Magazin für Kultur

Autor: Jörg Raach (Seite 7 von 7)

Mascha Kaléko — Suche nach Heimat

In diesem Roman set­zt Indra Maria Janos der pop­ulären Lyrik­erin Mascha Kaléko ein ein­fühlsam erzähltes Denkmal und gibt dadurch auch ein far­biges Porträt Berlins in den 1920er und 30er Jahre. Es beschränkt sich im wesentlichen auf die Zeit Kalékos in Berlin, obwohl ihre Suche nach Heimat schon nach der Flucht aus Gal­izien begann, die über Frank­furt und Mar­burg nach Berlin führte. Dort fand sie ihre Heimat, war als Autorin erfol­gre­ich, ging Ehen ein, gebar einen Sohn, bis sie als Jüdin von den NS-Herrschaft immer mehr eingeschränkt 1938 in die USA emi­gri­eren kon­nte. Schon 1944 wurde sie US-Bürg­erin, lebte in Israel, besuchte ein let­ztes Mal 1974 Berlin und starb auf dem Rück­weg in Zürich. Die Autorin dieser Roman­bi­ografie lässt sich von eini­gen der her­aus­ra­gen­den auto­bi­ografisch geprägten Gedichte Kalékos anre­gen. So gelingt in diesem Buch ein mitreißen­des Miter­leben von Mascha Kalékos doch nur manch­mal leuch­t­ende Jahre in Berlin (wo natür­lich das Urban-Kranken­haus in Kreuzberg und nicht in Kreuzbach ste­ht – siehe der Druck­fehler auf S. 184).

Indra Maria Janos: Suche nach Heimat — Mascha Kalékos leuch­t­ende Jahre, 368 Seit­en, dtv Ver­lag, München 2022, ISBN: 978–3‑423–26341‑2, EUR 16,95 [DE]

“1923 – Ein deutsches Trauma”

Ein englis­ch­er His­torik­er leis­tet mit diesem Buch etwas was deutsche Autoren bis­lang nicht gelang: sehr anschaulich mit vie­len bish­er wenig beachteten Details angere­ichert ein für Deutsch­land sehr prä­gen­des Jahr zu doku­men­tieren und dabei die Lehren aus dieser für die Demokratie so bedrohlichen Zeit zu ziehen.

Jones verbindet die Mikroebene, das Lei­den der Men­schen, mit der Makroebene, dem Wirken von Regierun­gen. Er benen­nt die Ereignisse im Vor­jahr 1922 (vor allem den Mord an Außen­min­is­ter Rathenau durch Recht­sex­trem­is­ten) und führt uns mit­ten hinein ins Krisen­jahr 1923: in jene Monate, als franzö­sis­che und bel­gis­che Trup­pen das Ruhrge­bi­et beset­zten, dort eine Gewaltherrschaft ausübten und durch die Reak­tion der deutschen Regierung darauf eine galop­pierende Infla­tion aus­lösten. Er leis­tet eine dif­feren­zierte, rel­a­tivierende Darstel­lung des Putschver­suchs Hitlers in München im Novem­ber 1923, stellt die Gefährdun­gen der Demokratie durch Regierungs­beteili­gun­gen der DKP in Sach­sen und Thürin­gen und das Wirken schon recht­sex­trem han­del­nden Regierun­gen in Bay­ern dar, berichtet aber auch von den zahlre­ichen anti­semi­tis­chen Über­grif­f­en, deren Aus­maß wenig bekan­nt ist („Zeitgenossen schätzten, dass sich bis zu 10000 Men­schen an den Auss­chre­itun­gen beteiligt hat­ten“ S. 300). Am Ende des Jahres über­wand das Land die Dauerkrise (Kan­zler Stre­se­mann, auch die verän­derte Hal­tung Großbri­tan­niens waren wesentlich) und erre­ichte sta­bilere Ver­hält­nisse, die Demokrat­en standen schließlich als Sieger da.

Jones resümiert mit Aus­blick auf 2023: „Während des Jubiläums des Weimar­er Krisen­jahres und darüber hin­aus wäre es ein poli­tis­ch­er Fehler, wenn die entschei­dende Lehre der Geschichte nicht gehört würde: Het­zpoli­tik kann nur dann funk­tion­ieren, wenn Gewalt und diskri­m­inierende Reden unges­traft bleiben“ (S. 344)

Jones, Mark: 1923 – Ein deutsches Trau­ma, Hard­cov­er mit Schutzum­schlag, 384 Seit­en, ISBN: 9783549100301 Propy­läen Ver­lag, Berlin 2022, 26 €

100 Jahre Bauhaus — Höhepunkte in Sachsen-Anhalt

Die Eröff­nung des Bauhaus Muse­um Dessau am 8. Sep­tem­ber 2019 ist der Höhep­unkt des Jubiläum­s­jahrs 100 Jahre Bauhaus. Erst­mals ist die Samm­lung der Stiftung Bauhaus Dessau umfassend zu sehen und verbindet das Muse­um als eigen­ständi­ger, zeit­genös­sis­ch­er Ort die Bauhaus­baut­en in Dessau mit dem Stadtzen­trum.

Das Bauhaus Museum Dessau

Im Jahr 2015 hat das Architek­turkollek­tiv adden­da archi­tects aus Barcelona unter 831 Ein­re­ichun­gen den inter­na­tionalen, offe­nen Architek­tur­wet­tbe­werb gewon­nen. Nach ihrem Konzept ist ein trans­par­enten Kor­pus ver­wirk­licht wor­den, der die schwebende Black Box als Ort für die Samm­lung und das Erdgeschoss als Offene Bühne für zeit­genös­sis­che Posi­tio­nen und Wech­se­lausstel­lun­gen umfasst.

Das neue Bauhaus Muse­um © Dr. Jörg Raach

Anre­gend und umfassend präsen­tiert die Ausstel­lung „Utopie und All­t­ag — Ver­suchsstätte Bauhaus. Die Samm­lung“ Architek­turen­twürfe, Gemälde, Fotografien, Möbel, Leucht­en, Tex­tilien, Tape­ten und Schrift­typen. In the­ma­tis­chen Kapiteln zeigt sie, dass das Lehren, Gestal­ten und Bauen am Bauhaus der Verän­derung, Verbesserung und Gestal­tung der Gesellschaft dienen sollte. Anhand von Lehrer-Schüler-Paaren wird beispiel­haft gezeigt, wie wer mit wem konkret zusam­mengear­beit­et hat. So haben Moholy-Nagy mit Mar­i­anne Brandt und Gun­ta Stöl­zl mit Paul Klee sehr eng an gemein­samen Pro­jek­ten zusam­mengear­beit­et.

