Magazin für Kultur

Kategorie: Sachbuch (Seite 1 von 9)

Rosa Luxemburg in Berlin

Ein biografis­ch­er Stadt­führer

Dieses kleine Buch hat es in sich: es ver­mit­telt wichtige Ereignisse der Berlin­er Stadt­geschichte und erin­nert an die her­aus­ra­gende Per­sön­lichkeit Rosa Lux­em­burgs. Es zeich­net den Lebensweg von Rosa Lux­em­burg im dama­li­gen Zen­trum der inter­na­tionalen Arbeit­er­be­we­gung nach. Begin­nend mit ihrem ersten Quarti­er unweit des Tier­gartens bis zur Fund­stelle ihres Leich­nams an ein­er Schleuse des Landwehrkanals viere­in­halb Monate nach ihrer Ermor­dung führt er zu den Orten, an denen Rosa Lux­em­burg in Berlin wirk­te und wo an sie erin­nert wird. Neben einem Stadt­plan mit der Kennze­ich­nung der beschriebe­nen Orte enthält es QR-Codes. Diese führen auf eine Lis­ter aller 15 Hörstücke im Audio­por­tal Sound­cloud.

Clau­dia von Gèlieu: Rosa Lux­em­burg in Berlin – Ein biografis­ch­er Stadt­führer, 136 Seit­en, Klap­pen­broschur, 6 €, Dietz Berlin Ver­lag, Berlin 2021, ISBN 978–3‑320–02380‑5

Republikanismus und Radikalismus

Poli­tis­che The­o­rie nach Machi­avel­li

Philipp Hölz­ing

Über Jahrhun­derte war Machi­avel­lis Lehre, dass der Zweck die Mit­tel heilige unter dem Begriff »Machi­avel­lis­mus« weltweit vorherrschend. Macht­poli­tis­ch­er Real­is­mus und ein Pri­mat der Staat­srä­son wur­den als weit­ere wichtige Ele­mente sein­er Lehren betra­chtet.

In der aktuellen Diskus­sion wird hinge­gen entwed­er der Repub­likan­er Machi­avel­li in das Zen­trum der Betra­ch­tung gerückt oder der Demokrat und Klassen­the­o­retik­er.

Hölz­ing entwick­elt in seinem Werk eine Ideengeschichte, die einen neuen Blick auf Machi­avel­li eröff­nen soll. Mit dem Buch sollen die neuen Wege der Machi­avel­li-Forschung rekon­stru­iert wer­den. Es wurde nach Bekun­den des Ver­fassers nach rund zwanzig Jahren der Beschäf­ti­gung mit den Ideen Machi­avel­lis ver­fasst. Er greife darum teil­weise bere­its veröf­fentlichte Über­legun­gen auf, die über­ar­beit­et beziehungsweise neu geschrieben wor­den seien.

Das Werk ist in fünf Kapi­tel gegliedert.

Im ersten Kapi­tel legt der Ver­fass­er eine umfassende Rezep­tion­s­geschichte dar, die Machi­avel­li als Repub­likan­er würdigt. Dabei geht es ins­beson­dere um den Zusam­men­hang der bei­den großen Werke Machi­avel­lis, näm­lich von Principe (Der Fürst), dem wohl bekan­ntesten Buch auf der einen und Dis­cor­si (Das Wesen ein­er starken Repub­lik) auf der anderen Seite.

Die bei­den Büch­er zeigen gegen­sät­zliche, sich schein­bar wider­sprechende Seit­en Machi­avel­lis, näm­lich ein­er­seits den skru­pel­losen Berater eines Allein­herrsch­ers und ander­er­seits den The­o­retik­er ein­er frei­heitlichen Repub­lik. Der Ver­fass­er unter­bre­it­et hierzu einen repub­likanis­chen Ver­mit­tlungsvorschlag, der für seine weit­eren Gedanken zu Machi­avel­lis Repub­likanis­mus die Basis bildet.

