für ihre Schön­heit, ihre Intel­li­genz und ihren Esprit, etablierte sie sich erfol­gre­ich als mod­erne unab­hängige Frau, die die Wochen­zeitung Ladies Field her­aus­gab, malte, radelte, ritt, focht, fis­chte, schwamm und sang und sich öffentlich für Fahrrad­wege, Feuerbestat­tung und das Recht der Frau auf Rauchen ein­set­zte. Auf ihren zahlre­ichen Reisen kamen ihr ihre aus­geze­ich­neten Sprachken­nt­nisse zugute: Ital­ienisch, Franzö­sisch, Deutsch, Spanisch und Ara­bisch.
Sie muss so etwas wie eine »rasende Repor­terin« gewe­sen sein, besessen davon, ihren Leserin­nen und Lesern die Welt in all ihrer Vielfalt vor Augen zu führen. Jede Woche kon­nte man in The World – der damals größten Wochen­zeitung Eng­lands – nach­le­sen, wo sie sich ger­ade herumtrieb. In „A Woman’s Walks“, ein­er Auswahl von 236 Artikeln, die sie ab 1889 bis 1906 dort pub­lizierte, erweist sich Lady Col­in Camp­bell als scharfe Beobach­terin. Mit iro­nis­ch­er Dis­tanz und einem gnaden­losen Humor schildert sie die Skur­ril­itäten ihrer Mit­men­schen und die Merk­würdigkeit­en des aus­ge­hen­den 19. Jahrhun­derts. 1911 starb die Autorin mit 54 Jahren. Zum ersten Mal erscheinen ihre leg­endären Feuil­letons hier in deutsch­er Sprache.

Gertrude Eliz­a­beth Blood – Lady Col­in Camp­bell –: A Woman’s Walks — Streifzüge in nah und fern, 160 Seit­en Hard­cov­er, Faden­hef­tung mit Schutzum­schlag und Lese­bänd­chen,
s/w Abbil­dun­gen, Edi­tion A.B.Fischer, Berlin 2026, 978–3‑948114–33‑6, € 22.00


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