Wiederentdeckung einer emanzipierten Journalistin
Es ist weniger die Auswahl von Reiseskizzen aus Lady Colin Campbells Buch A Woman’s Walks, sondern die Wiederentdeckung einer emanzipierten Journalistin, die dieses schön gegestalten Buch sehr empfehlenswert machen. Im höchst informativen Nachwort wird das Leben der Autorin nachgezeichnet. Gertrude Elizabeth Blood (1857 – 1911) war die jüngste Tochter eines irischen Großgrundbesitzers. Nach der skandalumwitterten Scheidung von Lord Colin Campbell wandte sie sich dem Journalismus und der Literatur zu. Bekannt für ihre Schönheit, ihre Intelligenz und ihren Esprit, etablierte sie sich erfolgreich als moderne unabhängige Frau, die die Wochenzeitung Ladies Field herausgab, malte, radelte, ritt, focht, fischte, schwamm und sang und sich öffentlich für Fahrradwege, Feuerbestattung und das Recht der Frau auf Rauchen einsetzte. Auf ihren zahlreichen Reisen kamen ihr ihre ausgezeichneten Sprachkenntnisse zugute: Italienisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch.
Sie muss so etwas wie eine »rasende Reporterin« gewesen sein, besessen davon, ihren Leserinnen und Lesern die Welt in all ihrer Vielfalt vor Augen zu führen. Jede Woche konnte man in The World – der damals größten Wochenzeitung Englands – nachlesen, wo sie sich gerade herumtrieb. In „A Woman’s Walks“, einer Auswahl von 236 Artikeln, die sie ab 1889 bis 1906 dort publizierte, erweist sich Lady Colin Campbell als scharfe Beobachterin. Mit ironischer Distanz und einem gnadenlosen Humor schildert sie die Skurrilitäten ihrer Mitmenschen und die Merkwürdigkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. 1911 starb die Autorin mit 54 Jahren. Zum ersten Mal erscheinen ihre legendären Feuilletons hier in deutscher Sprache.
Gertrude Elizabeth Blood – Lady Colin Campbell –: A Woman’s Walks — Streifzüge in nah und fern, 160 Seiten Hardcover, Fadenheftung mit Schutzumschlag und Lesebändchen,
s/w Abbildungen, Edition A.B.Fischer, Berlin 2026, 978–3‑948114–33‑6, € 22.00
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