Die Grundthese des Ver­fassers lautet, dass sich das Gesamtwerk Machi­avel­lis opti­mal erschließen lasse, wenn man ihn als Repub­likan­er begreife ohne die anderen Aspek­te von dessen Werken auszublenden. Er erscheine dann als Repub­likan­er, der Prob­leme des Lib­er­al­is­mus antizip­iere, indem er „die wech­sel­seit­ige Ver­wiesen­heit von repub­likanis­ch­er Ord­nung und ein­er repub­likanis­chen Kul­tur der Frei­heit the­ma­tisiert“. Principe und Dis­cor­si stün­den so in einem Ergänzungsver­hält­nis, wobei ersteres als Anleitung zur Bewäl­ti­gung der Krise zu sehen sei und zweit­ge­nan­ntes Werk der Per­fek­tion­ierung in der Repub­lik dienen solle. Es han­dele sich damit um Entwick­lungsstufen zu einem vol­lkomme­nen repub­likanis­chen Staatswe­sen.

Die Repub­lik müsse dabei nach Machi­avel­li nicht nur insti­tu­tionell so beschaf­fen sein, dass sie von ihren Bürg­ern getra­gen werde, son­dern so, dass diese sich deren Bedeu­tung und ihres Wertes stets bewusst sein müssten, so dass sie, ggf. auch mit Gewalt, bere­it sein müssten, im Falle von deren Gefährdung etwa durch Kor­rup­tion, ihren Ursprungszu­s­tand wieder­herzustellen. Der Ver­fass­er unter­stre­icht dies mit dem tre­f­fend­en, zeit­los aktuellen Zitat:„Wie näm­lich zur Erhal­tung guter Sit­ten Geset­ze nötig sind, so sind auch zur Beach­tung der Geset­ze gute Sit­ten erforder­lich“.

Im zweit­en Kapi­tel behan­delt Hölz­ing Prob­leme sozialer Verteilung­sun­gerechtigkeit und ihrer Fol­gen für die Repub­lik. Machi­avel­lis Aus­führun­gen ins­beson­dere zum Klassenkampf zwis­chen den Herrschen­den und dem gemeinen Volk wer­den unter­sucht und dessen The­o­rien zu über­großem Reich­tum und seinen Fol­gen sowie den Risiken, die ein über­mächtiger Kap­i­tal­bere­ich für die Repub­lik mit sich bringt, dargelegt.

Machi­avel­li lege dem­nach eine The­o­rie dar, die „radikal egal­i­taris­tisch aus­gerichtet ist und die Frei­heit der Repub­lik und ihrer Bürg­er zum Ziel hat“.

Anthro­pol­o­gisch sei dabei die ungle­iche Verteilung eine Folge der ego­is­tis­chen men­schlichen Natur sowie der ungle­ichen Seg­nung mit Fähigkeit und Glück. Moralisch führe über­mäßiger Reich­tum zu Faul­heit und Laster­haftigkeit. Sozioökonomisch sei die Ungle­ich­heit ein Kennze­ichen aller Gesellschaften. Poli­tisch sei der Klassenkon­flikt jedoch, sofern er insti­tu­tionell abgesichert sei, ein pro­duk­tiv­er frei­heits­fördern­der Fak­tor des repub­likanis­chen Gemein­we­sens.

Könne die Gier der Reichen allerd­ings nicht im Rah­men der vorge­se­henen insti­tu­tionellen Wege eingeschränkt wer­den, dro­he Bürg­erkrieg und der Griff zu ille­galen Meth­o­d­en der Inter­essendurch­set­zung. Die Folge seien entwed­er ein Ende der demokratis­chen Repub­lik und Tyran­nei oder das Volk entledi­ge sich mit Gewalt der Reichen mit dem Ziel der Wieder­her­stel­lung der Repub­lik in ihrem ursprünglichen Sinne.