Wand­be­hang von Gun­ta Stöl­zl © Dr. Jörg Raach

Bauhaus in der DDR

Weniger bekan­nt und in der Ausstel­lung im Teil zur Geschichte der Bauhaus-Rezep­tion inter­es­sant präsen­tiert wird die Wieder­ent­deck­ung des Bauhaus­es in der DDR nach der Ver­fe­mu­ng in der NS-Dik­tatur und der Zeit langer Mis­sach­tung unter der SED-Herrschaft. 145000 Mark für 148 Arbeit­en von Bauhäus­lerin­nen stellte die “Galerie am Sach­sen­platz” in Leipzig der Stadt Dessau am 1. Novem­ber 1976 in Rech­nung. Von Keramik bis Möbel bis zu Feininger- und Klee-Werken, es war eine bunte Mis­chung. Aus­gestellt wur­den diese Objek­te erst­mals im Bauhaus­ge­bäude, das am 4. Dezem­ber 1976 zum 50. Jahrestag des Bauhaus­es als Wis­senschaftlich Kul­turelles Zen­trum in der DDR wieder­eröffnet wurde. Der Ankauf bildete das Fun­da­ment der heute über 49.000 Objek­te zäh­len­den Samm­lung der Stiftung Bauhaus Dessau. Sie ist nach Berlin (wo die über­wiegend auf Gropius zurück­ge­hen­den Bestände ein­er Präsen­ta­tion im erweit­erten Bauhaus-Archiv ab 2023 har­ren!) die weltweit zweit­größte Samm­lung.

Bauhaus-Häuser

Ein Muss beim Besuch Dessaus sind die dort zu sehen­den Bauhaus-Häuser. Die knapp sieben Jahre Dessauer Bauhaus (1925–1932) waren die Hoch­phase der Bauhaus-Architek­tur. Darum befind­en sich die meis­ten Bauhaus­baut­en in Dessau: das Bauhaus- Schul­ge­bäude, die Meis­ter­häuser, die Sied­lung Dessau-Törten, das Korn­haus, Haus Fieger, das Stahlhaus und das Arbeit­samt.

Schulgebäude

Das Bauhaus-Gebäude der Schule wurde 1926 fer­tig gestellt. Ent­wor­fen wurde das Gebäude vom Bauhaus­grün­der Wal­ter Gropius im Auf­trag der Stadt Dessau. Die Pläne ent­standen in seinem pri­vat­en Büro, über eine Architek­turabteilung ver­fügte das Bauhaus erst ab 1927. Die Innenausstat­tung des Gebäudes ent­stand in den Werk­stät­ten der Hochschule. Finanziell unter­stützt wurde das Pro­jekt von der Stadt Dessau, die auch das Grund­stück zur Ver­fü­gung stellte. Heute kön­nen hier bei Führun­gen die restau­ri­erten Werk­stat­träume, die Men­sa, der Fest­saal und das Direk­toren­z­im­mer besichtigt wer­den.

Direk­toren­z­im­mer © Dr. Jörg Raach

Der über­wiegend helle Anstrich des Kom­plex­es bildet einen reizvollen Kon­trast zu den dun­klen Gla­se­in­fas­sun­gen. Im Inneren wird mit unter­schiedlichen Far­ben an tra­gen­den und verklei­den­den Ele­menten die Kon­struk­tion des Baus verdeut­licht. Die Hochschule für Gestal­tung musste 1932 auf Druck der bei Gemein­de­wahlen siegre­ichen Nation­al­sozial­is­ten geschlossen wer­den. Im Krieg trafen Bomben den Kom­plex, die Schä­den repari­erte man zunächst nur not­dürftig. 1972 ist das Gebäude dann unter Denkmalss­chutz gestellt und erst­mals restau­ri­ert wor­den. Eine umfassende Sanierung erfol­gte, nach­dem die UNESCO das Bauhaus­ge­bäude zum Weltkul­turerbe erk­lärt hat­te, sie wurde 2006 abgeschlossen. In rein­sze­nierten Ate­lierz­im­mern des Bauhaus­ge­bäudes kön­nen übri­gens auch Besuch­er über­nacht­en.

Bauhaus­ge­bäude © Dr. Jörg Raach

Meisterhäuser

Par­al­lel zum Bauhaus­ge­bäude wurde Wal­ter Gropius von der Stadt Dessau mit dem Bau von drei bau­gle­ichen Dop­pel­häusern für die Bauhaus­meis­ter und einem Einzel­haus für den Direk­tor beauf­tragt. Errichtet wur­den sie in einem Kiefer­n­wäld­chen in Nähe des Schul­ge­bäudes. Ineinan­der ver­schachtelte, unter­schiedlich hohe kubis­che Kör­p­er geben den Häusern ihre Gestalt. Zur Straße hin wer­den die Dop­pel­häuser von großzügig ver­glas­ten Ate­liers geprägt, an den Seit­en lassen Glas­bän­der Licht in die Trep­pe­naufgänge.

Die Liste der Bewohner­in­nen liest sich wie ein „Who is Who“ der Mod­erne, zu ihnen gehörten neben den drei Direk­toren Wal­ter Gropius, Hannes Mey­er, Lud­wig Mies van der Rohe, Lás­zló Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlem­mer, Wass­i­ly Kandin­sky und Paul Klee mit ihren Fam­i­lien. Das Direk­toren­haus wurde im Krieg zer­stört, erst vor weni­gen Jahren ist es rekon­stru­iert wor­den, allerd­ings so, dass es als Nach­bau erkennbar bleibt. Gle­ichzeit­ig wurde auch der einzige von Lud­wig Mies van der Rohe in Dessau umge­set­zte Bau wieder­hergestellt. Dabei han­delte es sich um eine Trinkhalle an der Ost­spitze der Sied­lung, die man 1970 abgeris­sen hat­te. Das restliche Ensem­ble der Meis­ter­häuser ist bere­its 1992 umfassend saniert wor­den. Durch seine Far­bigkeit fasziniert beson­ders das ursprünglich von Kandin­sky und Klee bewohnte und malerisch aus­gestal­tete Meis­ter­haus.

Saniertes Meis­ter­haus von Kandin­sky und Klee © Dr. Jörg Raach

Kornhaus

Für die weit­eren Besuche der her­aus­ra­gen­den Bauhaus-Baut­en in Dessau emp­fiehlt sich die Nutzung der Bauhaus-Buslin­ie 10. Der Bus bringt die Besuch­er von den Meis­ter­häusern zum Korn­haus, ein­er Gast­stätte in typ­is­ch­er Bauhaus-Architek­tur mit schö­nen Blick über den Elb­de­ich. Der Name erin­nert an einen his­torischen Getrei­despe­ich­er, der hier bis in die 1870er-Jahre ges­tanden hat­te.

