Magazin für Kultur

Kategorie: Ausstellung (Seite 1 von 2)

Sehnsucht nach dem Süden

Deutsche Kün­stler in Ital­ien 1865–1915


Dieser Kat­a­log zu ein­er Ausstel­lung in Ascona präsen­tiert Zeich­nun­gen, Gemälde und Plas­tiken deutschsprachiger Kün­stler, die zwis­chen der Mitte des 19. Jahrhun­derts und dem Aus­bruch des Ersten Weltkriegs in Ital­ien wirk­ten. Es han­delt sich über­wiegend um Lei­h­gaben eines unge­nan­nten süd­deutschen Samm­lers, der durch seinen Kun­stver­stand her­aus­ra­gende Kün­stler ent­deck­en läßt, die heute wenig bekan­nt sind: Otto Grein­er, Adolf Hirémy-Hirschl oder Sig­mund Lip­in­sky – sie wid­me­ten sich in ihren Werken antiken Lebens­for­men und klas­sis­chen Ide­alen, während andere, etwa Oswald Achen­bach oder Lud­wig Passi­ni, die Land­schaften und Stadt­szene­r­ien zwis­chen Venedig, Rom und dem Golf von Neapel in den Mit­telpunkt ihres Schaf­fens stell­ten.
„Auf­grund der for­malen Strenge ihrer Werke verkör­pern sie das Gegen­teil jen­er Kün­stler, die wei­thin als geistige Väter und Vor­re­it­er der soge­nan­nten, in den ersten Jahrzehn­ten des 20. Jahrhun­derts im Auf­schwung befind­lichen Avant­garde gel­ten. Dies ist ein­er der Haupt­gründe dafür, dass sie lange in Vergessen­heit ger­at­en waren, ehe sie vor einiger Zeit – über­aus ver­di­ent – wieder­ent­deckt wur­den und erneut die Aufmerk­samkeit von Kri­tik und Pub­likum auf sich zogen. „ (E. Bar­dazzi, S. 39)


Har­ald Fiebig und Ilse Ruch (Hg.): Sehn­sucht nach dem Süden, Deutsche Kün­stler in Ital­ien 1865–1915. Nos­tal­gia del sud — Artisti tedeschi in Italia, 1865–1915, 304 Seit­en, 104 far­bigen Abb. und 68 s/w‑Abb., Wien­and Ver­lag, Köln 2026, ISBN 978–3‑86832–849‑3, 34 €

Anders Zorn

Die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers

Dieser her­aus­ra­gende Kat­a­log doku­men­tiert die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers Anders Zorn. Er ver­tieft die Ausstel­lung der Ham­burg­er Kun­sthalle „Anders Zorn – Schwe­dens Super­star“, die Anfang des Jahres zu Ende ging und jet­zt in Madrid gezeigt wird. Zorn war häu­fig nach Spanien gereist und mit dem auch zunehmender Wertschätzung gewin­nen­den Impres­sion­is­ten Joaquin Sorol­la befre­un­det. „Um 1900 gehörte Zorn, dessen Ein­fluss und Anse­hen von Frankre­ich, Deutsch­land und Schwe­den bis in die Vere­inigten Staat­en reichte, zu den führen­den europäis­chen Malern…Die Nähe zum Sujekt des Bildes, die Unmit­tel­barkeit des Erlebens und die Geläu­figkeit der Szener­ie machen es uns heuti­gen Betrachter*innen leicht, in den Zorn’schen Bilderkos­mos einzu­tauchen. (der Direk­tor der Ham­burg­er Kun­sthalle, Alexan­der Klar, im Vor­wort, S. 8/9). In Deutsch­land war er von 1890 bis 1921 auf knapp 80 Ausstel­lun­gen vertreten, Zorn gewann durch jahre­lange Aufen­thalte in Lon­don und Paris, durch Europa‑, Nordafri­ka und USA-Reisen eine kos­mopoli­tis­ch­er Per­spek­tive und brachte gle­ichzeit­ig mit Darstel­lun­gen sein­er schwedis­chen Heima­tre­gion um die Stadt Mora seine Heimatver­bun­den­heit ein­drück­lich zum Aus­druck. – Zorn besticht durch Viel­seit­igkeit (Porträts, Naturim­pres­sio­nen, Frauen­bild­nisse) und tech­nis­che Per­fek­tion. Der Kat­a­log zu seinem Leben und Werk umfasst außer den Gemälden und Zeich­nun­gen auch Radierun­gen und Fotografien (u.a. seines selb­st ent­wor­fe­nen und mehrfach erweit­erten Gehöfts Zorn­gar­den, das 1939 mit einem Muse­um erweit­ert wurde) – alles in her­aus­ra­gen­der Bildqual­ität, die mit groß­for­mati­gen Auss­chnit­ten die geniale Pin­selführung Zorns zeigt.