Im drit­ten Kapi­tel beschäftigt sich der Autor mit dem The­ma Gewalt, das er zu Recht als einen der neu­ral­gis­chen Punk­te der The­sen Machi­avel­lis beze­ich­net, da dieser nach all­ge­mein­er Mei­n­ung die Lehre, dass der Zweck jedes Mit­tel heilige, befür­worte. Hölz­ing kommt hinge­gen zu dem Ergeb­nis, Machi­avel­li sei ein früher Repräsen­tant ein­er ethisch-philosophis­chen Lehre, die ins­beson­dere die Fol­gen der jew­eili­gen Hand­lun­gen im Blick habe. Der tugend­hafte Herrsch­er müsse sowohl das Recht als auch Gewalt in der Poli­tik ein­set­zen, wobei das Recht das men­schliche und Gewalt das tierische Mit­tel sei. Da das erste Instru­men­tar­i­um auf­grund der schlecht­en men­schlichen Natur und der Rolle der For­tu­na nicht immer erfol­gre­ich sei, müsse er mitunter zum zweit­en greifen. Dabei müsse er so schlau und ver­schla­gen wie ein Fuchs und so furchter­re­gend wie ein Löwe vorge­hen. Moralisch schlechte Mit­tel kön­nten so gute und moralisch gute schlechte Fol­gen haben.

Wenn sich ein Staat formell kon­sti­tu­iert habe, werde es nach Machi­avel­li in seinem Werk „Der Fürst“ stets zu Unter­drück­ung und poli­tis­ch­er Gewalt kom­men, die schließlich zu ein­er Rev­o­lu­tion führe. Der neue Herrsch­er solle dann Gewalt klug ein­set­zen. Er solle notwendi­ge Gewalt­tat­en vorher bedenken und auf einen Schlag aus­führen, so dass er sich nach erfol­gter Beruhi­gung des Volkes Wohltat­en zuwen­den könne. Er dürfe den Ruf der Grausamkeit nicht fürcht­en, denn einige ver­hängte Strafen seien men­schlich­er als über­triebene Nach­sicht, die zu Unord­nung und schließlich zu Raub und Mord führten. In ein­er Repub­lik oder einem Gemein­we­sen, in dem das Volk an der Mach­tausübung beteiligt sei, sei der Zwang zur Gewalt jedoch ger­ing. Auch in der Repub­lik könne es allerd­ings Zwang zu Gewalt und hohen Strafen geben, um zu ihrem Ursprung zurück­zukehren, wenn es Fehlen­twick­lun­gen gegeben habe. Herrsch­er soll­ten darum Gewalt klug und instru­mentell ein­set­zen. Das Gle­iche gelte zudem auch für die Reli­gion, die zu fördern sei, auch wenn die Herrsch­er deren Grund­la­gen für falsch hiel­ten.

Der Ver­fass­er kommt zu dem Resul­tat, Machi­avel­li bevorzuge eine Rei­he von Werten wie Sta­bil­ität, Sicher­heit, Frei­heit und Ruhm, die seine repub­likanis­che Aus­rich­tung fundierten. Alles poli­tis­che Han­deln müsse daraufhin beurteilt wer­den, inwieweit es der Ver­wirk­lichung dieser Werte diene. Das Han­deln werde aber in Bezug auf diese Para­me­ter auch kon­trol­liert und damit begren­zt. Hölz­ing räumt allerd­ings ein, dass diese The­o­rie auf­grund ihrer Aufgeschlossen­heit für Gewalt einen erhe­blichen Anteil an Radikalität enthalte.

Das vierte Kapi­tel beschäftigt sich ver­tieft mit dem Löwen und dem Fuchs, zwei der bekan­ntesten Tier­fig­uren in Machi­avel­lis Werken. Der Ver­fass­er hat diesen von ihm als „spielerisches Kapi­tel“ beze­ich­neten Teil in sein Buch aufgenom­men, da dies nach sein­er Auf­fas­sung eine vielfach ver­nach­läs­sigte bildliche Ebene der poli­tis­chen The­o­rie und der poli­tis­chen Denkweise Machi­avel­lis sei.

