ein Theater hat seinen Platz gefunden.
Zwanzig Jahre Hans Otto Theater am Tiefen See: Das ist in Potsdam nicht nur ein Theaterjubiläum, sondern auch das Ende einer langen Suche nach einem festen Ort. Am 22. September 2006 wurde das neue Haus an der Schiffbauergasse eröffnet. Seitdem ist der von Gottfried Böhm entworfene Bau mit seinen markanten, weit auskragenden Dachschalen und dem großen Glasfoyer zu einem festen Bestandteil der Potsdamer Kulturlandschaft geworden.
Dabei hatte das Theater einen langen Weg hinter sich. Nach der Zerstörung des historischen Schauspielhauses im Zweiten Weltkrieg folgten Jahrzehnte mit unterschiedlichen Spielstätten und Provisorien. Auch der in der DDR begonnene Theaterneubau am Alten Markt überlebte die politische Wende nicht. Mit dem Standort an der Schiffbauergasse fand das Hans Otto Theater schließlich eine neue Heimat – direkt am Wasser und in einem Areal, das sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem wichtigen Kulturstandort entwickelt hat.
Das Gebäude ist dabei mehr als nur eine Hülle für das Theater. Der Blick aus dem Foyer über den Tiefen See zum Babelsberger Park zählt zu den besonderen Qualitäten des Hauses. Hier gehen Architektur und Landschaft eine ungewöhnliche Verbindung ein. Allerdings hat das markante Gebäude inzwischen auch etwas Patina angesetzt. Zum 20-jährigen Bestehen dürfte deshalb neben den künstlerischen Fragen irgendwann auch die Frage erlaubt sein, ob eine Auffrischung des Außenbereichs – vielleicht sogar in Form einer neuen Farbgebung – sinnvoll wäre.
Künstlerisch hat sich das Hans Otto Theater längst vom Ruf eines klassischen Stadttheaters gelöst. Zwar bildet Schauspiel weiterhin das Zentrum, doch es gibt auch Kinder- und Jugendtheater, Musiktheater, Gastspiele, Gespräche und zahlreiche weitere Formate. Das Programm versucht, unterschiedliche Generationen und Interessen anzusprechen und das Theater als öffentlichen Ort der Stadtgesellschaft zu behaupten. Gerade die Verbindung von anspruchsvollem Schauspiel und niedrigschwelligen Angeboten gehört inzwischen zum Profil des Hauses.
Zum Jubiläum zeigte sich das Theater entsprechend offen und publikumsnah. Nach dem offiziellen Festakt wurde das Haus zur Feierzone: Ensemblebeiträge, Gespräche, ein Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre und ein Jubiläumsfilm gehörten ebenso dazu wie Musik. Fabian Kuss & Band brachten Rock- und Punkklänge auf die Bühne, später übernahm DJ Katjuscha. So wurde aus dem offiziellen Geburtstag eine lange Theaternacht – weniger staatstragend, sondern vielmehr ein Fest für all jene, die dieses Haus über zwei Jahrzehnte begleitet haben.
Zwanzig Jahre sind für ein Theatergebäude noch kein hohes Alter. Für das Hans Otto Theater sind sie dennoch eine wichtige Wegmarke. Aus dem lange gesuchten Provisorium ist ein selbstverständlicher Bestandteil Potsdams geworden. Die Schiffbauergasse hat davon ebenso profitiert wie das Theater selbst.
Wir wünschen dem Hans Otto Theater für die nächsten 20 Jahre ein neugieriges Publikum, gute Inszenierungen, Mut zu neuen Ideen – und vielleicht, ganz nebenbei, auch ein wenig frische Farbe für das Haus am See.
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