Bertsch, Markus, Satrustegui, Ybar­ra (Hg.): Anders Zorn, 256 Seit­en, 220 Abbil­dun­gen, gebun­den, ISBN: 978–3‑7774–4638‑7, Hirmer Ver­lag 2025, 49,90 €

HERMIONE

Die Flucht ins Leben

Eine Kabi­net­tausstel­lung in der Alten Nation­al­ga­lerie, Staatliche Museen zu Berlin, erin­nert mit dem Skan­dal-Bild eines gekrön­ten Skeletts bis zum 15. 11. 2026 an die Malerin, Dich­terin und Wel­treisende Hermione von Preuschen (1854 – 1918), heute völ­lig unbekan­nt – obwohl sie bis zu ihrem Tod inter­na­tion­al und nation­al eine Berühmtheit war. Ihre zahlre­ichen Werke (bis auf das Skan­dal­bild und zwei weit­ere Gemälde, die sich in Museen befind­en) sind ver­schwun­den bzw. im Krieg ver­stört wor­den, ihre Kün­stlervil­la mit Ausstel­lung­shalle in Berlin-Licht­en­rade wur­den abgeris­sen. Deshalb ist die Biografie par excel­lence von Bernd Erhard Fis­ch­er so wertvoll. Sie erzählt sehr far­big, umfassend recher­chiert und infor­ma­tiv illus­tri­ert vom tragis­chen Auf und Ab des Lebens dieser Kün­st­lerin, die große Ausstel­lungser­folge erlebte, aber immer wieder gegen Kün­st­lerin­nen gerichtete Schmähun­gen kämpfen musste (der heute noch oft zitierte Kri­tik­er Karl Schef­fler sprach von „fem­i­nin­er Sudelei“). Sie unter­nahm fünf Wel­treisen, malte und beschrieb ihre Reiseein­drücke, hat­te Beziehun­gen zu zahlre­ichen zeit­genös­sis­chen Dichterkol­le­gen (Rilke schätze sie sehr, mit dem früh ver­stor­be­nen Schrift­steller Kon­rad Tel­mann war sie ver­heiratet, mit Her­mann Sud­er­mann und Theodor Storm war sie befre­un­det). Sie trat als Frauen­recht­lerin auf und war aktiv im Vere­in der Berlin­er Kün­st­lerin­nen, dem ersten deutschen Kün­st­lerin­nen­vere­in.

Bernd Erhard Fis­ch­er: Hermione – Die Flucht ins Leben, Eine poet­is­che Biografie, 352 S., zahlre­iche s/w Abb.en, 978–3‑948114008, Edi­tion A B Fis­ch­er, Berlin 2019, 24 €

