Magazin für Kultur

Kategorie: Sachbuch (Seite 1 von 9)

Die Spur des Silbers

Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat

In „Die Spur des Sil­bers” erzählt Till­mann Bendikows­ki europäis­che Geschichte aus der Per­spek­tive eines einzi­gen Rohstoffs. Seine zen­trale These lautet, dass Sil­ber weit mehr war als ein Edel­met­all. Es trieb den Han­del, die Macht­bil­dung und die frühe Glob­al­isierung entschei­dend voran.
Aus­gangspunkt ist das Europa vor der Ent­deck­ung Amerikas. Regio­nen wie das Erzge­birge mit Städten wie Freiberg oder Joachim­sthal waren damals wichtige Zen­tren der Sil­ber­förderung. Hier ent­standen fortschrit­tliche Berg­baus­truk­turen und frühe For­men eines ein­heitlichen Geldsys­tems, etwa mit dem Taler. Diese Entwick­lun­gen wer­den im Buch jedoch eher knapp behan­delt.
Der entschei­dende Umbruch begin­nt im 16. Jahrhun­dert mit Poto­sí. Am Cer­ro Rico ver­lagerte sich die Sil­ber­pro­duk­tion nach Ameri­ka. Spanien nutzte diese Ressource sys­tem­a­tisch: Sil­ber wurde in großen Men­gen gefördert, zu Münzen geprägt und über weitre­ichende Han­del­snet­ze verteilt. Beson­ders der Peso de a Ocho entwick­elte sich zu ein­er Art früher Weltwährung.
Das Sil­ber aus Poto­sí gelangte nicht nur nach Europa, son­dern von dort aus auch nach Chi­na und in den ara­bis­chen Raum, da es als uni­versell akzep­tiertes Zahlungsmit­tel diente. So ent­stand bere­its in der Frühen Neuzeit ein glob­ales Han­delssys­tem. Gle­ichzeit­ig ver­schweigt das Buch nicht die Schat­ten­seit­en. Der Reich­tum beruhte auf Zwangsar­beit und kolo­nialer Aus­beu­tung. Die Gier nach Sil­ber führte immer wieder zu Gewalt und Raub – von Über­fällen auf spanis­che Schiffe durch Freibeuter bis hin zu sys­tem­a­tis­chem Raub im Kon­text der nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­fol­gung jüdis­chen Eigen­tums.
Die Geschichte des Sil­bers zeigt, wie stark glob­ale Wirtschaftssys­teme von einzel­nen Ressourcen abhän­gen kön­nen und welche Chan­cen und Risiken damit ver­bun­den sind. Auch heute spielt Sil­ber wirtschaftlich eine wichtige Rolle, wie die aktuellen Preisen­twick­lun­gen zeigen. Grund­sät­zlich gilt: Wer über zen­trale Ressourcen ver­fügt, gewin­nt Ein­fluss auf glob­ale Entwick­lun­gen. In gewiss­er Weise sind die ver­gle­ich­baren „Rohstoffe” der Gegen­wart Dat­en und Energie. Um sie wird ähn­lich inten­siv gerun­gen wie einst um Sil­ber.

Das Buch ist gut les­bar, anschaulich geschrieben und inspiri­erend sich weit­er mit den The­ma zu befassen.

Till­mann Bendikows­ki: Die Spur des Sil­bers: Wie die Jagd nach dem Edel­met­all unsere Welt verän­dert hat, 256 Seit­en, zahlre­iche Abbil­dun­gen, ISBN: 978–3570105436, C.Bertelsmann Ver­lag 2025, 26,00 €

