Magazin für Kultur

Autor: Jörg Raach (Seite 1 von 2)

Alte Wut

Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste

Als Zehn­jähriger wurde der Vater der Autorin aus Ost­preußen ver­trieben. Er ver­lor seine Heimat, seine Kind­heit und erlebte die schreck­liche Gewalt der Vertrei­bun­gen. Achtzig Jahre später macht sich seine Tochter auf die 300 Kilo­me­ter lange Reise von München nach Osterode in Masuren ent­lang der Fluchtroute ihres Vaters. Sie will ver­ste­hen, warum sich die seel­is­chen Ver­let­zun­gen ihres Vaters in ihrem eige­nen Leben fortpflanzen kon­nten („…hin­ter­her­reist. Und damit auch dir selb­st – denn wenn du ehrlich bist, weißt du, dass es dieses Kind ist, das in deinem Herzen haust. Sein Schmerz ist dein Schmerz.“ S. 32). Wo liegt der Ursprung ihrer durch­lebten Mager­sucht, ihrer Kämpfe gegen Depres­sion und Burn-out? Wie vererben sich Trau­ma­ta von ein­er Gen­er­a­tion auf die näch­ste? Matzkos Vater trug zeitlebens diese „alte Wut“ über die Vertrei­bungser­fahrung mit sich. Sie äußerte sich in hefti­gen Wutaus­brüchen und beson­ders rigi­dem Kon­trolbedürf­nis. Vieles übertrug sich auf die Tochter. Mit scho­nungslos­er Offen­heit erzählt Caro Matzko in sehr direkt-per­sön­lich­er Erzählweise von ihrem Leben und der Reise in die Ver­gan­gen­heit.

Caro Matzko: Alte Wut — Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste, 220 Seit­en, Fotos und Karte in den Buchin­nen­seit­en, ISBN 978–3‑492–07372‑1, Piper Ver­lag, München 2025, 24 €

Trio mit Tiger

Span­nend erzählte Kun­st­geschichte: Max Beck­mann und der Kun­straub in den Nieder­lan­den

Dieser sehr lesenswerte, span­nend erzählte und gründlich recher­chierte Roman basiert auf his­torischen Geschehnis­sen: auf das Leben Max Beck­manns im Ams­ter­damer Exil (1937- 1947) und das Wirken seines Gön­ners Erhard Göpel, der ab 1942 bis zum Kriegsende als NS-Beauf­tragter Kunst­werke für das geplante „Führermu­se­um Linz“ ankaufte und dabei im Gegen­satz zum Wirken ander­er NS Stellen direk­ten Kun­straub ver­mei­den und jüdis­che Leben ret­ten kon­nte. Die Autorin Mar­i­anne Ludes hat­te exk­lu­siv­en Zugriff auf die bis­lang unveröf­fentlicht­en Tage­büch­er Mathilde Beck­manns. Sie ver­wen­det sie für ihren Roman, die Tage­büch­er wer­den aber nicht zitiert (siehe die in den „Tage­buch“ Abschnit­ten erwäh­n­ten fik­tiv­en Per­so­n­en, vgl. das sehr infor­ma­tive Nach­wort). Das ist prob­lema­tisch, der Leser fragt sich immer wieder, was ist authen­tisch? Auch lenken manche pri­vate Belan­glosigkeit­en von den so span­nend erzählten Details der zeit­geschichtlichen Hin­ter­gründe ab. Aber der Leser lernt Max Beck­mann ganz intim ken­nen, sein Werk erschließt sich neu.

Mar­i­anne Ludes: Trio mit Tiger, 446 Seit­en, ISBN 978–3‑570–10554‑2, Ber­tels­mann Ver­lag, München 2025, 25 €

Das Reichstagspräsidentenpalais

Ein Haus und seine Geschichte

Das Palais des Reich­stagspräsi­den­ten in Berlin spiegelt mit seinen vielfachen Umnutzun­gen deutsche Zeit­geschichte. Wie der Reich­stag ist dieses Gebäude erst nach lan­gen Debat­ten um den Ort und nach langer Bauzeit eingewei­ht wor­den (der Reich­stag im Jahr 1894, das Palais 1904, Architekt bei­der Gebäude: Paul Wal­lot). Auch die Veröf­fentlichung dieser her­aus­ra­gende Mono­grafie zum Reich­stagspräsi­den­ten­palais hat lange gedauert. Die Sanierung nach der Über­gabe an den Bund begann ab Okto­ber 1991, war 1999 abgeschlossen, wurde aber schon 2015 umfassend ergänzt. Seit­dem ist das Gebäude ein Glanzstück mod­ern­er Funk­tion­al­ität im his­torischen Gewand: „Das Haus zeigt sich nun gut durch­lüftet, die ein­stige Düster­n­is ist kräftig aufge­hellt wor­den. Nuss­baum- und Ahorn­vertäfelun­gen ver­lei­hen den Speis­eräu­men und Salons gle­ich­wohl Intim­ität und Wärme, die dem eisi­gen Flughafen­in­terieur des gegenüber­liegen­den Reich­stags ganz fremd ist.“ (so wird auf S. 180 ein FAZ Artikel zitiert)