Korn­haus © Dr. Jörg Raach

Das Arbeitsamt und die Siedlung Törten

Der Bauhaus-Bus führt von dort am Gropius-Bau des Dessauer Arbeit­samts (der mit gel­ben Ziegeln verklei­dete Stahlbau ist ein rich­tung­weisendes Beispiel für die funk­tion­al­is­tis­che Architek­tur, kennze­ich­nend ist ein vorge­lagert­er ein­stöck­iger Rund­bau mit gläsernem Shed­dach für den Pub­likumsverkehr) vor­bei in den Süden Dessaus zur Sied­lung Törten. Hier ent­stand 1928 nach Plä­nen Wal­ter Gropius eine Muster­sied­lung mit 314 Häusern, die durch sparsame Bauweise auch Arbeit­ern ein Eigen­heim mit Garten zur Selb­stver­sorgung ermöglichte. Im gle­ich­falls von Gropius ent­wor­fe­nen Kon­sumge­bäude führt eine Ausstel­lung in die Entste­hungs­geschichte der Sied­lung ein. Hier begin­nen auch täglich Führun­gen durch die Sied­lung, in der auch die vom Bauhaus-Direk­tor Hannes Mey­er geplanten fünf Lauben­ganghäuser (90 soge­nan­nte „Volkswoh­nun­gen“, hier ist auch eine Muster­woh­nung zu besichti­gen) und das 1927 fer­tiggestellte Stahlhaus (ein Stahltafel­bau von Georg Muche und Richard Paulick von 1927) zu sehen sind. Noch bis 9. Novem­ber 2019 ist die Freiraum-Ausstel­lung Unsicht­bare Orte in Dessau zu sehen. Sie führt zu Gebäu­den und Plätzen in Dessau, wo Bauhäus­lerin­nen zwis­chen 1925 und 1932 gelebt, gewirkt und gerne ihre Freizeit ver­bracht haben.

Der Einfluss der Bauhausschüler auf das Dessauer Stadtbild

Die Bauhauss­chüler waren in Dessau keine Außen­seit­er. Sie formten das Stadt­bild und prägten das gesellschaftliche Leben (unter anderem auf Bauhaus­festen). Sie gestal­teten Fas­saden und Pavil­lons für Parks, ent­war­fen Wer­be­broschüren und stat­teten Schaufen­ster aus. Mit gut 100 Dessauer Fir­men arbeit­ete das Bauhaus eng zusam­men. Und mit Möbeln und Tex­tilien hielt das Bauhaus auch in das Pri­vatleben viel­er Dessauer Einzug. An dieses nicht mehr Sicht­bare erin­nert diese Freilich­tausstel­lung an 13 im ganzen Stadt­ge­bi­et verteil­ten Bild­bänken, an denen auch über QR-Codes Hörstücke abgerufen wer­den kön­nen.

Ein Höhepunkt: Die Bauhaus-Ausstellung in der Moritzburg in Halle

Der zweite Höhep­unkt in Sach­sen-Anhalt im Jubiläum­s­jahr „100 Jahre Bauhaus“ ist die Ausstel­lung in der Moritzburg Halle: „Bauhaus Meis­ter Mod­erne — Das Come­back“, die vom 29.09.2019 — 12.01.2020 geöffnet ist. Sie vere­int hochkarätige Meis­ter­w­erke aus inter­na­tionalen Samm­lun­gen mit bis­lang sel­ten bzw. noch gar nicht gezeigten Werken aus den Muse­ums­bestän­den. Haupt­teil der Ausstel­lung ist die Rekon­struk­tion der ersten Samm­lung mod­ern­er Kun­st im Kun­st­mu­se­um Moritzburg. Bis zum Jahr 1933 galt diese Samm­lung als eine der führen­den in Deutsch­land für die zeit­genös­sis­che Kun­st – die heutige klas­sis­che Mod­erne. Das hallesche Muse­um wurde damals gle­ich­berechtigt mit der Mod­erne-Samm­lung der Berlin­er Nation­al­ga­lerie im Kro­n­prinzen­palais Unter den Lin­den genan­nt. Auf ein­er Fläche von rund 1.000 qm im 1. Obergeschoss des zen­tralen West­flügels der Moritzburg sind ca. 350 Objek­te der bilden­den und ange­wandten Kun­st zu sehen, die zwis­chen 1908 und 1938 erwor­ben wur­den. In ver­tiefend­en Kabi­net­ten wer­den Gemälde von Lyonel Feininger, Wass­i­ly Kandin­sky, Paul Klee, Georg Muche und Oskar Schlem­mer, jene Maler, die zwis­chen 1919 und 1933 als Meis­ter am Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin lehrten. Unter den aus­gestell­ten Werken befind­en sich zudem Gemälde, Aquarelle und Zeich­nun­gen von Ernst Lud­wig Kirch­n­er, Emil Nolde, Oskar Kokosch­ka, Erich Heck­el, El Lis­sitzky, George Grosz. Zum Teil sind die Lei­h­gaben aus den USA, Europa und Japan erst­mals über­haupt öffentlich zu sehen, zum Teil kehren sie seit den 1970er/80er Jahren erst­mals wieder nach Deutsch­land zurück. Ein­er der Höhep­unk­te der Samm­lungsrekon­struk­tion ist die Wiedervere­ini­gung von 7 der einst 11 Gemälde des Halle-Zyk­lusses von Lyonel Feininger. Zu den 3 Gemälden aus der Muse­umssamm­lung, Rot­er Turm I, Marienkirche mit dem Pfeil und Der Dom in Halle, kom­men hinzu: Am Trödel, Marienkirche I, Rot­er Turm II und Mark­tkirche in Halle. In ein­er attrak­tiv­en Alt­stadtroute lassen sich die his­torischen Per­spek­tiv­en der Feininger-Gemälde via Ste­len­in­fos und Audiowalk mit der heuti­gen Sicht verble­ichen (feininger-halle.de).

Gropius virtuell erleben

Ein beson­deres virtuelles Muse­um­ser­leb­nis bietet die Präsen­ta­tion von Wal­ter Gropius‘ Entwurfs für ein Kul­tur- und Sportzen­trum für Halle, die „Stadtkro­ne“. 1927 nahm Wal­ter Gropius am Architek­tur­wet­tbe­werb der Stadt Halle (Saale) für diese mod­erne „Stadtkro­ne“ teil. Gropius‘ Entwurf wurde mit keinem Preis bedacht. Er war zu visionär und sein­er Zeit voraus. Dieser geplante Baukom­plex wurde nie real­isiert. Dank ein­er Koop­er­a­tion mit dem Stu­di­en­gang Multimedia|VR-Design der Burg Giebichen­stein Kun­sthochschule Halle mith­il­fe mod­ern­er Vir­tu­al-Real­i­ty-Tech­nolo­gie ist erst­mals das Stadtkro­nen-Gelände sowie vor allem das von Wal­ter Gropius ent­wor­fene Kun­st­mu­se­um bege­hbar. In ein­er beein­druck­enden virtuellen Präsen­ta­tion kann Gropius‘ visionär­er Muse­ums­bau mit ein­er Ausstel­lungs­fläche von 3.000 qm durch­schrit­ten wer­den. Im Inneren dieses beispiel­haften Muse­um­spro­jek­tes des Neuen Bauens ent­fal­tet sich die kom­plette Samm­lung der Mod­erne des halleschen Muse­ums, wie sie zum einen bis 1937 bestand und zum anderen mit­tels der orig­i­nalen Werke heute nicht mehr voll­ständig rekon­stru­ier­bar ist. Dafür wur­den nahezu 500 Kunst­werke ges­can­nt, fotografiert und in 3D mod­el­liert sowie in die neuen virtuellen Ausstel­lungsräume inte­gri­ert.

