Meine Freundin, Russland, die Ukraine und ich
Ausgehend vom Freitod einer langjährigen, engen Freundin schildert die Autorin eindringlich wie sowohl in persönlichen Beziehungen als auch auf politischer Ebene im Verhältnis zu Russland viel versäumt wurde („Dies ist ein Buch über das, was wir nicht ändern können, und das, was wir anders hätten machen müssen. Über das, womit wir uns abfinden müssen, und das , womit wir uns nicht abfinden können.“ so die Autorin, S. 10).
Hoffmann gehörte zu einer Gruppe von Russland-Begeisterten, die sich wissenschaftlich und als Korrespondenten intensiv mit der russischen Kultur und Geschichte beschäftigte und nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine Enttäuschung und Entfremdung erleben muss. Sie macht deutlich wie viel vom anschaulich beschriebenen Aufbruch nach 1990 verloren ging, wie sich schon in der 2. Hälfte der 90er Jahre mit der NATO-Erweiterung die deutsch-russischen Beziehungen zunehmend verschlechterten („Die neunziger Jahre werden zu einem verlorenen Sieg. Der Westen siegt und verliert. Wir gewinnen den Kalten Krieg, aber es gelingt uns nicht, diesen Sieg in einen dauerhaften Frieden zu verwandeln.“ S. 190) Dieses Buch fasziniert durch die tiefgehenden Analysen und Beschreibungen, durch seine ganz persönliche Perspektive, vermittelt Einsichten in zeitgeschichtliche Entwicklungen: höchst lesenswert.
Hoffmann, Christiane: Die Träume, die wir hatten — Meine Freundin, Russland, die Ukraine und ich, 300 S., Hardcover, C.H. Beck Verlag, München 2026, ISBN 978–3‑406–84378‑5, 26 €
Rezension Jörg Raach
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