Magazin für Kultur

Monat: März 2026 (Seite 1 von 2)

Anders Zorn

Die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers

Dieser her­aus­ra­gende Kat­a­log doku­men­tiert die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers Anders Zorn. Er ver­tieft die Ausstel­lung der Ham­burg­er Kun­sthalle „Anders Zorn – Schwe­dens Super­star“, die Anfang des Jahres zu Ende ging und jet­zt in Madrid gezeigt wird. Zorn war häu­fig nach Spanien gereist und mit dem auch zunehmender Wertschätzung gewin­nen­den Impres­sion­is­ten Joaquin Sorol­la befre­un­det. „Um 1900 gehörte Zorn, dessen Ein­fluss und Anse­hen von Frankre­ich, Deutsch­land und Schwe­den bis in die Vere­inigten Staat­en reichte, zu den führen­den europäis­chen Malern…Die Nähe zum Sujekt des Bildes, die Unmit­tel­barkeit des Erlebens und die Geläu­figkeit der Szener­ie machen es uns heuti­gen Betrachter*innen leicht, in den Zorn’schen Bilderkos­mos einzu­tauchen. (der Direk­tor der Ham­burg­er Kun­sthalle, Alexan­der Klar, im Vor­wort, S. 8/9). In Deutsch­land war er von 1890 bis 1921 auf knapp 80 Ausstel­lun­gen vertreten, Zorn gewann durch jahre­lange Aufen­thalte in Lon­don und Paris, durch Europa‑, Nordafri­ka und USA-Reisen eine kos­mopoli­tis­ch­er Per­spek­tive und brachte gle­ichzeit­ig mit Darstel­lun­gen sein­er schwedis­chen Heima­tre­gion um die Stadt Mora seine Heimatver­bun­den­heit ein­drück­lich zum Aus­druck. – Zorn besticht durch Viel­seit­igkeit (Porträts, Naturim­pres­sio­nen, Frauen­bild­nisse) und tech­nis­che Per­fek­tion. Der Kat­a­log zu seinem Leben und Werk umfasst außer den Gemälden und Zeich­nun­gen auch Radierun­gen und Fotografien (u.a. seines selb­st ent­wor­fe­nen und mehrfach erweit­erten Gehöfts Zorn­gar­den, das 1939 mit einem Muse­um erweit­ert wurde) – alles in her­aus­ra­gen­der Bildqual­ität, die mit groß­for­mati­gen Auss­chnit­ten die geniale Pin­selführung Zorns zeigt.

Bertsch, Markus, Satrustegui, Ybar­ra (Hg.): Anders Zorn, 256 Seit­en, 220 Abbil­dun­gen, gebun­den, ISBN: 978–3‑7774–4638‑7, Hirmer Ver­lag 2025, 49,90 €

Die Spur des Silbers

Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat

In „Die Spur des Sil­bers” erzählt Till­mann Bendikows­ki europäis­che Geschichte aus der Per­spek­tive eines einzi­gen Rohstoffs. Seine zen­trale These lautet, dass Sil­ber weit mehr war als ein Edel­met­all. Es trieb den Han­del, die Macht­bil­dung und die frühe Glob­al­isierung entschei­dend voran.
Aus­gangspunkt ist das Europa vor der Ent­deck­ung Amerikas. Regio­nen wie das Erzge­birge mit Städten wie Freiberg oder Joachim­sthal waren damals wichtige Zen­tren der Sil­ber­förderung. Hier ent­standen fortschrit­tliche Berg­baus­truk­turen und frühe For­men eines ein­heitlichen Geldsys­tems, etwa mit dem Taler. Diese Entwick­lun­gen wer­den im Buch jedoch eher knapp behan­delt.
Der entschei­dende Umbruch begin­nt im 16. Jahrhun­dert mit Poto­sí. Am Cer­ro Rico ver­lagerte sich die Sil­ber­pro­duk­tion nach Ameri­ka. Spanien nutzte diese Ressource sys­tem­a­tisch: Sil­ber wurde in großen Men­gen gefördert, zu Münzen geprägt und über weitre­ichende Han­del­snet­ze verteilt. Beson­ders der Peso de a Ocho entwick­elte sich zu ein­er Art früher Weltwährung.
Das Sil­ber aus Poto­sí gelangte nicht nur nach Europa, son­dern von dort aus auch nach Chi­na und in den ara­bis­chen Raum, da es als uni­versell akzep­tiertes Zahlungsmit­tel diente. So ent­stand bere­its in der Frühen Neuzeit ein glob­ales Han­delssys­tem. Gle­ichzeit­ig ver­schweigt das Buch nicht die Schat­ten­seit­en. Der Reich­tum beruhte auf Zwangsar­beit und kolo­nialer Aus­beu­tung. Die Gier nach Sil­ber führte immer wieder zu Gewalt und Raub – von Über­fällen auf spanis­che Schiffe durch Freibeuter bis hin zu sys­tem­a­tis­chem Raub im Kon­text der nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­fol­gung jüdis­chen Eigen­tums.
Die Geschichte des Sil­bers zeigt, wie stark glob­ale Wirtschaftssys­teme von einzel­nen Ressourcen abhän­gen kön­nen und welche Chan­cen und Risiken damit ver­bun­den sind. Auch heute spielt Sil­ber wirtschaftlich eine wichtige Rolle, wie die aktuellen Preisen­twick­lun­gen zeigen. Grund­sät­zlich gilt: Wer über zen­trale Ressourcen ver­fügt, gewin­nt Ein­fluss auf glob­ale Entwick­lun­gen. In gewiss­er Weise sind die ver­gle­ich­baren „Rohstoffe” der Gegen­wart Dat­en und Energie. Um sie wird ähn­lich inten­siv gerun­gen wie einst um Sil­ber.