Bauhaus auf Burg Giebichenstein in Halle

Bedeu­tend weit über Halle hin­aus ist die renom­mierte Design- und Kun­sthochschule Burg Giebichen­stein, eine ehe­ma­lige Handw­erk­er­schule, die ab 1915 von Paul Thier­sch nach den Grund­sätzen des Deutschen Werk­bun­des reformiert wurde. Der vom Bauhaus kom­mende Bild­hauer Ger­hard Mar­cks wirk­te hier und schuf die ein­drucksvollen Tier­skulp­turen an der Giebichen­stein­brücke. Für das Neue Bauen sind in Halle weg­weisend: die vom Architek­ten Wal­ter Tuten­berg 1928 errichtete Groß-Garage Süd, sie gehört mit ihren 150 Stellplätzen auf fünf Parkdecks und ihrer damals hochmod­er­nen Aufzugsan­lage zu den ältesten Parkhäusern Deutsch­lands; die Franziskan­erkirche „Zur Heilig­sten Dreieinigkeit“ des Architek­ten Wil­hem Ulrich, eine der ersten Kirchen ohne klas­sis­chen Lang­haus und Kirch­turm, son­dern sech­seck­igem Grun­driss und kup­pelar­tigem Mit­te­lauf­bau.

Bauhaus in Merseburg

Nicht weit von Halle ent­fer­nt bietet die ehe­ma­lige Res­i­den­zs­tadt Merse­burg neben ihrem ein­drucksvollen Schlos­sare­al auch an Neuem Bauen inter­essierten Besuch­ern ein reizvolles Ziel. 2019 wird das Friedrich Zollinger Jahr began­gen. Von 1918 bis 1930 war der Architekt in Merse­burg Stadt­bau­rat und konzip­ierte einen Bebau­ungs­plan für die von Krieg und Woh­nungsnot geze­ich­nete Stadt. Ab 1922 ent­standen unter sein­er Regie zehn neue Stadtvier­tel, die mit Hil­fe sein­er eige­nen­twick­el­ten Bautech­nolo­gie (Schüt­t­be­ton­bauweise und spitz- und rund­bo­gen­för­mige Dachgewölbe aus maschinell vor­pro­duzierten Holzbret­tern) und Beteili­gung der kün­fti­gen Bewohn­er Vor­bild­charak­ter haben. Rundgänge zu den zahlre­ich erhal­te­nen Zollinger-Sied­lun­gen und öffentliche Baut­en wie dem ehe­ma­li­gen Gesund­heit­samt sind über Kul­turhis­torische Muse­um Schloss Merse­burg buch­bar.

Auf den Spuren des niederländischen Königshauses

Die Nieder­lande haben so viel mehr bieten als das von Besuch­ern über­füllte Ams­ter­dam. Reist man auf den Spuren des Haus­es Oranien-Nas­sau durch die Nieder­lande, lernt man nicht nur den Regierungs- und Par­la­mentssitz in Den Haag ken­nen, son­dern ent­deckt auch die beza­ubern­den Städte Bre­da, Delft und Leeuwar­den.

Das Adels­geschlecht Oranien-Nas­sau hat die Nieder­lande als Staat begrün­det und prägt es seit 1815 als Kön­i­gre­ich bis heute. Jed­er Statthal­ter, König und jede Köni­gin hat sich auf seine oder ihre Weise für die Nieder­lande einge­set­zt, beispiel­sweise im Kampf um Frei­heit und Unab­hängigkeit gegenüber Spanien und Frankre­ich, auf den Gebi­eten Kun­st und Kul­tur oder für eine stärkere Ver­bun­den­heit der unter­schiedlichen Lan­desteile. An ver­schiede­nen Orten in Hol­land hat die reiche Geschichte des Haus­es Oranien-Nas­sau ihre Spuren hin­ter­lassen: Paläste, Grab­mäler, his­torische Orte und Denkmäler erzählen die Geschicht­en des königlichen Hol­land.

Ursprünge in Breda

Die ersten Spuren des königlichen Haus­es Oranien-Nas­sau sind in der Stadt Bre­da im Süd­west­en der Nieder­lande zu find­en. Johan­na van Pola­nen aus Bre­da heiratet im Jahr 1403 den Deutschen Engel­brecht I. von Nas­sau-Dil­len­burg. Durch ihren großen Hof­s­taat und ihr Inter­esse für Kul­tur, Kun­st und Handw­erk sorgten die Nas­saus im 15. und 16. Jahrhun­dert für eine blühende Wirtschaft. Als der Sohn Hein­richs III. das Fürsten­tum Oranien in Frankre­ich erbt, wird dieser der erste Fürst von Oranien-Nas­sau. Sein Cousin und Erbe wurde der berühmteste Spross der Bredaer Oranien-Nas­saus: Wil­helm I. von Oranien. Bre­da ist die wichtig­ste Nas­sau-Stadt Hol­lands und deshalb auch eine Stadt mit beein­druck­enden Bau­denkmälern.

Begi­nen­hof in Bre­da

Die Vor­fahren des nieder­ländis­chen Königshaus­es haben aus Bre­da in der Zeit von 1403 bis 1568 eine reiche Stadt mit imposan­ten Gebäu­den gemacht. Auch heutzu­tage beein­druck­en viele Bau­denkmäler wie die Grote Kerk, der Dom im Stil der Bra­ban­ter Gotik von 1420, das Schloss und der idyl­lis­che Begi­nen­hof das Stadt­bild. Vom 97 Meter hohen Turm der Grote Kerk kann der Besuch­er die fan­tastis­che Aus­sicht über diese sehr reizvolle Stadt und Ihr Umland genießen. Im Begi­jn­hof-Muse­um in Haus Num­mer 29 kann der Besuch­er alles über das Leben der Begi­nen Bredas erfahren. Im Stadtschloss, dem Kas­teel von Bre­da lebten mehrere Jahrhun­derte lang die Her­ren von Bre­da. Am Span­jaards­gat, dem „Spanier­loch“ am Schloss soll 1590 die List mit einem Torf­schiff stattge­fun­den haben, mit­tels der­er die Spanis­chen Besatzer aus Bre­da ver­trieben wur­den. Im Laufe der Jahrhun­derte wurde das Gebäude umge­baut und erweit­ert und seit 1826 ist hier die Königliche Mil­itärakademie unterge­bracht. Das Schloss ist deshalb nur im Rah­men ein­er Führung zu besichti­gen, organ­isiert vom Frem­den­verkehrsamt (VVV) Bre­da. Die Fürsten von Nas­sau zogen natür­lich auch andere Adelige an, die sich in Bre­da nieder­ließen, wodurch die zahlre­ichen schö­nen Hofhuizen in der Stadt ent­standen. Diese imposan­ten Gebäude hat­ten als beson­dere Merk­male einen L- oder U‑förmigen Grun­driss mit Innen­hof, Back­ste­in­fas­saden, spät­go­tis­che Trep­pengiebel. Acht dieser Hofhäuser sind in Bre­da noch erhal­ten.