Der ide­ale Machthaber solle nach Machi­avel­li stark, furchter­re­gend, klug und ver­schla­gen sein, also eben wie eine Mis­chung aus Löwe und Fuchs. Hölz­ing arbeit­et im Einzel­nen her­aus, dass es vor allem bei bei Cicero ein Gegen­mod­ell zu Machi­avel­lis Löwe und Fuchs in der Antike gebe, während die europäis­che Fabel­welt wie u.a. das Beispiel von Less­ing zeigen soll, ver­schiedene Charak­ter­isierun­gen der Tiere kenne.

Das Faz­it des Autors lautet, Machi­avel­lis „poli­tis­che Zoolo­gie“ sei von einem radikalen Bruch mit der christlich-human­is­tis­chen Tra­di­tion geprägt, sie enthalte jedoch gle­ichzeit­ig eine repub­likanis­che Stoßrich­tung.

Im fün­ften Kapi­tel wen­det sich Hölz­ing schließlich dem »radikalen Machi­avel­lis­mus« zu und untern­immt den Ver­such, dessen zen­trale The­o­rieen­twick­lung nachzu­ver­fol­gen. Aus­ge­hend von Gram­scis „Philoso­phie der Prax­is“ über „Althussers „aleatorischen Mate­ri­al­is­mus“ bis hin zu der »rebel­lieren­den Demokratie« Aben­sours und weit­eren Autoren stellt er die Entwick­lung und das Zusam­men­laufen der The­men Repub­likanis­mus und Radikalis­mus dar. Er kommt zu dem Schluss, dieser„radikale Machi­avel­lis­mus“ sei heutzu­tage ein „zen­traler Rezep­tion­sstrang“ neben der angel­säch­sis­chen Repub­likanis­muskonzep­tion. Bei­de zusam­men bilde­ten die Basis für die aktuelle Diskus­sion über eine „radikalen Machi­avel­li“.

In einem Abschlusskapi­tel fasst der Autor schließlich seine Ergeb­nisse in fünf zen­tralen The­sen zusam­men. Sein Gesamt­faz­it lautet, dass ein in der Nach­folge Machi­avel­lis ste­hen­der radikaler Repub­likanis­mus die Auf­gabe habe, „dem Volk insti­tu­tionelle Mech­a­nis­men an die Hand zu geben, um es vor der Herrschaft und Aus­beu­tung der Reichen zu schützen“. Dieser unter­schei­de sich damit grundle­gend von dem mod­er­nen Lib­er­al­is­mus, dem es im Gegen­satz dazu darum gehe, „wie er die Reichen vor dem Volk schützen“ könne.

Das Werk liefert einen inter­es­san­ten, anspruchsvollen Leses­toff über die The­o­rien Machi­avel­lis und ihre unter­schiedlichen pub­lizis­tis­chen Einord­nun­gen im Lauf der Zeit. Man muss die Schlussfol­gerun­gen des Ver­fassers allerd­ings nicht allen Punk­ten teilen. Dies gilt zum Beispiel für seine etwas eindi­men­sion­ale Charak­ter­isierung des Lib­er­al­is­mus und sein­er Ziele, für den, anders als der Ver­fass­er es darstellt, Frei­heit, Gle­ich­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung des einzel­nen im Mit­telpunkt ste­hen und die Ein­hegung staatlich­er Macht durch Ver­fas­sun­gen, Gewal­tenteilung und Indi­vid­u­al­grun­drechte prä­gende Ele­mente sind. Ger­ade das macht aber auch den Reiz der Lek­türe von Hölz­ings Buch aus.