Monas Augen

Ein anre­gen­der Gang durch die Kun­st­geschichte

Der Unter­ti­tel dieses franzö­sis­chen Best­sellers „ Eine Reise zu den schön­sten Kunst­werken unser­er Zeit“ kann sich­er nur sehr sub­jek­tiv ver­standen wer­den, auch die Gat­tungs­beze­ich­nung Roman. Es han­delt sich um einen sehr anre­gen­den Gang durch die Kun­st­geschichte: 52 Werke aus den Paris­er Museen Lou­vre, Musée d’Or­say und Cen­tre Pom­pi­dou wer­den höchst infor­ma­tiv vorgestellt und mit Lebensweisheit­en ver­bun­den. Die Auswahl begin­nt mit Bot­ti­cel­li und da Vin­ci geht über Courbet, Manet und Mon­et bis zu schw­er ver­ständliche mod­erne „Werke“ von Louise Bour­geois und Mari­na Abramovic. Die Rah­men­hand­lung ist sehr reizvoll gewählt: ein Groß­vater besucht mit sein­er aufgeweck­ten zehn­jähri­gen Enke­lin die genan­nten Museen, „um die gren­zen­lose Lust der Far­ben und For­men (zu) empfind­en, dann erk­lärend, damit sie das Sta­di­um des visuellen Entzück­ens hin­ter sich lassen und ver­ste­hen kon­nte, wie die Kün­stler uns vom Leben erzählen und wie sie es beleucht­en.“ (S. 26) Sämtliche besproch­ene Kunst­werke sind in den Vorder- und Rück­seit­en der Klap­pen­broschur abge­bildet, lei­der oft so klein, dass zum Nachvol­lziehen der sehr überzeu­gen­den Bild­be­tra­ch­tun­gen andere visuelle Vor­la­gen hinzuge­zo­gen wer­den müssen.

Thomas Sch­less­er: Monas Augen – Eine Reise zu den schön­sten Kunst­werken unser­er Zeit, 496 Seit­en, Klap­pen­broschur, 978–3‑492–06800‑0, Piper Ver­lag, München 2026, 18 €

Modersohn-Becker

Paula Beck­er & Otto Mod­er­sohn — Kun­st und Leben

Anlässlich des 150. Geburt­stags der inzwis­chen weltweit als bedeu­tende Kün­st­lerin geehrten Paula Mod­er­sohn-Beck­er wer­den in Worp­swede, dem zen­tralen Lebens- und Wirkung­sort Mod­er­sohn-Beck­ers, und in Dres­den Ausstel­lun­gen eröffnet, die ihr Werk aus den unter­schiedlich­sten Per­spek­tiv­en würdi­gen (in Dres­den im Bezug zu Munch). Dabei wird die wichtige gegen­seit­ige Bee­in­flus­sung und Anre­gung durch ihren Mann und anerkan­nten Land­schafts­maler Otto Mod­er­sohn zu wenig Beach­tung geschenkt. Diese Neuau­flage ein­er Ausstel­lung im Bre­mer Paula-Mod­er­sohn-Beck­er-Muse­um bietet eine reizvolle Ergänzung, sie präsen­tiert rund 80 Gemälde und Zeich­nun­gen von Paula Mod­er­sohn-Beck­er und Otto Mod­er­sohn – darunter zahlre­iche, bis­lang nie gezeigte Skizzen aus öffentlichen und pri­vat­en Samm­lun­gen. Die aus­gewählten Werke geben einen konzen­tri­erten Ein­blick in zen­trale The­men der bei­den Kün­stler, von Land­schaften über Fam­i­lien­leben bis hin zu Worp­swede, und eröff­nen zugle­ich neue Blick­winkel auf ihr kün­st­lerisches Schaf­fen. Anlass für die Gegenüber­stel­lung dieser Werke in der Pub­lika­tion ist der 2017 erst­mals veröf­fentlichte Briefwech­sel des Paares. Er gibt Ein­blick in die Vielschichtigkeit dieser Beziehung und ihre mod­er­nen und damals schon emanzip­ierten Ideen und Ein­stel­lun­gen.

Paula-Mod­er­sohn-Beck­er-Stiftung (Hsg.): Paula Beck­er & Otto Mod­er­sohn — Kun­st und Leben, 92 S., 79 Abb., 978–3‑86832–852‑3, Wien­and Ver­lag, Köln 2026, 24 €

