Magazin für Kultur

Monat: Januar 2026

Deutsche Kinemathek

Wieder­eröff­nung des Muse­ums für Film und Fernse­hen der Deutschen Kine­math­ek

Immer noch sehr zu bedauern ist die Schließung des Muse­ums für Film und Fernse­henam Pots­damer Platz.Die dort mögliche anre­gende Vielfalt ist nicht wieder erre­ich­bar. Den­noch ist das wieder eröffnete Muse­um in der Mauer­straße sehenswert. Alleine schon der Ort, die denkmalgeschütze Ikone der Berlin­er Indus­triekul­tur, ein ehe­ma­lige Umspan­nwerk, später die Diskothek E‑Werk, ragt her­vor. Die jet­zt gezeigte Wech­se­lausstel­lung „Screen­time“ bespielt die gesamte ehe­ma­lige Maschi­nen­halle. Ihre Offen­heit erin­nert eher an ein Film­stu­dio als an ein Muse­um. Groß­for­matige Medi­enin­stal­la­tio­nen laden zu einem Streifzug durch 130 Jahre deutsch­er Filmgeschichte ein. Werk­fo­tos aus den Archiv­en der Deutschen Kine­math­ek zeigen Drehsi­t­u­a­tio­nen und ermöglichen sel­tene Blicke in Pro­duk­tion­szusam­men­hänge. In Kom­bi­na­tion mit Fil­mauss­chnit­ten wird sicht­bar, wie Tech­nik und Insze­nierung Stim­mung und Ästhetik prä­gen. Dazwis­chen erscheinen immer wieder Gesichter in Großauf­nahme: Schauspieler*innen aus unter­schiedlichen Epochen, deren Porträts sich zu ein­er bewegten Bilder­folge verdicht­en – von Asta Nielsen bis Sibel Kekil­li, von Peter Lorre bis Daniel Brühl, von Heinz Rüh­mann bis Diane Kruger. Eine Samm­lungswand gibt Ein­blicke in die Archive der Deutschen Kine­math­ek: durch Öff­nen der Schubladen kann sich der Besuch­er in Fan­postkarten, Dreh­plan­seit­en u. a. Doku­mente aus der Mate­ri­alfülle der weit größeren Samm­lung ver­tiefen.

Kine­math­ek im E‑Werk https://www.deutsche-kinemathek.de, Mauer­straße 79, 10117 Berlin; Täglich 10–18 Uhr; 10 € reg­ulär, 7 € ermäßigt, Kinder kosten­frei

Wuffis Reisen

Wie wir zu denen wur­den, die wir heute sind

Geschichte lässt sich leichter ver­ste­hen, wenn sie von einem sym­pa­this­chen Erzäh­ler span­nend präsen­tiert wird. Genau diesen Ansatz nutzt „Wuff­is Reisen” von Arno Sprenger und Ben­jamin Frank – mit einem ungewöhn­lichen Erzäh­ler: dem kleinen Stoffhund Wuf­fi.
Wuf­fi ist jedoch mehr als nur eine nette Fig­ur. Viele ken­nen ähn­liche Stofftiere aus der eige­nen Kind­heit, und genau daran knüpft das Buch an. Der Hund begleit­et die Autoren auf ihren Reisen durch Deutsch­land und darüber hin­aus und wird zum Beobachter his­torisch­er Orte, Men­schen und Ereignisse. So entste­ht ein emo­tionaler Zugang zur Geschichte, der ohne große Erk­lärun­gen auskommt.
Eine zen­trale Idee sind die „Wuf­fi-Self­ies“. Aus­ge­hend von diesen auf den ersten Blick ein­fachen Fotos erzählen die Autoren von his­torischen Zusam­men­hän­gen, Per­sön­lichkeit­en und gesellschaftlichen Entwick­lun­gen.  Geschichte wird anschaulich, leicht ver­ständlich und bleibt im Gedächt­nis. Belehrend wirkt das Buch dabei nie.
Auch die Auswahl der Men­schen, denen Wuf­fi begeg­net, ist überzeu­gend. His­torische Per­sön­lichkeit­en erscheinen nicht als ferne Helden, son­dern als Men­schen mit Stärken, Schwächen und Ein­fluss auf ihre Zeit. Das schafft Nähe und macht Geschichte greif­bar.
Die Sprache ist klar und gut les­bar. Das Buch richtet sich nicht nur an Kinder, son­dern eben­so an Erwach­sene. Ger­ade diese Offen­heit macht es zum gemein­samen Lesen oder zum Schmök­ern allein geeignet. Der Lern­ef­fekt stellt sich dabei fast neben­bei ein.
Ins­ge­samt zeigt „Wuff­is Reisen”, dass Geschichte span­nend, zugänglich und unter­halt­sam sein kann. Der Stoffhund Wuf­fi führt als sym­pa­this­ch­er Begleit­er durch Zeit­en und The­men und weckt die Lust, sich weit­er mit Geschichte zu beschäfti­gen.
Faz­it: Ein leicht zugänglich­es, klug gemacht­es Buch, das Geschichte lebendig erzählt und Leserin­nen und Leser jeden Alters anspricht. 
Es wird eine Fort­set­zung geben, auf die wir ges­pan­nt sein kön­nen. Und wer die Web­site, https://www.wuffisreisen.de/ von Wuf­fi ken­nt, weiß, dass es auch mehr wer­den kön­nen.