Städtis­che Muse­um Bre­da

Das Städtis­che Muse­um befind­et sich im ehe­ma­li­gen Oude­man­nen­huis (Alt­män­ner­haus), einem der ältesten Gebäude Bredas. Bis 1954 lebten hier ältere Män­ner. Die denkmalgeschützte Fas­sade zeigt Abbil­dun­gen von Thi­js und Geert, zwei der bekan­ntesten Bewohn­er des Oude­man­nen­huis. Die ständi­ge Samm­lung des Stedelijk Muse­um Bre­da erzählt die Geschichte der Stadt. Die Gemälde mit Stad­tan­sicht­en zeigen die Entwick­lung Bredas von ein­er Fes­tungsstadt zur heuti­gen sehr lebendi­gen, attrak­tiv­en Stadt, die neben der Alt­stadt auch stadt­na­he Quartiere bietet, die von namhaften Architek­ten wie Rem Kool­haas gestal­tet wur­den.

Ganz beson­ders reizvoll sind Boots­fahrten rund um die Stadt bis zum 2007 wieder angelegten Stadthafen.

Hafen von Bre­da

Glanzzeiten in Delft

Mit seinen 15 Kilo­me­ter lan­gen Gracht­en ist die beson­ders char­mante Stadt Delft dur­chaus mit Ams­ter­dam ver­gle­ich­bar, allerd­ings ist das Stadt­bild hier weniger pom­pös, zugänglich­er. Die Geschichte der Stadt reicht bis in das Jahr 1075 zurück. 1654 wurde jedoch ein Großteil der mit­te­lal­ter­lichen Stadt durch die Explo­sion des Arse­nals zer­stört. Am Ende des 17. Jahrhun­derts wurde das Zen­trum wieder aufge­baut und sei­ther hat sich in der his­torischen Alt­stadt wenig verän­dert. An den von Bäu­men gesäumten Gracht­en ste­hen noch die kleinen Häuser mit ihren so unter­schiedlichen Fas­saden, der Markt mit dem Renais­sance-Rathaus und der Nieuwe Kerk ist der Mit­telpunkt der Stadt.

Rathaus von Delft

Delft war Geburts- und Wohnort des her­aus­ra­gen­den nieder­ländis­chen Malers Jan Ver­meer (1632 – 1675). An ihn erin­nert mit Hil­fe mod­ern­er Medi­en das Ver­meer Cen­tre Delft, das nach dem his­torischen Vor­bild des früheren St. Lucas Gilde­haus­es der Maler und Kün­stler 2007 erbaut wurde. Besuch­er kön­nen die Gemälde in lebens­großer Ver­größerung sehen, die Arbeitsweise im Ate­lier ergrün­den und die Geschicht­en hin­ter den Gemälden erfahren. Welt­bekan­nt ist Delft auch für sein Steingut, das sich aus der Majoli­ca entwick­elte, die im 16. Jahrhun­dert mit ital­ienis­chen Ein­wan­der­ern in die Nieder­lande kam, vor allem Wand­fliesen ent­standen. Seit dem 17. Jahrhun­dert wird zudem Porzel­lan nach chi­ne­sis­chen Vor­bild hergestellt. In der 1653 gegrün­de­ten Fir­ma Roy­al Delft wird in der orig­i­nalen Fab­rik nach alter Tra­di­tion Keramik im Delfter Blau von Hand pro­duziert, Besuch­er sind willkom­men. — Ab 1572 resi­dierte Wil­helm I. im heuti­gen Prin­sen­hof in Delft, jet­zt Muse­um. Von Delft aus leit­et er erfol­gre­ich den Auf­s­tand gegen die Spanier. 1579 wird die ‚Utrechter Union‘ vere­in­bart und von Wil­helm I. unterze­ich­net, damit ist der Grund­stein für die Nieder­lande gelegt. 1584 wird Wil­helm von Oranien — wegen seinem großen Ein­fluss auf die Gestal­tung eines Lan­des mit dem Titel ‚Vater des Vater­lan­des‘ geehrt — in Delft im Alter von 51 ermordet und in der Neuen Kirche (Nieuwe Kerk) in Delft beige­set­zt. Sei­ther find­en viele Fam­i­lien­mit­glieder des königlichen Haus­es hier ihre let­zte Ruh­estätte. In der Nieuwe Kerk aus dem Jahre 1496 befind­et sich neben der königlichen Gruft der Oranier auch das imposante Mau­soleum Wil­helms von Oranien. Die Alte Kirche (Oude Kerk) mit ihrem charak­ter­is­tis­chen schiefen Turm wurde 1240 erbaut. Beson­ders sehenswert sind die reich verzierte Kanzel aus dem Jahr 1548 und die 27 Glas­malfen­ster.

Residenzstadt Den Haag

Seit dem 16. Jahrhun­dert ist Den Haag die Hof­s­tadt der Nieder­lande. Prinz Moritz, ein­er der Söhne von Wil­helm von Oranien, ließ sich am Bin­nen­hof nieder, ent­standen aus einem Jagdschluss der Grafen von Hol­land aus dem 13. Jahrhun­dert und heutiges Par­la­ments- und Regierungs­ge­bäude. Der Hofvi­jver (Schloss­wei­her) liegt unmit­tel­bar neben dem Bin­nehof und dem Toren­t­je (Türm­chen) mit dem Arbeit­sz­im­mer des Min­is­ter­präsi­den­ten. Das Besucherzen­trum von ProDemos organ­isiert Führun­gen durch den Rit­ter­saal und die Erste und Zweite Kam­mer des Par­la­ments. Das Mau­rit­shuis in unmit­tel­bar­er Nach­barschaft ist seit 1822 die Königliche Gemälde­ga­lerie und umfasst fast auss­chließlich Meis­ter­w­erke großer Kün­stler wie “Das Mäd­chen mit dem Per­lenohrring“ von Ver­meer oder die „Anatomi­es­tunde“ von Rem­brandt. Die Präsen­ta­tion in den ele­gan­ten Räu­men macht es zu einem der schön­sten Museen der Nieder­lande. Gle­ich­falls sehr beein­druck­end ist M. C. Esch­er Muse­um im Win­ter­palast der früheren Köni­gin Emma an der Lange Voorhout, der mit zahlre­ichen prächti­gen Gebäu­den gesäumten Lin­de­nallee in Herzen der Stadt. Zahlre­iche Werke M. C. Esch­ers, der nieder­ländis­che Kün­stler aus dem 20. Jahrhun­dert, der mit seinem Spiel mit der Per­spek­tive welt­bekan­nt wurde, wer­den in diesem Adelspalais ver­größert mul­ti­me­di­al präsen­tiert – sehr ein­drucksvoll.

