Erfolgreiches Jubiläum mit Licht, viel Publikum – und Potenzial

Das 100-jährige Jubiläum der Grü­nen Woche ist ein ein­drucksvoller Pub­likum­ser­folg. 350.000 Besucherin­nen und Besuch­er strömten auf das Berlin­er Messegelände – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Die poli­tis­che Promi­nenz reichte vom Bun­de­spräsi­den­ten über den Bun­deskan­zler bis zu EU-Kom­mis­saren und sieben Bundesminister:innen. Die Messe präsen­tierte sich als großer Tre­ff­punkt für Land­wirtschaft, Ernährung und Poli­tik. Und doch zeigte das Jubiläum nicht nur Glanz, son­dern auch die Gren­zen des Erfol­gs.

Denn der enorme Andrang brachte die Messe zeitweise an ihre Belas­tungs­gren­ze. Am vor­let­zten Ver­anstal­tungstag musste die Grüne Woche für rund 60 Minuten wegen Über­fül­lung geschlossen wer­den – ein ungewöhn­lich­er, aber deut­lich­er Hin­weis darauf, wie sehr das Inter­esse die vorhan­de­nen Kapaz­itäten über­stieg. Für viele Aussteller, die über hohe Stand­kosten und knappe Flächen kla­gen, ist das ein Sig­nal: Mehr Platz und bessere Besucher­führung wären wün­schenswert, um Gespräche, Präsen­ta­tio­nen und Verkauf nicht dem Gedränge zu opfern.

Inhaltlich überzeugte die Messe mit Vielfalt. 1.600 Aussteller aus über 50 Län­dern zeigten Pro­duk­te, Trends und Inno­va­tio­nen. Beson­ders stark besucht waren die Bere­iche des Bun­desmin­is­teri­ums für Land­wirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie der Erleb­nis­Bauern­hof, die sich erneut als Pub­likums­mag­neten erwiesen. Hier sucht­en viele Besuch­er gezielt den Kon­takt zur Prax­is, informierten sich über Tier­hal­tung, Anbau und mod­erne Land­wirtschaft – ein Zeichen dafür, dass das Inter­esse an Herkun­ft und Pro­duk­tion weit­er wächst.

Poli­tisch war die Messe so präsent wie sel­ten zuvor. Bun­de­spräsi­dent, Bun­deskan­zler und zahlre­iche Min­is­ter nutzten die Grüne Woche als Bühne. Beim Glob­al Forum for Food and Agri­cul­ture disku­tierten Exper­tin­nen und Experten aus aller Welt über Wass­er, Kli­ma und Ernährungssicherung. Die Berlin­er Agrarmin­is­terkon­ferenz ver­ab­schiedete eine gemein­same Erk­lärung zu effizien­ter Wasser­nutzung und Ressourcenschutz. Inter­na­tion­al wirk­te das Jubiläum sou­verän und pro­fes­sionell.

Doch hin­ter der Fest­stim­mung trat­en auch bekan­nte Kon­flik­tlin­ien offen zutage. Der Span­nungs­bo­gen zwis­chen Bauern­ver­band und Han­del war in vie­len Gesprächen und Diskus­sion­srun­den spür­bar. Fra­gen nach Erzeuger­preisen, Mark­t­macht des Lebens­mit­teleinzel­han­dels und fair­er Verteilung ent­lang der Wertschöp­fungs­kette wur­den immer wieder the­ma­tisiert – ohne dass sich ein­fache Lösun­gen abze­ich­neten. Ger­ade hier zeigte die Grüne Woche ihre Dop­pel­rolle: Bühne für Kon­sum und Genuss, aber zugle­ich Schau­platz har­ter wirtschaftlich­er Inter­essen.

Die Medi­en zogen ins­ge­samt ein über­wiegend pos­i­tives Faz­it. Gelobt wur­den Besucherzahlen, inter­na­tionale Präsenz und poli­tis­che Dichte. Kri­tik blieb eher leise und konzen­tri­erte sich auf Organ­i­sa­tion, Gedränge und bekan­nte Struk­tur­prob­leme der Branche. Ein grundle­gen­der Wider­spruch blieb jedoch sicht­bar: Zwis­chen dem Bild ein­er nach­halti­gen, ver­ant­wor­tungsvollen Land­wirtschaft und den realen Mark­t­mech­a­nis­men klafft weit­er­hin eine Lücke.

Auch wirtschaftlich set­zte die Messe Impulse. Die durch­schnit­tlichen Pro-Kopf-Aus­gaben lagen bei rund 150 Euro. Hotel­lerie, Gas­tronomie und Einzel­han­del prof­i­tierten spür­bar. Über 1.800 Medi­en­vertreter aus 21 Län­dern begleit­eten die Ver­anstal­tung.

Mehr als 90 Prozent der Besuch­er bew­erteten ihren Messebe­such pos­i­tiv und wür­den die Grüne Woche weit­erempfehlen. Viele Aussteller pla­nen bere­its ihre Rück­kehr.

Die näch­ste Grüne Woche find­et vom 15. bis 24. Jan­u­ar 2027 in Berlin statt.