Wuff­is Reisen; Wie wir zu denen wur­den, die wir heute sind; Autoren: Arno Sprenger und Ben­jamins Frank; Illus­tra­tion: Ali­na Paulussen-Brem­n­er, Gesamt­gestal­tung: Tan­ja Kar­mann 1. Auflage, ISBN Num­mer: 978–3‑00–08165‑0, Ver­lag: Arno Sprenger; Verkauf: https://www.wuffisreisen.de/das-wuffibuch/

Die Malerei der Romantik

Kom­pendi­um der roman­tis­ch­er Malerei von Friedrich bis Turn­er

Dieses Buch ist her­aus­ra­gend, eine ver­legerisches Glanzstück, ein Füll­horn großar­tiger Gemälde, über 1000 Farbab­bil­dun­gen in bester Qual­ität, häu­fig über zwei Seit­en des groß­for­mati­gen Buch­es, kün­ftig das Kom­pendi­um roman­tis­ch­er Malerei. Es stellt die Malerei der Roman­tik als gesam­teu­ropäis­ches Phänomen dar mit deut­lichem Schw­er­punkt im deutschsprachi­gen Raum. Diese Malerei, häu­fig schon lange vor dem Impres­sion­is­mus als Pleinair­malerei, begann im 18. Jahrhun­dert, ihren Höhep­unkt hat­te sie in der 1. Hälfte des 19. Jahrhun­derts. „In Anbe­tra­cht des Fehlens … ein­er spez­i­fisch roman­tis­chen Architek­tur kann sie nicht als eigen­ständi­ge Epoche ange­se­hen werden…Je nach Blick­winkel und Ein­gren­zung ist die Malerei der Roman­tik eine Ran­der­schei­n­ung inner­halb der Malereigeschichte dieser Zeit, die dem Klas­sizis­mus ange­hört.“ (S.9/10) Der Autor schreibt zur Auswahl: „Die Auswahl der Maler, die in diesem Buch mono­grafisch behan­delt wer­den, erfol­gte nach ihrer Qual­ität und Bedeu­tung. Es han­delt sich fast auss­chließlich um Kün­stler, deren Anliegen die emo­tionale Wieder­gabe ein­er Sit­u­a­tion oder Land­schaft war.“ (S. 8).
Das Buch begin­nt mit den Werken der Vor­ro­man­tik, ins­beson­dere von Claude Joseph Ver­net, der malerische Hafe­nan­sicht­en, Son­nenun­tergänge und drama­tis­che Schiff­bruch­szenen malte. Weit­er­hin gilt den Malern der Vulka­n­malerei um Wright of Der­by und Michael Wutky sowie den Land­schafts­malern Cas­par Wolf und Adri­an Zingg ein beson­deres Augen­merk.