Das Buch überzeugt durch Ein­blicke in die Architek­tur und Innenein­rich­tung anhand auf­schlussre­ich­er Fotografien und von Bau­plä­nen. Die so unter­schiedlichen Nutzun­gen (von der Präsi­dentschaft eines Par­la­ments mit sehr eingeschränk­ter Macht, dem par­la­men­tarischen Leben bis zum Ende der ersten deutschen Demokratie 1933 und der wech­selvollen Nutzung des Haus­es während der NS- und DDR-Zeit) wer­den anschaulich. Auf ein wohl absichtlich ver­schwiege­nen, entschei­den­den poli­tis­chen Ter­min macht der Autor aufmerk­sam: am 20. 2.1933 traf sich die NS-Parteiführung mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft, um im großen Aus­maß finanzielle Mit­tel für den Wahlkampf einzu­fordern. Alle führen­den Wirtschaftsvertreter spende­ten, obwohl Göring von der „let­zten Wahl in 100 Jahren“ sprach.

Nach­dem die Berlin­er Mauer jahrzehn­te­lang das Palais vom Reich­stags­ge­bäude getren­nt hat­te, es lange Zeit dem erfol­gre­ichen VEB Deutsche Schallplat­ten (mit den Labels Ami­ga und Eter­na) als Auf­nahmes­tu­dio und Leitungssitz diente, ist es heute als Sitz der Deutschen Par­la­men­tarischen Gesellschaft wieder ein Teil des poli­tis­chen Lebens in der Haupt­stadt.

Matthias C. Schütte: Das Reich­stagspräsi­den­ten­palais — Ein Haus und seine Geschichte, gebun­den, 240 Seit­en, 137 teils far­bige Abb., BeBra Ver­lag, Berlin 2025, ISBN 978–3‑8148–0316‑6, 38 €

22 Touren in Berlin

die man gemacht haben muss und auch von mir sehr emp­fohlen wer­den

Dieser neueste Band aus der sehr erfol­gre­ichen Rei­he „111 Orte in…, die man gese­hen haben muss“ (die Ziele deck­en viele deutsche Städte und Land­schaften ab, Berlin ist schon mehrfach vertreten, inzwis­chen sind Ziele auch weltweit ange­siedelt, laut wikipedia sind 362 Titel erschienen) beschränkt sich auf 22 Touren, die es in sich haben: Bestens recher­chiert und bebildert, mit Infor­ma­tio­nen und Tipps selb­st für Stadtken­ner, voller Anre­gun­gen für Erkun­dun­gen. Dieses Buch macht Vor­freude auf das Früh­jahr und den Som­mer, wenn diese Touren beson­ders viel Spaß machen. Die Touren durch den Kaskelkiez und Alt-Stralau, durch Licht­en­berg (mit tre­f­fend­er Charak­ter­isierung des Stasi-Unwe­sens in knap­per Form) und durch Grunewald („Vom Gleis 17 zum Gold­e­nen Hirsch“) sind beson­ders reizvoll. Weit­ere Touren seien angeregt: durch den Nord­west­en (Tegel und Frohnau), durch Steglitz mit Botanis­chem Garten, der Spiegel­wand und dem Café Baier oder gar durch Ober­schönewei­de mit seinen bedeu­ten­den Indus­triedenkmalen. Ja, und Span­dau mit seinen reizvollen Tour­möglichkeit­en fehlt auch noch…

Annett Klingn­er: 22 Touren in Berlin, die man gemacht haben muss,
240 Seit­en, zahlre­iche Farbabb.en, Emons Ver­lag, Köln 2025, ISBN 978–3‑7408–2444‑0, 22,00 €