Brancusi

Das Wesen der Dinge

Dieses her­aus­ra­gende Kat­a­log-Buch doku­men­tiert ein zen­trales Berlin­er Ausstel­lungsereig­nis in Berlin 2026: die Ret­ro­spek­tive in der Neuen Nation­al­ga­lerie zum Werk Con­stan­tin Bran­cu­sis (geb. 1876 in Hobița, Rumänien; gest. 1957 in Paris). Bran­cusi zählt zu den bedeu­tend­sten Bild­hauern der Mod­erne und ist bis heute prä­gend für Gen­er­a­tio­nen von Künstler*innen. „Er hat in Frankre­ich den Sta­tus eines nationalen Kul­turschatzes. Bran­cusi ist ein Aus­nah­mekün­stler und gilt als Weg­bere­it­er der mod­er­nen Kun­st, der Skulp­tur, der Fotografie, der Zeich­nung, des Films und der Instal­la­tion.“ (Klaus Biesen­bach im Vor­wort, S. 6). Nach ein­er akademis­chen Kun­staus­bil­dung in Rumänien reiste er mit 28 Jahren quer durch Europa, um sich in Paris niederzu­lassen. Schon in den 1920er Jahren wurde er in Europa und den USA als bedeu­ten­der Kün­stler anerkan­nt, er war in Kün­stlerkreisen gut ver­net­zt und erfol­gre­ich im Selb­st­mar­ket­ing. In eigen­er Dunkelka­m­mer gelan­gen ihm mit seines Werk­fo­tografien fotografis­che Kunst­werke. Seine organ­is­chen, bis auf das Wesentliche reduzierten Werke machen ihn zum Vor­re­it­er der skulp­turalen Abstrak­tion im frühen 20. Jahrhun­dert. Bran­cu­sis stetige Suche nach einem kün­st­lerischen Ide­al man­i­festiert sich in den for­malen Vari­a­tio­nen weniger Motive und dem Spiel mit wech­sel­nden Mate­ri­alien und Ober­flächen. Gekon­nt nutzte er spez­i­fis­che Sock­el, Licht, Bewe­gung sowie Fotografie und Film, um seine Skulp­turen in Szene zu set­zen. Die Ausstel­lung wurde ermöglicht durch eine Koop­er­a­tion mit dem Cen­tre Pom­pi­dou in Paris, das einen Großteil sein­er Werke besitzt und bis 2030 wegen Ren­ovierung geschlossen ist.

Der her­aus­ra­gende Ausstel­lungskat­a­log glänzt durch hochw­er­tige Gestal­tung und beste Fotografien der aus­gestell­ten Werke. Er enthält eine Kurzbi­ografie mit Fotos des Kün­stlers aus seinem Nach­lass. Lei­der fehlen Abbil­dun­gen der erwäh­n­ten mon­u­men­tal­en Skulp­turen, die Bran­cusi als Denkmale in Rumänien geschaf­fen hat.

Klaus Biesen­bach, Maike Steinkamp / Neue Nation­al­ga­lerie (Hrsg.):Constantin Bran­cusi, 240 Seit­en, 94 Farbab­bil­dun­gen, Hard­cov­er , 978–3‑95476–825‑7, Dis­tanz Ver­lag, Berlin 2026, 44 €

Schöne neue Arbeitswelt

Traum und Trauma der Moderne

Dieses opu­lente Kat­a­log-Buch zur aktuellen Ausstel­lung im LVR-Lan­desmu­se­um Bonn (bis 12.4.2026) geht von einem nahe liegen­den Ansatz aus: „Unsere Arbeitswelt ist im Umbruch. Wir steuern in eine offene Zukun­ft, die erst noch gestal­tet wer­den muss. Vor diesem Hin­ter­grund lohnt es sich, nach dem Wan­del der Arbeitswelt in ver­gan­genen Epochen zu fra­gen. Wie sind Men­schen früher mit den Her­aus­forderun­gen ein­er sich drama­tisch verän­dern­den Welt umge­gan­gen? (S. 7, Thorsten Valk, der Direk­tor des LVR Lan­desmu­se­ums) Doch geben die Kul­turzeug­nis­sen der Ver­gan­gen­heit (auch wenn sie erst 100 Jahre zurück liegt) Anre­gun­gen für die Lösung der aktuellen Prob­leme (Her­aus­forderun­gen durch die Glob­al­isierung und neuester tech­nis­chen Entwick­lung, KI, über­bor­dene Trans­for­ma­tions- und Sozialkosten)? Das ist eher zu bezweifeln. Aber die Ausstel­lung und der her­vor­ra­gende Kat­a­log bietet umfassende his­torische Infor­ma­tio­nen und ästhetis­chen Genuss. Gemälde und Skulp­turen, aber auch auch Büch­er, Plakate und zahlre­iche Fotografien ver­mit­teln ein Bild der Arbeitswelt im ersten Drit­tel des 20.

Schmäl­zle, Christoph/Valk, Thorsten (Hg.): Schöne neue Arbeitswelt — Traum und Trau­ma der Mod­erne, 256 Seit­en, 220 Abbil­dun­gen, gebun­den, Hirmer Ver­lag, München 2025, ISBN: 978–3‑7774–4624‑0, 50 €



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