Philipp Hölz­ing, Repub­likanis­mus und Radikalis­mus, Poli­tis­che The­o­rie nach Machi­avel­li, 220 Seit­en, Klap­pen­broschur, Erste Auflage 2025, Ver­lag Matthes & Seitz Berlin, Preis: 16,00 €

Die Spur des Silbers

Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat

In „Die Spur des Sil­bers” erzählt Till­mann Bendikows­ki europäis­che Geschichte aus der Per­spek­tive eines einzi­gen Rohstoffs. Seine zen­trale These lautet, dass Sil­ber weit mehr war als ein Edel­met­all. Es trieb den Han­del, die Macht­bil­dung und die frühe Glob­al­isierung entschei­dend voran.
Aus­gangspunkt ist das Europa vor der Ent­deck­ung Amerikas. Regio­nen wie das Erzge­birge mit Städten wie Freiberg oder Joachim­sthal waren damals wichtige Zen­tren der Sil­ber­förderung. Hier ent­standen fortschrit­tliche Berg­baus­truk­turen und frühe For­men eines ein­heitlichen Geldsys­tems, etwa mit dem Taler. Diese Entwick­lun­gen wer­den im Buch jedoch eher knapp behan­delt.
Der entschei­dende Umbruch begin­nt im 16. Jahrhun­dert mit Poto­sí. Am Cer­ro Rico ver­lagerte sich die Sil­ber­pro­duk­tion nach Ameri­ka. Spanien nutzte diese Ressource sys­tem­a­tisch: Sil­ber wurde in großen Men­gen gefördert, zu Münzen geprägt und über weitre­ichende Han­del­snet­ze verteilt. Beson­ders der Peso de a Ocho entwick­elte sich zu ein­er Art früher Weltwährung.
Das Sil­ber aus Poto­sí gelangte nicht nur nach Europa, son­dern von dort aus auch nach Chi­na und in den ara­bis­chen Raum, da es als uni­versell akzep­tiertes Zahlungsmit­tel diente. So ent­stand bere­its in der Frühen Neuzeit ein glob­ales Han­delssys­tem. Gle­ichzeit­ig ver­schweigt das Buch nicht die Schat­ten­seit­en. Der Reich­tum beruhte auf Zwangsar­beit und kolo­nialer Aus­beu­tung. Die Gier nach Sil­ber führte immer wieder zu Gewalt und Raub – von Über­fällen auf spanis­che Schiffe durch Freibeuter bis hin zu sys­tem­a­tis­chem Raub im Kon­text der nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­fol­gung jüdis­chen Eigen­tums.
Die Geschichte des Sil­bers zeigt, wie stark glob­ale Wirtschaftssys­teme von einzel­nen Ressourcen abhän­gen kön­nen und welche Chan­cen und Risiken damit ver­bun­den sind. Auch heute spielt Sil­ber wirtschaftlich eine wichtige Rolle, wie die aktuellen Preisen­twick­lun­gen zeigen. Grund­sät­zlich gilt: Wer über zen­trale Ressourcen ver­fügt, gewin­nt Ein­fluss auf glob­ale Entwick­lun­gen. In gewiss­er Weise sind die ver­gle­ich­baren „Rohstoffe” der Gegen­wart Dat­en und Energie. Um sie wird ähn­lich inten­siv gerun­gen wie einst um Sil­ber.

Das Buch ist gut les­bar, anschaulich geschrieben und inspiri­erend sich weit­er mit den The­ma zu befassen.

Till­mann Bendikows­ki: Die Spur des Sil­bers: Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat, 256 Seit­en, zahlre­iche Abbil­dun­gen, ISBN: 978–3570105436, C.Bertelsmann Ver­lag 2025, 26,00 €