Wuffis Reisen

Wie wir zu denen wur­den, die wir heute sind

Geschichte lässt sich leichter ver­ste­hen, wenn sie von einem sym­pa­this­chen Erzäh­ler span­nend präsen­tiert wird. Genau diesen Ansatz nutzt „Wuff­is Reisen” von Arno Sprenger und Ben­jamin Frank – mit einem ungewöhn­lichen Erzäh­ler: dem kleinen Stoffhund Wuf­fi.
Wuf­fi ist jedoch mehr als nur eine nette Fig­ur. Viele ken­nen ähn­liche Stofftiere aus der eige­nen Kind­heit, und genau daran knüpft das Buch an. Der Hund begleit­et die Autoren auf ihren Reisen durch Deutsch­land und darüber hin­aus und wird zum Beobachter his­torisch­er Orte, Men­schen und Ereignisse. So entste­ht ein emo­tionaler Zugang zur Geschichte, der ohne große Erk­lärun­gen auskommt.
Eine zen­trale Idee sind die „Wuf­fi-Self­ies“. Aus­ge­hend von diesen auf den ersten Blick ein­fachen Fotos erzählen die Autoren von his­torischen Zusam­men­hän­gen, Per­sön­lichkeit­en und gesellschaftlichen Entwick­lun­gen.  Geschichte wird anschaulich, leicht ver­ständlich und bleibt im Gedächt­nis. Belehrend wirkt das Buch dabei nie.
Auch die Auswahl der Men­schen, denen Wuf­fi begeg­net, ist überzeu­gend. His­torische Per­sön­lichkeit­en erscheinen nicht als ferne Helden, son­dern als Men­schen mit Stärken, Schwächen und Ein­fluss auf ihre Zeit. Das schafft Nähe und macht Geschichte greif­bar.
Die Sprache ist klar und gut les­bar. Das Buch richtet sich nicht nur an Kinder, son­dern eben­so an Erwach­sene. Ger­ade diese Offen­heit macht es zum gemein­samen Lesen oder zum Schmök­ern allein geeignet. Der Lern­ef­fekt stellt sich dabei fast neben­bei ein.
Ins­ge­samt zeigt „Wuff­is Reisen”, dass Geschichte span­nend, zugänglich und unter­halt­sam sein kann. Der Stoffhund Wuf­fi führt als sym­pa­this­ch­er Begleit­er durch Zeit­en und The­men und weckt die Lust, sich weit­er mit Geschichte zu beschäfti­gen.
Faz­it: Ein leicht zugänglich­es, klug gemacht­es Buch, das Geschichte lebendig erzählt und Leserin­nen und Leser jeden Alters anspricht. 
Es wird eine Fort­set­zung geben, auf die wir ges­pan­nt sein kön­nen. Und wer die Web­site, https://www.wuffisreisen.de/ von Wuf­fi ken­nt, weiß, dass es auch mehr wer­den kön­nen.

Wuff­is Reisen; Wie wir zu denen wur­den, die wir heute sind; Autoren: Arno Sprenger und Ben­jamins Frank; Illus­tra­tion: Ali­na Paulussen-Brem­n­er, Gesamt­gestal­tung: Tan­ja Kar­mann 1. Auflage, ISBN Num­mer: 978–3‑00–08165‑0, Ver­lag: Arno Sprenger; Verkauf: https://www.wuffisreisen.de/das-wuffibuch/