Bin­nen­hof in Den Haag

Seit mehr als vier Jahrhun­derten leben Statthal­ter und später Könige und König­in­nen nahezu ohne Unter­brechung in Den Haag. Sie haben der Stadt und ihrer Umge­bung ihren Stem­pel aufge­drückt. Das Paleis Noordeinde, ein klas­sizis­tis­ches Palais aus dem Jahr 1640, ist seit Willem V. (1748 ‑1806) im Besitz der Fürsten von Oran­je, es dient heute dem König als Arbeitspalais, der umgebende Park ist der Öffentlichkeit zugänglich. Ein beson­deres Erleb­nis ist die Besich­ti­gung des Königlichen Warte­saals im Bahn­hof­s­ge­bäude Den Haag Hol­lands Spoor aus dem 19. Jahrhun­dert. Bedeu­tende königliche Tra­di­tio­nen wer­den nach wie vor in Ehren gehal­ten, wie der Prin­sjes­dag im Sep­tem­ber, an dem König Willem-Alexan­der mit der gold­e­nen Kutsche vom Palast Noordeinde zur Thronrede im Rit­ter­saal des Par­la­ments fährt. Das imposante Gebäude des Friedenspalasts aus dem Jahr 1913 ist heute Sitz des Inter­na­tionalen Gericht­shof und des Ständi­gen Schieds­gerichts. Neben Führun­gen informieren eine inter­ak­tive Ausstel­lung im Besucherzen­trum über die Geschichte des Friedenspalastes. Der Vorstel­lung, dass es sich um Den Haag um einen ruhi­gen Regierungssitz han­delt, ste­ht die Real­ität gegenüber, dass Den Haag nach Ams­ter­dam und Rot­ter­dam die drittgrößte Stadt der Nieder­lande ist, die von ein­er Sky­line von Min­is­teri­ums-Hochhäusern geprägt wird. Zudem ist Den Haag mit seinem Stadt­teil Schevenin­gen eine Stadt am Meer mit ein­laden­den Sand­strän­den, ein­er Dünen­land­schaft, Wäldern und Parks. Schevenin­gen erre­icht man in 15 Minuten mit der Straßen­bahn vom Zen­trum Den Haags aus, neben der Natur­land­schaft bietet es mit ein­er Pier­an­lage und dem imposan­ten Kurhaus im Empirestil, jet­zt ein Luxu­shotel, See­bad-Atmo­sphäre.

Leeuwarden — Kulturhauptstadt mit Geschichte

Auch in Leeuwar­den, die Haupt­stadt Fries­lands und Kul­turhaupt­stadt Europas 2018, sind zahlre­iche Bezüge zum Haus Oranien-Nas­sau nach­weis­bar. Hier befand sich die Res­i­denz des friesis­chen Zweiges der Nas­sauer (1584 – 1747). Leeuwar­den hat eine schöne von einem Gracht­engür­tel umgebene Alt­stadt mit his­torischen Rathaus. Im Rathaus beein­druckt der majestätis­che Oran­jeza­al. Wahrze­ichen ist der schiefe Turm Old­e­hove, ein 120 Meter hoher Kirch­turm, der sich schon währen­des Baus ab 1529 wegen des sandi­gen Bau­grunds zur Seite neigte. Er ist allerd­ings stand­fest und kann über 183 Stufen bestiegen wer­den. Leeuwar­den lohnt den Besuch aber vor allem auch wegen sein­er bei­den bedeu­ten­den Museen, dem Porzel­lan­mu­se­um im Prin­sen­hof und dem Friesis­chen Muse­um.

Fries Muse­um in Leeuwar­den

Die Samm­lung des Friesis­chen Muse­ums erzählt die Geschichte Fries­lands und sein­er Men­schen anhand von Objek­ten, sel­te­nen archäol­o­gis­chen Fun­den bis hin zur mod­er­nen Kun­st, von den Tage­büch­ern der Tänz­erin Mata Hari, die in Leeuwar­den aufwuchs, bis hin zu ein­drucksvollen Gemälden von Sir Lawrence Alma-Tade­ma und Ger­rit Ben­ner. Ben­ners Land­schaften brin­gen das Herz und die Seele Fries­lands beson­ders gut zum Aus­druck. Mit ihren charak­ter­is­tis­chen niedri­gen Hor­i­zon­ten, die sich ins Unendliche zu erstreck­en scheinen, weck­en seine Gemälde eine melan­cholis­che Sicht auf die Region und ihre Men­schen. Auch das mod­erne Gebäude des Muse­ums bleibt seinen Wurzeln treu. Der präg­nante, offen gestal­tete Bau wurde von Hubert-Jan Hen­ket ent­wor­fen, Das Gebäude hat ein riesiges, 25 Meter hohes Vor­dach, das von Stahl- und Holzsäulen getra­gen wird, und eine beein­druck­ende Glas­fas­sade. Das Keramik­mu­se­um Princesse­hof, ein Palais aus dem 18. Jahrhun­dert, Wohn­sitz der Regentin Maria Louise und 1898 auch Geburt­sort des welt­bekan­nten Kün­stlers M. C. Esch­er, lässt den Besuch­er in die Welt der Keramik ein­tauchen. Die dor­ti­gen Ausstel­lun­gen gehen auf eine Schenkung des Samm­lers Nanne Ottema zurück und repräsen­tieren Keramik in allen For­men und Größen von 2800 v. Chr. bis ins 20. Jahrhun­dert. Auch zwei Hotels in beson­deren Gebäu­den machen Leeuwar­den zusät­zlich attrak­tiv: Das Post-Plaza Hotel & Grand Café liegt im Stadtzen­trum von Leeuwar­den.