Das Buch ist gut les­bar, anschaulich geschrieben und inspiri­erend sich weit­er mit den The­ma zu befassen.

Till­mann Bendikows­ki: Die Spur des Sil­bers: Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat, 256 Seit­en, zahlre­iche Abbil­dun­gen, ISBN: 978–3570105436, C.Bertelsmann Ver­lag 2025, 26,00 €

HERMIONE

Die Flucht ins Leben

Eine Kabi­net­tausstel­lung in der Alten Nation­al­ga­lerie, Staatliche Museen zu Berlin, erin­nert mit dem Skan­dal-Bild eines gekrön­ten Skeletts bis zum 15. 11. 2026 an die Malerin, Dich­terin und Wel­treisende Hermione von Preuschen (1854 – 1918), heute völ­lig unbekan­nt – obwohl sie bis zu ihrem Tod inter­na­tion­al und nation­al eine Berühmtheit war. Ihre zahlre­ichen Werke (bis auf das Skan­dal­bild und zwei weit­ere Gemälde, die sich in Museen befind­en) sind ver­schwun­den bzw. im Krieg ver­stört wor­den, ihre Kün­stlervil­la mit Ausstel­lung­shalle in Berlin-Licht­en­rade wur­den abgeris­sen. Deshalb ist die Biografie par excel­lence von Bernd Erhard Fis­ch­er so wertvoll. Sie erzählt sehr far­big, umfassend recher­chiert und infor­ma­tiv illus­tri­ert vom tragis­chen Auf und Ab des Lebens dieser Kün­st­lerin, die große Ausstel­lungser­folge erlebte, aber immer wieder gegen Kün­st­lerin­nen gerichtete Schmähun­gen kämpfen musste (der heute noch oft zitierte Kri­tik­er Karl Schef­fler sprach von „fem­i­nin­er Sudelei“). Sie unter­nahm fünf Wel­treisen, malte und beschrieb ihre Reiseein­drücke, hat­te Beziehun­gen zu zahlre­ichen zeit­genös­sis­chen Dichterkol­le­gen (Rilke schätze sie sehr, mit dem früh ver­stor­be­nen Schrift­steller Kon­rad Tel­mann war sie ver­heiratet, mit Her­mann Sud­er­mann und Theodor Storm war sie befre­un­det). Sie trat als Frauen­recht­lerin auf und war aktiv im Vere­in der Berlin­er Kün­st­lerin­nen, dem ersten deutschen Kün­st­lerin­nen­vere­in.