Die Malerei der Romantik

Kom­pendi­um der roman­tis­ch­er Malerei von Friedrich bis Turn­er

Dieses Buch ist her­aus­ra­gend, eine ver­legerisches Glanzstück, ein Füll­horn großar­tiger Gemälde, über 1000 Farbab­bil­dun­gen in bester Qual­ität, häu­fig über zwei Seit­en des groß­for­mati­gen Buch­es, kün­ftig das Kom­pendi­um roman­tis­ch­er Malerei. Es stellt die Malerei der Roman­tik als gesam­teu­ropäis­ches Phänomen dar mit deut­lichem Schw­er­punkt im deutschsprachi­gen Raum. Diese Malerei, häu­fig schon lange vor dem Impres­sion­is­mus als Pleinair­malerei, begann im 18. Jahrhun­dert, ihren Höhep­unkt hat­te sie in der 1. Hälfte des 19. Jahrhun­derts. „In Anbe­tra­cht des Fehlens … ein­er spez­i­fisch roman­tis­chen Architek­tur kann sie nicht als eigen­ständi­ge Epoche ange­se­hen werden…Je nach Blick­winkel und Ein­gren­zung ist die Malerei der Roman­tik eine Ran­der­schei­n­ung inner­halb der Malereigeschichte dieser Zeit, die dem Klas­sizis­mus ange­hört.“ (S.9/10) Der Autor schreibt zur Auswahl: „Die Auswahl der Maler, die in diesem Buch mono­grafisch behan­delt wer­den, erfol­gte nach ihrer Qual­ität und Bedeu­tung. Es han­delt sich fast auss­chließlich um Kün­stler, deren Anliegen die emo­tionale Wieder­gabe ein­er Sit­u­a­tion oder Land­schaft war.“ (S. 8).
Das Buch begin­nt mit den Werken der Vor­ro­man­tik, ins­beson­dere von Claude Joseph Ver­net, der malerische Hafe­nan­sicht­en, Son­nenun­tergänge und drama­tis­che Schiff­bruch­szenen malte. Weit­er­hin gilt den Malern der Vulka­n­malerei um Wright of Der­by und Michael Wutky sowie den Land­schafts­malern Cas­par Wolf und Adri­an Zingg ein beson­deres Augen­merk.

Im Haupt­teils des Buch­es wer­den nach ein­er Ein­leitung zur his­torischen Einord­nung und den Motivschw­er­punk­ten vierzig Maler der Roman­tik aus Deutsch­land, Öster­re­ich, der Schweiz und Skan­di­navien mono­grafisch vorgestellt. Ein­drucksvoll ist die Vielfalt, viele der an Kun­st inter­essierten Öffentlichkeit gän­zlich unbekan­nte Kün­stler sind zu ent­deck­en: Carl Wil­helm Götzhoff (ein­drucksvolle ital­ienis­che Land­schafts­bilder), Julius von Ley­pold (deut­lich als Schüler C.D. Friedrich zu erken­nen), Alexan­dre Calame (aus der franzö­sis­chsprachi­gen Schweiz stam­mend, ein­er der beliebtesten Alpen­maler sein­er Zeit) und Johann Jakob Frey (ein Schweiz­er Maler, der mit seinen ital­ienis­chen Land­schafts- und Him­mel­san­sicht­en begeis­terte) seien als her­aus­ra­gende Beispiele genan­nt. Schw­er­punkt liegt natür­lich auf den berühmten Malern der Roman­tik von Friedrich, Dahl, Carus, Blechen bis zur Düs­sel­dor­fer Maler­schule unter Schirmer. Her­vorzuheben ist dabei, dass auch bei diesen Kün­stlern weniger bekan­nte, doch nicht weniger ein­drucksvolle Werke abge­bildet wer­den. Auch bei den Werken franzö­sis­ch­er, englis­ch­er und rus­sis­ch­er Kün­stler wer­den die bekan­nte Maler wie William Turn­er und John Con­sta­ble bzw. Thèodore Géri­cault und Eugène Delacroix vorgestellt und es sind Ent­deck­un­gen zu machen wie beispiel­sweise Thèodore Gudin mit seinen See- und Him­mel­san­sicht­en. Schließlich wer­den auch bedeu­tende roman­tis­che Maler aus den USA vorgestellt, deren ein­drucksvolle Land­schafts­darstel­lun­gen auch in Europa bekan­nt gewor­den sind: Thomas Cole, Fred­er­ic Edwin Church und Albert Bier­stadt. Kün­stler aus Ital­ien und Spanien fehlen. Wohl hat­te dort die Roman­tik nicht diesen prä­gen­den Ein­fluss. Oder waren es Platz­gründe, denn dieses so empfehlenswerte Kom­pendi­um roman­tis­ch­er Malerei ist jet­zt schon schw­ergewichtig genug.

Michael Imhof: Die Malerei der Roman­tik, Von Friedrich bis Turn­er, 832 Seit­en, 1.116 Farb-Abbil­dun­gen, ISBN 978–3‑7319–1385‑6, Michael Imhof Ver­lag, Peters­berg 2025, Sub­skrip­tion­spreis bis 31.1.2026: 69,00 Euro Euro (D), danach: 99,00 Euro Euro (D)

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