Monas Augen

Ein anre­gen­der Gang durch die Kun­st­geschichte

Der Unter­ti­tel dieses franzö­sis­chen Best­sellers „ Eine Reise zu den schön­sten Kunst­werken unser­er Zeit“ kann sich­er nur sehr sub­jek­tiv ver­standen wer­den, auch die Gat­tungs­beze­ich­nung Roman. Es han­delt sich um einen sehr anre­gen­den Gang durch die Kun­st­geschichte: 52 Werke aus den Paris­er Museen Lou­vre, Musée d’Or­say und Cen­tre Pom­pi­dou wer­den höchst infor­ma­tiv vorgestellt und mit Lebensweisheit­en ver­bun­den. Die Auswahl begin­nt mit Bot­ti­cel­li und da Vin­ci geht über Courbet, Manet und Mon­et bis zu schw­er ver­ständliche mod­erne „Werke“ von Louise Bour­geois und Mari­na Abramovic. Die Rah­men­hand­lung ist sehr reizvoll gewählt: ein Groß­vater besucht mit sein­er aufgeweck­ten zehn­jähri­gen Enke­lin die genan­nten Museen, „um die gren­zen­lose Lust der Far­ben und For­men (zu) empfind­en, dann erk­lärend, damit sie das Sta­di­um des visuellen Entzück­ens hin­ter sich lassen und ver­ste­hen kon­nte, wie die Kün­stler uns vom Leben erzählen und wie sie es beleucht­en.“ (S. 26) Sämtliche besproch­ene Kunst­werke sind in den Vorder- und Rück­seit­en der Klap­pen­broschur abge­bildet, lei­der oft so klein, dass zum Nachvol­lziehen der sehr überzeu­gen­den Bild­be­tra­ch­tun­gen andere visuelle Vor­la­gen hinzuge­zo­gen wer­den müssen.

Thomas Sch­less­er: Monas Augen – Eine Reise zu den schön­sten Kunst­werken unser­er Zeit, 496 Seit­en, Klap­pen­broschur, 978–3‑492–06800‑0, Piper Ver­lag, München 2026, 18 €

Modersohn-Becker

Paula Beck­er & Otto Mod­er­sohn — Kun­st und Leben

Anlässlich des 150. Geburt­stags der inzwis­chen weltweit als bedeu­tende Kün­st­lerin geehrten Paula Mod­er­sohn-Beck­er wer­den in Worp­swede, dem zen­tralen Lebens- und Wirkung­sort Mod­er­sohn-Beck­ers, und in Dres­den Ausstel­lun­gen eröffnet, die ihr Werk aus den unter­schiedlich­sten Per­spek­tiv­en würdi­gen (in Dres­den im Bezug zu Munch). Dabei wird die wichtige gegen­seit­ige Bee­in­flus­sung und Anre­gung durch ihren Mann und anerkan­nten Land­schafts­maler Otto Mod­er­sohn zu wenig Beach­tung geschenkt. Diese Neuau­flage ein­er Ausstel­lung im Bre­mer Paula-Mod­er­sohn-Beck­er-Muse­um bietet eine reizvolle Ergänzung, sie präsen­tiert rund 80 Gemälde und Zeich­nun­gen von Paula Mod­er­sohn-Beck­er und Otto Mod­er­sohn – darunter zahlre­iche, bis­lang nie gezeigte Skizzen aus öffentlichen und pri­vat­en Samm­lun­gen. Die aus­gewählten Werke geben einen konzen­tri­erten Ein­blick in zen­trale The­men der bei­den Kün­stler, von Land­schaften über Fam­i­lien­leben bis hin zu Worp­swede, und eröff­nen zugle­ich neue Blick­winkel auf ihr kün­st­lerisches Schaf­fen. Anlass für die Gegenüber­stel­lung dieser Werke in der Pub­lika­tion ist der 2017 erst­mals veröf­fentlichte Briefwech­sel des Paares. Er gibt Ein­blick in die Vielschichtigkeit dieser Beziehung und ihre mod­er­nen und damals schon emanzip­ierten Ideen und Ein­stel­lun­gen.

Paula-Mod­er­sohn-Beck­er-Stiftung (Hsg.): Paula Beck­er & Otto Mod­er­sohn — Kun­st und Leben, 92 S., 79 Abb., 978–3‑86832–852‑3, Wien­and Ver­lag, Köln 2026, 24 €

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