Post-Plaza Hotel & Grand Café

Nach der Ren­ovierung und Restau­rierung des Post­ge­bäudes von 1904 hat sich das Post-Plaza Hotel & Grand Café in einen Ort mit einem his­torischen Ambi­ente ver­wan­delt. Die Hotelz­im­mer befind­en sich im alten Post­amt und in der angren­zen­den alten Grata­ma Bank. Bei­de Stan­dorte sind über eine Glas­brücke ver­bun­den. Ein­drucksvoll ist das Café und Restau­rant in der hohen ehe­ma­li­gen Schal­ter­halle, das die volle Höhe des Gebäudes füllt und von ein­er zier­lichen, von der englis­chen Spät­gotik inspiri­erten Dachkon­struk­tion überspan­nt wird. Hier wird nicht nur für die Hotel­gäste selb­st gerösteter Kaf­fee und Craft-Bier ein­er Haus­marke geboten. Im gle­ich­falls auch City-nah gele­ge­nen ehe­ma­li­gen Gefäng­nis­ge­bäude aus der zweit­en Hälfte des 19. Jahrhun­derts sind das Ali­bi Hos­tel Leeuwar­den (unter­schiedlich große Zim­mer mit mod­ernem Kom­fort und ursprünglich­er Atmo­sphäre), ein Restau­rant, die Stadt­bib­lio­thek und zahlre­iche Kün­stler­ate­liers unterge­bracht.

Quelle/Fotonachweis: Nieder­ländis­ches Büro für Touris­mus & Con­ven­tion, www.holland.com /Jörg Raach

Kunst und Kultur in Sachsen-Anhalt

Eine Reise nach Sach­sen-Anhalt lohnt sich in diesem Jahr beson­ders. Das 100-jährige Jubiläum der Bauhaus-Grün­dung ist Anlass zur Präsen­ta­tion ein­er Vielfalt von Baut­en der Mod­erne. Von den ca. 100 Zie­len der „Grand Tour der Mod­erne“, einem bun­desweit­en Net­zw­erk her­aus­ra­gen­der Bauw­erke der Mod­erne, liegen 39 in Sach­sen-Anhalt.

Magdeburg — Bauhaus inmitten historischer Mauern

Rich­tungsweisende Architek­tur der Bauhaus-Ära inmit­ten his­torisch­er Mauern in ein­er der ältesten Städte Deutsch­lands – das gibt es vor allem in Magde­burg. Seit dem Mit­te­lal­ter zählt die Stadt zu den Vor­re­it­ern. Hier hat schon 968 der erste deutsche Kaiser, Otto der Große, seine prächtige Lieblingsp­falz errichtet. Er machte die Stadt zum Mit­telpunkt der poli­tis­chen Herrschaft und ließ den kolos­salen Magde­burg­er Dom erbauen. Im 12. Jahrhun­dert wurde hier eines der ersten Stadtrechte Europas geschrieben.

Her­mann-Beims-Sied­lung © Magde­burg Mar­ket­ing, Con­rad Engel­hardt

Rund 700 Jahre später waren die Magde­burg­er wieder die Ersten. Mit der Her­mann-Beims-Sied­lung ist in den 1920er Jahren die erste deutsche Großsied­lung der Mod­erne ent­standen. Vielfältige Fas­saden­far­ben, licht­durch­flutete Räume und Frischluftschneisen waren die Maxime der dama­li­gen Architek­ten. In ein­er his­torisch möblierten Gästewoh­nung in der Beimsstraße kön­nen sich Gäste übri­gens ein­mi­eten (Buchung unter gs-sued@wobau-magdeburg.de).

Albin­müller­turm © Magde­burg Mar­ket­ing, www.magdeburger-platte.de

Magde­burg wurde zum Zen­trum inno­v­a­tiv­er Städte­bauer und Kün­stler. In reko­rd­verdächti­gen viere­in­halb Monat­en wuchs hier für die Deutsche The­at­er­ausstel­lung 1927 die Stadthalle in Stahlskelet­tbauweise in die Höhe. Unmit­tel­bar daneben ragt der Albin­müller-Turm als eines der Wahrze­ichen Magde­burgs in die Höhe. Die Gestal­tung des Turms des Architek­ten Albin Müller nimmt die Ideen ein­er Glas- und Lichtar­chitek­tur des in Magde­burg als Stadt­plan­er täti­gen Bruno Tauts auf. Vom Turm hat der Besuch­er einen ein­drucksvollen Blick auf Magde­burg mit seinem her­raus­ra­gen­den Ensem­ble im Stil des Neuen Bauens und sein­er grü­nen Umge­bung. Abends ist die gläserne Turm­spitze far­big beleuchtet.

Dom mit dem Hun­dert­wasser­bau “Die Grüne Zitadelle” © Magde­burg Mar­ket­ing, Andreas Lan­der

Der ganz beson­dere architek­tonis­che Höhep­unkt aus der Gegen­wart ist die von Frieden­sre­ich Hun­dert­wass­er ent­wor­fene Grüne Zitadelle. Fer­tiggestellt wurde sie im Jahr 2005. Es han­delt sich dabei um das let­zte Pro­jekt, an dem Hun­dert­wass­er vor seinem Tod gear­beit­et hat. Die Grüne Zitadelle umschließt zwei Innen­höfe, im größeren gibt es einen Spring­brun­nen. Der Name des Baukom­plex geht auf das gras­be­wach­sene Dach und die Bäume im und am Gebäude. Im Erdgeschoss befind­en sich mehrere Läden, ein Café und ein Restau­rant. Unter anderem ste­ht hier in der „Infor­ma­tion in der Grü­nen Zitadelle“ auch das orig­i­nale Bau­mod­ell. Im Gebäude befind­et sich neben 55 Woh­nun­gen auch ein The­ater und ein ART-Hotel.

Aschersleben — die älteste Stadt Sachsen-Anhalts

Die Inter­na­tionale Bauausstel­lung, die Lan­des­garten­schau 2010 und nicht zulet­zt über 20 Jahre Stadt­sanierung haben dem his­torischen Asch­er­sleben neues Leben einge­haucht. Ver­woben mit Architek­tur des 21. Jahrhun­derts macht diese beson­dere Mis­chung Asch­er­sleben heute so sehens- und liebenswert.

Fol­gen Sie den aus­geschilderten Routen rund um die Stadt­be­fes­ti­gung, durch die Gärten und Parks oder quer durch die Alt­stadt mit ihren wertvollen Architek­tur­denkmalen. Rund um die Alt­stadt an einem grü­nen Prom­e­naden­ring erheben sich die Türme der früheren Stadt­be­fes­ti­gung und wenige Meter weit­er am Eine-Flüss­chen lock­en die ehe­ma­li­gen Parks der Lan­des­garten­schau 2010, die seit­dem zu den „Gar­ten­träu­men“, den his­torischen Parks in Sach­sen-Anhalt, gehören. Die architek­tonis­che Vielfalt von der Gotik über Fach­w­erk­baut­en, Barock, Renais­sance, Jugend- und Heimat­stil von Hans Heck­n­er bis hin zu mod­ern­er Architek­tur des 21. Jahrhun­derts ver­lei­hen der Alt­stadt ihr beson­deres Erschei­n­ungs­bild und machen Lust zum Flanieren. Das Wahrze­ichen der Stadt, die 500 Jahre alte St. Stephanikirche, hat ihre Türen für Besuch­er geöffnet und am Markt beein­druckt das Rathaus mit seinen Giebeln und Tür­men aus drei Jahrhun­derten. Ein Juwel mit­ten in der Alt­stadt ist der Graue Hof – ältester Pro­fan­bau der Stadt und jet­zt Kul­turzen­trum mit gas­tronomis­chen Ange­bot.