Bernd Erhard Fis­ch­er: Hermione – Die Flucht ins Leben, Eine poet­is­che Biografie, 352 S., zahlre­iche s/w Abb.en, 978–3‑948114008, Edi­tion A B Fis­ch­er, Berlin 2019, 24 €

Brancusi

Das Wesen der Dinge

Dieses her­aus­ra­gende Kat­a­log-Buch doku­men­tiert ein zen­trales Berlin­er Ausstel­lungsereig­nis in Berlin 2026: die Ret­ro­spek­tive in der Neuen Nation­al­ga­lerie zum Werk Con­stan­tin Bran­cu­sis (geb. 1876 in Hobița, Rumänien; gest. 1957 in Paris). Bran­cusi zählt zu den bedeu­tend­sten Bild­hauern der Mod­erne und ist bis heute prä­gend für Gen­er­a­tio­nen von Künstler*innen. „Er hat in Frankre­ich den Sta­tus eines nationalen Kul­turschatzes. Bran­cusi ist ein Aus­nah­mekün­stler und gilt als Weg­bere­it­er der mod­er­nen Kun­st, der Skulp­tur, der Fotografie, der Zeich­nung, des Films und der Instal­la­tion.“ (Klaus Biesen­bach im Vor­wort, S. 6). Nach ein­er akademis­chen Kun­staus­bil­dung in Rumänien reiste er mit 28 Jahren quer durch Europa, um sich in Paris niederzu­lassen. Schon in den 1920er Jahren wurde er in Europa und den USA als bedeu­ten­der Kün­stler anerkan­nt, er war in Kün­stlerkreisen gut ver­net­zt und erfol­gre­ich im Selb­st­mar­ket­ing. In eigen­er Dunkelka­m­mer gelan­gen ihm mit seines Werk­fo­tografien fotografis­che Kunst­werke. Seine organ­is­chen, bis auf das Wesentliche reduzierten Werke machen ihn zum Vor­re­it­er der skulp­turalen Abstrak­tion im frühen 20. Jahrhun­dert. Bran­cu­sis stetige Suche nach einem kün­st­lerischen Ide­al man­i­festiert sich in den for­malen Vari­a­tio­nen weniger Motive und dem Spiel mit wech­sel­nden Mate­ri­alien und Ober­flächen. Gekon­nt nutzte er spez­i­fis­che Sock­el, Licht, Bewe­gung sowie Fotografie und Film, um seine Skulp­turen in Szene zu set­zen. Die Ausstel­lung wurde ermöglicht durch eine Koop­er­a­tion mit dem Cen­tre Pom­pi­dou in Paris, das einen Großteil sein­er Werke besitzt und bis 2030 wegen Ren­ovierung geschlossen ist.

Der her­aus­ra­gende Ausstel­lungskat­a­log glänzt durch hochw­er­tige Gestal­tung und beste Fotografien der aus­gestell­ten Werke. Er enthält eine Kurzbi­ografie mit Fotos des Kün­stlers aus seinem Nach­lass. Lei­der fehlen Abbil­dun­gen der erwäh­n­ten mon­u­men­tal­en Skulp­turen, die Bran­cusi als Denkmale in Rumänien geschaf­fen hat.

Klaus Biesen­bach, Maike Steinkamp / Neue Nation­al­ga­lerie (Hrsg.):Constantin Bran­cusi, 240 Seit­en, 94 Farbab­bil­dun­gen, Hard­cov­er , 978–3‑95476–825‑7, Dis­tanz Ver­lag, Berlin 2026, 44 €

Elbland

Tief bewe­gend: eine deutsch-tschechis­che Fam­i­liengeschichte

Die Autorin wid­met diesen Roman vor deut­lichem auto­bi­ografis­chen Hin­ter­grund ihrer Groß­mut­ter: „Am 14.6.1945 hat­te meine Groß­mut­ter Helene eine Stunde Zeit, um mit drei kleinen Kindern ihr Haus zu ver­lassen. Nach­dem sie in offe­nen Kohlewag­gons tage­lang unter­wegs waren und irgend­wo in Sach­sen ausstiegen, irrten sie hungernd und schut­z­los drei Monate lang durch ein zer­störtes Land voller zer­störter Men­schen.“ (S. 362) Die bru­tale Vertrei­bung von drei Mil­lio­nen Sude­tendeutschen nach dem 2. Weltkrieg ist Ursache von tiefer Trau­ma­ta, die sich über mehrere Gen­er­a­tio­nen hinziehen. Der Autorin dieser emo­tion­al bewe­gen­den Fam­i­liengeschichte gelingt es umfassend, psy­chol­o­gisch sehr ein­fühlsam das Geschehen der Zeit­geschichte im Erleben der Pro­tag­o­nis­ten darzustellen: her­aus­ra­gend!

Clau­dia Rikl: Elb­land, 368 Seit­en, ISBN 9783550204463 , Ull­stein Ver­lag, Berlin 2026, 23,99 €

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