Magazin für Kultur

Autor: Jörg Raach (Seite 2 von 7)

Rosa Luxemburg in Berlin

Ein biografis­ch­er Stadt­führer

Dieses kleine Buch hat es in sich: es ver­mit­telt wichtige Ereignisse der Berlin­er Stadt­geschichte und erin­nert an die her­aus­ra­gende Per­sön­lichkeit Rosa Lux­em­burgs. Es zeich­net den Lebensweg von Rosa Lux­em­burg im dama­li­gen Zen­trum der inter­na­tionalen Arbeit­er­be­we­gung nach. Begin­nend mit ihrem ersten Quarti­er unweit des Tier­gartens bis zur Fund­stelle ihres Leich­nams an ein­er Schleuse des Landwehrkanals viere­in­halb Monate nach ihrer Ermor­dung führt er zu den Orten, an denen Rosa Lux­em­burg in Berlin wirk­te und wo an sie erin­nert wird. Neben einem Stadt­plan mit der Kennze­ich­nung der beschriebe­nen Orte enthält es QR-Codes. Diese führen auf eine Lis­ter aller 15 Hörstücke im Audio­por­tal Sound­cloud.

Clau­dia von Gèlieu: Rosa Lux­em­burg in Berlin – Ein biografis­ch­er Stadt­führer, 136 Seit­en, Klap­pen­broschur, 6 €, Dietz Berlin Ver­lag, Berlin 2021, ISBN 978–3‑320–02380‑5

Sehnsucht nach dem Süden

Deutsche Kün­stler in Ital­ien 1865–1915


Dieser Kat­a­log zu ein­er Ausstel­lung in Ascona präsen­tiert Zeich­nun­gen, Gemälde und Plas­tiken deutschsprachiger Kün­stler, die zwis­chen der Mitte des 19. Jahrhun­derts und dem Aus­bruch des Ersten Weltkriegs in Ital­ien wirk­ten. Es han­delt sich über­wiegend um Lei­h­gaben eines unge­nan­nten süd­deutschen Samm­lers, der durch seinen Kun­stver­stand her­aus­ra­gende Kün­stler ent­deck­en läßt, die heute wenig bekan­nt sind: Otto Grein­er, Adolf Hirémy-Hirschl oder Sig­mund Lip­in­sky – sie wid­me­ten sich in ihren Werken antiken Lebens­for­men und klas­sis­chen Ide­alen, während andere, etwa Oswald Achen­bach oder Lud­wig Passi­ni, die Land­schaften und Stadt­szene­r­ien zwis­chen Venedig, Rom und dem Golf von Neapel in den Mit­telpunkt ihres Schaf­fens stell­ten.
„Auf­grund der for­malen Strenge ihrer Werke verkör­pern sie das Gegen­teil jen­er Kün­stler, die wei­thin als geistige Väter und Vor­re­it­er der soge­nan­nten, in den ersten Jahrzehn­ten des 20. Jahrhun­derts im Auf­schwung befind­lichen Avant­garde gel­ten. Dies ist ein­er der Haupt­gründe dafür, dass sie lange in Vergessen­heit ger­at­en waren, ehe sie vor einiger Zeit – über­aus ver­di­ent – wieder­ent­deckt wur­den und erneut die Aufmerk­samkeit von Kri­tik und Pub­likum auf sich zogen. „ (E. Bar­dazzi, S. 39)


Har­ald Fiebig und Ilse Ruch (Hg.): Sehn­sucht nach dem Süden, Deutsche Kün­stler in Ital­ien 1865–1915. Nos­tal­gia del sud — Artisti tedeschi in Italia, 1865–1915, 304 Seit­en, 104 far­bigen Abb. und 68 s/w‑Abb., Wien­and Ver­lag, Köln 2026, ISBN 978–3‑86832–849‑3, 34 €

Nach Santiago wollte ich nie

Immer wieder bewe­gend: der Jakob­sweg

Tiefes emo­tionales Erleben prägt diesen ganz per­sön­lichen Bericht ein­er 3348 Kilo­me­ter lan­gen Pil­ger­reise. Die Autorin, eine Jour­nal­istin und Kom­mu­nika­tions­ber­a­terin, startet 2023 in Pots­dam und erre­icht fünf Monate später San­ti­a­go de Com­postel­la. Mit dem fes­ten Willen, sich selb­st wiederzufind­en, beg­ibt sie sich auf den Jakob­sweg, fol­gt den Spuren ihrer Biografie ein­mal quer durch Deutsch­land, und wan­dert dann durch Frankre­ich und Spanien bis zum ersehn­ten Pil­gerziel. Die Lek­türe dieses anre­gen­den Reise­berichts ver­mit­telt Hor­i­zon­ter­weiterun­gen, nicht nur räum­lich-geografisch, son­dern vor allem men­schlich: die Reflex­io­nen zum Leben der Autorin, die Schilderun­gen von Begeg­nun­gen mit Pil­gern aus aller Welt, die Eingeständ­nisse von Zweifeln und die Momenten des puren Glücks. Schön wären noch mehr Abbil­dun­gen der so ein­drucksvoll im Buch beschriebe­nen Orte gewe­sen.