Grafik­s­tiftung Neo Rauch © Asch­er­sleben Kul­tur­anstalt (AKA) AöR

Ein beson­der­er Tipp für Kun­stin­ter­essierte: Im Riegel­bau des Beste­horn­parks ist das grafis­che Werk des in Leipzig gebore­nen und in Asch­er­sleben aufgewach­se­nen Malers Neo Rauch zu sehen. Mit der Ini­ti­ierung der Grafik­s­tiftung hat er seine Heimat­stadt zu ein­er Attrak­tion in der Kunst­welt gemacht. Mit der 2012 gegrün­de­ten Stiftung ist die Möglichkeit gegeben, das grafis­che Werk des Kün­stlers, das seit 1993 ent­standen ist, aus­führlich und schw­er­punk­t­mäßig zu präsen­tieren. Es wird außer­dem je ein Exem­plare aller zukün­ftig entste­hen­den grafis­chen Werke in den Bestand der Stiftung einge­hen. Schon im Juni 2012 kon­nte die Stiftung ihre Räume im Bil­dungscam­pus, ein architek­tonisch her­raus­ra­gen­der Baukom­plex auf dem Gelände von einst Europas größter Papi­er- und Druck­fab­rik beziehen.

Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg

Auch Quedlin­burg, eine der touris­tis­chen Haup­tat­trak­tio­nen in Sach­sen-Anhalt, bietet Kun­st­genuss aus der Bauhaus-Zeit. Die Lyonel-Feininger-Galerie ist ein Muse­um und Ausstel­lung­shaus für die Kun­st des 20. Jahrhun­derts und der Gegen­wart. Sie ist dem Werk Lyonel Feiningers, der mit seinem „Pris­mais­mus“ einen eige­nen Stil schuf und als 40-Jähriger erster Meis­ter am Bauhaus wurde, gewid­met und ver­fügt mit der Samm­lung des Bauhäuslers und Quedlin­burg­ers Her­mann Klumpp, die sich als Dauer­lei­h­gabe in der Lyonel-Feininger-Galerie befind­et, über einen der weltweit bedeu­tend­sten Bestände an Druck­grafiken Feiningers. Zahlre­iche Aquarelle und Zeich­nun­gen sowie einige Fotografien und Objek­te von Feiningers Hand bere­ich­ern den Bestand. Vom 25. Mai bis 2. Sep­tem­ber wer­den hier neben der Dauer­ausstel­lung zwei attrak­tive Son­der­ausstel­lun­gen geboten: „Die Feiningers. Ein Fam­i­lien­bild am Bauhaus“ untern­immt erst­mals den Ver­such, den kün­st­lerischen Auf­bruch der Mod­erne am Beispiel ein­er Kün­stler­fam­i­lie sicht­bar zu machen. „rot, gelb, blau. Das Bauhaus für Kinder“ — hier kön­nen nicht nur Kinder an einzel­nen Sta­tio­nen exper­i­men­tieren und sich aus­pro­bieren.

Die größte Sehenswürdigkeit in Quedlin­burg ist die Stadt selb­st. Auf ein­er Fläche von gut 80 ha drän­gen sich über 2000 malerische Fach­w­erkhäuser. Wie in einem bun­ten Bilder­buch lässt sich an den oft reich geschmück­ten Fas­saden die Entwick­lung dieser Bauweise über acht Jahrhun­derte able­sen. Mit diesem ein­ma­lig geschlosse­nen his­torischen Stadt­bild ste­ht Quedlin­burg in der ersten Rei­he deutsch­er Fach­w­erk­städte und wurde 1994 in die UNESCO — Wel­ter­beliste der schützenswerten Kul­turgüter aufgenom­men.

Bernburg — ein weiteres Juwel in Sachsen-Anhalt

Schloss Bern­burg mit dem Eulen­spiegel­turm, die liebevoll sanierte Alt­stadt mit vie­len Sehenswürdigkeit­en – dem Carl-Maria-von-Weber-The­ater, dem Rathaus mit der bekan­nten Blu­menuhr und der geografisch — astronomis­chen Kun­stuhr, der Fürsten­gruft mit prachtvollen Sär­gen der­er zu Anhalt — Bern­burg begeg­nen den Gästen bei ihrem Bum­mel durch die Stadt.

Zick­za­ck­hausen, PMF8323 © Ingo Got­tlieb (Halle/Saale)

Mit der MS „Saale­fee“, dem vol­lk­li­ma­tisierten Fahrgastschiff geht es durch den Natur­park „Unteres Saale­tal“. Land­schaftlich ist die Umge­bung von Bern­burg durch das Harzvor­land und die Saaleauen geprägt. Bern­burg (Saale) liegt an der „Straße der Romanik“, am „Blauen Band“ und am Luther­weg sowie an der „Grand Tour der Mod­erne“ Sach­sen-Anhalt. Hier ist als her­raus­ra­gen­des Bauw­erk der Mod­erne die in der Tra­di­tion der Garten­städte 1928/1929 gebaute Sied­lung „Zick­za­ck­hausen“ sehenswert. Von den Architek­ten und Stadt­plan­ern Leopold Fis­ch­er und Leberecht Migge, einem Schüler des Wieners Adolph Loos, konzip­iert, ist diese Sied­lung am nördlichen Stad­trand von Bern­burg am Rande eines großen Kalk­a­b­bau-Tage­bauge­bi­ets zu find­en. Den Namen ver­dankt sie den um 90 Grad gedreht­en und ver­set­zt ange­ord­neten Baukör­pern. Visionäre Ideen der Selb­stver­sorgung in den großen zu den Eigen­heimen gehören­den Gar­te­nan­la­gen und zur Mül­lver­mei­dung ver­suchte man hier bere­its inno­v­a­tiv umzuset­zen.

Die über­re­gionalen Rad­wan­der­wege Europarad­weg R1, der Saale – Rad­wan­der­weg und der Luther­weg sowie zahlre­iche regionale Rundwege queren die Stadt und machen den Besuch Bern­burg lohnend.

Quel­lenangaben:

  • Albin­müller­turm: Magde­burg Mar­ket­ing, www.magdeburger-platte.de
  • Her­mann-Beims-Sied­lung: Magde­burg Mar­ket­ing, Con­rad Engel­hardt
  • Dom mit dem Hun­dert­wasser­bau “Die Grüne Zitadelle”: Magde­burg Mar­ket­ing, Andreas Lan­der
  • Grafik­s­tiftung Neo Rauch: Asch­er­sleben Kul­tur­anstadt (AKA) AöR
  • Zick­za­ck­hausen: PMF8323, Ingo Got­tlieb (Halle/Saale)
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