Im Haupt­teils des Buch­es wer­den nach ein­er Ein­leitung zur his­torischen Einord­nung und den Motivschw­er­punk­ten vierzig Maler der Roman­tik aus Deutsch­land, Öster­re­ich, der Schweiz und Skan­di­navien mono­grafisch vorgestellt. Ein­drucksvoll ist die Vielfalt, viele der an Kun­st inter­essierten Öffentlichkeit gän­zlich unbekan­nte Kün­stler sind zu ent­deck­en: Carl Wil­helm Götzhoff (ein­drucksvolle ital­ienis­che Land­schafts­bilder), Julius von Ley­pold (deut­lich als Schüler C.D. Friedrich zu erken­nen), Alexan­dre Calame (aus der franzö­sis­chsprachi­gen Schweiz stam­mend, ein­er der beliebtesten Alpen­maler sein­er Zeit) und Johann Jakob Frey (ein Schweiz­er Maler, der mit seinen ital­ienis­chen Land­schafts- und Him­mel­san­sicht­en begeis­terte) seien als her­aus­ra­gende Beispiele genan­nt. Schw­er­punkt liegt natür­lich auf den berühmten Malern der Roman­tik von Friedrich, Dahl, Carus, Blechen bis zur Düs­sel­dor­fer Maler­schule unter Schirmer. Her­vorzuheben ist dabei, dass auch bei diesen Kün­stlern weniger bekan­nte, doch nicht weniger ein­drucksvolle Werke abge­bildet wer­den. Auch bei den Werken franzö­sis­ch­er, englis­ch­er und rus­sis­ch­er Kün­stler wer­den die bekan­nte Maler wie William Turn­er und John Con­sta­ble bzw. Thèodore Géri­cault und Eugène Delacroix vorgestellt und es sind Ent­deck­un­gen zu machen wie beispiel­sweise Thèodore Gudin mit seinen See- und Him­mel­san­sicht­en. Schließlich wer­den auch bedeu­tende roman­tis­che Maler aus den USA vorgestellt, deren ein­drucksvolle Land­schafts­darstel­lun­gen auch in Europa bekan­nt gewor­den sind: Thomas Cole, Fred­er­ic Edwin Church und Albert Bier­stadt. Kün­stler aus Ital­ien und Spanien fehlen. Wohl hat­te dort die Roman­tik nicht diesen prä­gen­den Ein­fluss. Oder waren es Platz­gründe, denn dieses so empfehlenswerte Kom­pendi­um roman­tis­ch­er Malerei ist jet­zt schon schw­ergewichtig genug.

Michael Imhof: Die Malerei der Roman­tik, Von Friedrich bis Turn­er, 832 Seit­en, 1.116 Farb-Abbil­dun­gen, ISBN 978–3‑7319–1385‑6, Michael Imhof Ver­lag, Peters­berg 2025, Sub­skrip­tion­spreis bis 31.1.2026: 69,00 Euro Euro (D), danach: 99,00 Euro Euro (D)

Die Grüne Woche 2026

Erfolgreiches Jubiläum mit Licht, viel Publikum – und Potenzial

Das 100-jährige Jubiläum der Grü­nen Woche ist ein ein­drucksvoller Pub­likum­ser­folg. 350.000 Besucherin­nen und Besuch­er strömten auf das Berlin­er Messegelände – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Die poli­tis­che Promi­nenz reichte vom Bun­de­spräsi­den­ten über den Bun­deskan­zler bis zu EU-Kom­mis­saren und sieben Bundesminister:innen. Die Messe präsen­tierte sich als großer Tre­ff­punkt für Land­wirtschaft, Ernährung und Poli­tik. Und doch zeigte das Jubiläum nicht nur Glanz, son­dern auch die Gren­zen des Erfol­gs.