Cor­nelia Koch: Nach San­ti­a­go wollte ich nie, 340 Seit­en, ISBN 9783616036113, Mair­Du­mont Ver­lag, Ost­fildern 2026, 18,95 €

Anders Zorn

Die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers

Dieser her­aus­ra­gende Kat­a­log doku­men­tiert die erneute Wertschätzung Schwe­dens Nation­alkün­stlers Anders Zorn. Er ver­tieft die Ausstel­lung der Ham­burg­er Kun­sthalle „Anders Zorn – Schwe­dens Super­star“, die Anfang des Jahres zu Ende ging und jet­zt in Madrid gezeigt wird. Zorn war häu­fig nach Spanien gereist und mit dem auch zunehmender Wertschätzung gewin­nen­den Impres­sion­is­ten Joaquin Sorol­la befre­un­det. „Um 1900 gehörte Zorn, dessen Ein­fluss und Anse­hen von Frankre­ich, Deutsch­land und Schwe­den bis in die Vere­inigten Staat­en reichte, zu den führen­den europäis­chen Malern…Die Nähe zum Sujekt des Bildes, die Unmit­tel­barkeit des Erlebens und die Geläu­figkeit der Szener­ie machen es uns heuti­gen Betrachter*innen leicht, in den Zorn’schen Bilderkos­mos einzu­tauchen. (der Direk­tor der Ham­burg­er Kun­sthalle, Alexan­der Klar, im Vor­wort, S. 8/9). In Deutsch­land war er von 1890 bis 1921 auf knapp 80 Ausstel­lun­gen vertreten, Zorn gewann durch jahre­lange Aufen­thalte in Lon­don und Paris, durch Europa‑, Nordafri­ka und USA-Reisen eine kos­mopoli­tis­ch­er Per­spek­tive und brachte gle­ichzeit­ig mit Darstel­lun­gen sein­er schwedis­chen Heima­tre­gion um die Stadt Mora seine Heimatver­bun­den­heit ein­drück­lich zum Aus­druck. – Zorn besticht durch Viel­seit­igkeit (Porträts, Naturim­pres­sio­nen, Frauen­bild­nisse) und tech­nis­che Per­fek­tion. Der Kat­a­log zu seinem Leben und Werk umfasst außer den Gemälden und Zeich­nun­gen auch Radierun­gen und Fotografien (u.a. seines selb­st ent­wor­fe­nen und mehrfach erweit­erten Gehöfts Zorn­gar­den, das 1939 mit einem Muse­um erweit­ert wurde) – alles in her­aus­ra­gen­der Bildqual­ität, die mit groß­for­mati­gen Auss­chnit­ten die geniale Pin­selführung Zorns zeigt.

Bertsch, Markus, Satrustegui, Ybar­ra (Hg.): Anders Zorn, 256 Seit­en, 220 Abbil­dun­gen, gebun­den, ISBN: 978–3‑7774–4638‑7, Hirmer Ver­lag 2025, 49,90 €

HERMIONE

Die Flucht ins Leben

Eine Kabi­net­tausstel­lung in der Alten Nation­al­ga­lerie, Staatliche Museen zu Berlin, erin­nert mit dem Skan­dal-Bild eines gekrön­ten Skeletts bis zum 15. 11. 2026 an die Malerin, Dich­terin und Wel­treisende Hermione von Preuschen (1854 – 1918), heute völ­lig unbekan­nt – obwohl sie bis zu ihrem Tod inter­na­tion­al und nation­al eine Berühmtheit war. Ihre zahlre­ichen Werke (bis auf das Skan­dal­bild und zwei weit­ere Gemälde, die sich in Museen befind­en) sind ver­schwun­den bzw. im Krieg ver­stört wor­den, ihre Kün­stlervil­la mit Ausstel­lung­shalle in Berlin-Licht­en­rade wur­den abgeris­sen. Deshalb ist die Biografie par excel­lence von Bernd Erhard Fis­ch­er so wertvoll. Sie erzählt sehr far­big, umfassend recher­chiert und infor­ma­tiv illus­tri­ert vom tragis­chen Auf und Ab des Lebens dieser Kün­st­lerin, die große Ausstel­lungser­folge erlebte, aber immer wieder gegen Kün­st­lerin­nen gerichtete Schmähun­gen kämpfen musste (der heute noch oft zitierte Kri­tik­er Karl Schef­fler sprach von „fem­i­nin­er Sudelei“). Sie unter­nahm fünf Wel­treisen, malte und beschrieb ihre Reiseein­drücke, hat­te Beziehun­gen zu zahlre­ichen zeit­genös­sis­chen Dichterkol­le­gen (Rilke schätze sie sehr, mit dem früh ver­stor­be­nen Schrift­steller Kon­rad Tel­mann war sie ver­heiratet, mit Her­mann Sud­er­mann und Theodor Storm war sie befre­un­det). Sie trat als Frauen­recht­lerin auf und war aktiv im Vere­in der Berlin­er Kün­st­lerin­nen, dem ersten deutschen Kün­st­lerin­nen­vere­in.

Bernd Erhard Fis­ch­er: Hermione – Die Flucht ins Leben, Eine poet­is­che Biografie, 352 S., zahlre­iche s/w Abb.en, 978–3‑948114008, Edi­tion A B Fis­ch­er, Berlin 2019, 24 €

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