Denn der enorme Andrang brachte die Messe zeitweise an ihre Belas­tungs­gren­ze. Am vor­let­zten Ver­anstal­tungstag musste die Grüne Woche für rund 60 Minuten wegen Über­fül­lung geschlossen wer­den – ein ungewöhn­lich­er, aber deut­lich­er Hin­weis darauf, wie sehr das Inter­esse die vorhan­de­nen Kapaz­itäten über­stieg. Für viele Aussteller, die über hohe Stand­kosten und knappe Flächen kla­gen, ist das ein Sig­nal: Mehr Platz und bessere Besucher­führung wären wün­schenswert, um Gespräche, Präsen­ta­tio­nen und Verkauf nicht dem Gedränge zu opfern.

Inhaltlich überzeugte die Messe mit Vielfalt. 1.600 Aussteller aus über 50 Län­dern zeigten Pro­duk­te, Trends und Inno­va­tio­nen. Beson­ders stark besucht waren die Bere­iche des Bun­desmin­is­teri­ums für Land­wirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie der Erleb­nis­Bauern­hof, die sich erneut als Pub­likums­mag­neten erwiesen. Hier sucht­en viele Besuch­er gezielt den Kon­takt zur Prax­is, informierten sich über Tier­hal­tung, Anbau und mod­erne Land­wirtschaft – ein Zeichen dafür, dass das Inter­esse an Herkun­ft und Pro­duk­tion weit­er wächst.

Poli­tisch war die Messe so präsent wie sel­ten zuvor. Bun­de­spräsi­dent, Bun­deskan­zler und zahlre­iche Min­is­ter nutzten die Grüne Woche als Bühne. Beim Glob­al Forum for Food and Agri­cul­ture disku­tierten Exper­tin­nen und Experten aus aller Welt über Wass­er, Kli­ma und Ernährungssicherung. Die Berlin­er Agrarmin­is­terkon­ferenz ver­ab­schiedete eine gemein­same Erk­lärung zu effizien­ter Wasser­nutzung und Ressourcenschutz. Inter­na­tion­al wirk­te das Jubiläum sou­verän und pro­fes­sionell.

Doch hin­ter der Fest­stim­mung trat­en auch bekan­nte Kon­flik­tlin­ien offen zutage. Der Span­nungs­bo­gen zwis­chen Bauern­ver­band und Han­del war in vie­len Gesprächen und Diskus­sion­srun­den spür­bar. Fra­gen nach Erzeuger­preisen, Mark­t­macht des Lebens­mit­teleinzel­han­dels und fair­er Verteilung ent­lang der Wertschöp­fungs­kette wur­den immer wieder the­ma­tisiert – ohne dass sich ein­fache Lösun­gen abze­ich­neten. Ger­ade hier zeigte die Grüne Woche ihre Dop­pel­rolle: Bühne für Kon­sum und Genuss, aber zugle­ich Schau­platz har­ter wirtschaftlich­er Inter­essen.

Die Medi­en zogen ins­ge­samt ein über­wiegend pos­i­tives Faz­it. Gelobt wur­den Besucherzahlen, inter­na­tionale Präsenz und poli­tis­che Dichte. Kri­tik blieb eher leise und konzen­tri­erte sich auf Organ­i­sa­tion, Gedränge und bekan­nte Struk­tur­prob­leme der Branche. Ein grundle­gen­der Wider­spruch blieb jedoch sicht­bar: Zwis­chen dem Bild ein­er nach­halti­gen, ver­ant­wor­tungsvollen Land­wirtschaft und den realen Mark­t­mech­a­nis­men klafft weit­er­hin eine Lücke.

Auch wirtschaftlich set­zte die Messe Impulse. Die durch­schnit­tlichen Pro-Kopf-Aus­gaben lagen bei rund 150 Euro. Hotel­lerie, Gas­tronomie und Einzel­han­del prof­i­tierten spür­bar. Über 1.800 Medi­en­vertreter aus 21 Län­dern begleit­eten die Ver­anstal­tung.

Mehr als 90 Prozent der Besuch­er bew­erteten ihren Messebe­such pos­i­tiv und wür­den die Grüne Woche weit­erempfehlen. Viele Aussteller pla­nen bere­its ihre Rück­kehr.

Die näch­ste Grüne Woche find­et vom 15. bis 24. Jan­u­ar 2027 in Berlin statt.

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