Vom Bankpalast zum Bundesbau

Ein Bau­denkmal in Berlin-Mitte

Dieses Buch doku­men­tiert ein­drucksvoll die Orts‑, Bau- und Nutzungs­geschichte eines prä­gen­den Baukom­plex in Berlin-Mitte. In den jet­zt von den bei­den Bun­desmin­is­te­rien für Gesund­heit bzw. Bil­dung, Fam­i­lie, Senioren, Frauen und Jugend genutzten Baut­en war die Zen­trale der Deutschen Bank ange­siedelt. Peter Lem­berg gelingt mit dieser Mono­grafie eine gründliche his­torische Recherche, Berlin­er Geschichte wird lebendig. Die Kaiser- und Reichshaupt­stadt Berlin stieg nach 1871 zu ein­er europäis­chen Finanz- und Wirtschaftsmetro­pole auf. In der Friedrich­stadt rund um die Behren­straße südlich Unter den Lin­den formierte sich im Schat­ten des poli­tis­chen Machtzen­trums in der Wil­helm­straße das Berlin­er Banken­vier­tel. Schon 1872 waren hier sieben pri­vate Bankhäuser ange­siedelt. Hier nicht weit ent­fer­nt vom repräsen­ta­tiv­en Bau der Börse am östlichen Spreeufer errichtete Wil­helm Martens ab 1883 für die Deutsche Bank als Geldin­sti­tut von Wel­trang eine palas­tar­tige Zen­trale, die bis in die 1930er Jahre ständig erweit­ert wurde. Die Fol­gen des Weltkriegs, nahezu voll­ständi­ge Zer­störung Berlins und die rus­sis­che Beset­zung, besiegelte das Ende der Großbank an ­diesem Stan­dort. Als weit­ge­hend unbekan­nter Berlin­er Erstling wur­den die stark kriegsz­er­störten Baublöcke ab 1949 vom „Bauhäusler“ Franz Ehrlich für das Innen­min­is­teri­um der DDR mit geringem Bezug zur voraus­ge­gan­genen Nutzung wieder aufge­baut. Im Äußeren von allem kaiserzeitlichen Prunk befre­it („Weit über ein­tausend Quadrat­meter Naturstein­bossen wur­den händisch abgeschla­gen…“ S. 114), zeu­gen nur noch der ikonis­che „Schwib­bo­gen“ (die stützen­lose Korb­bo­gen­brücke zur Verbindung der bei­den Gebäude­teile, siehe Tite­lab­bil­dung), Tre­sore und Trep­pen­häuser von der ursprünglichen Bes­tim­mung. Die Zeit­en­wende 1989/90 mit der wiedervere­inigten Haupt­stadt Berlin ermöglicht­en KSP Engel Architek­ten unter Denkmalschutza­u­fla­gen eine sehr aufwändi­ge, aber­ma­lige Umgestal­tung der ver­wahrlosten Gebäude für die bei­den Bun­desmin­is­te­rien. „‘Unvorherse­hbares’ tritt bei den meis­ten von Kriegsz­er­störung betrof­fe­nen Wieder­her­stel­lungs­baut­en auf, doch der Umfang ging hier über das Befürchtete hin­aus. Fehlende Stand­sicher­heit­en von über Schut­tresten aufge­führten Hofwän­den… erzwan­gen Ein­griffe auch in denkmalpflegerisch sen­si­blen Bere­ichen.“ (S. 143). Ein­drucksvolle Fotos machen die notwendi­ge Rück­führung auf den Rohbau im Innern anschaulich. Raumdi­men­sio­nen vor der DDR-Nutzung wer­den wieder sicht­bar, mod­erne Büroräume und ein Presse- und Kon­gresszen­trum ent­stand. Wenig überzeu­gende „Kun­st am Bau“ Objek­te wur­den zur „Auflockerung“ real­isiert. Nach fün­fjähriger Bauzeit kon­nten die bei­den Min­is­te­rien bis 2023 bezo­gen wer­den.

Peter Lem­berg: Vom Bankpalast zum Bun­des­bau – Ein Bau­denkmal in Berlin-Mitte, Fes­tein­band, 208 Seit­en, 217 Farb- und 9 s/w‑Abbildungen , ISBN 978–3‑7319–1521‑8, Imhof Ver­lag, Peters­berg 2025, 39,95 €

Avantgarde

Max Lieber­mann und der Impres­sion­is­mus in Deutsch­land

Dieses opu­lente Kat­a­log­buch macht Vor­freude auf einen Berlin/Potsdamer Ausstel­lung­shöhep­unkt im Jahr 2026 (vom 28.2. bis 7.6.2026 im Muse­um Bar­beri­ni Pots­dam). Wer die Fahrt nach Süd­deutsch­land nicht scheut, kann diese Ausstel­lung mit anderem Titel und attrak­tiver­er Kat­a­loggestal­tung schon seit Anfang Okto­ber sehen: “Impres­sion­is­mus in Deutsch­land. Max Lieber­mann und seine Zeit” im Muse­um Frieder Bur­da, Baden-Baden. Endlich wird auch der deutsche Impres­sion­is­mus umfassend gewürdigt. Die bei­den Ausstel­lun­gen geben einen Überblick über die Entwick­lung des deutschen Impres­sion­is­mus und stellen neben den im Kanon ver­ankerten Malern wie Lovis Corinth, Max Lieber­mann und Max Slevogt auch weniger bekan­nte Kün­st­lerin­nen und Kün­stler wie Maria Slavona, Dora Hitz, Philipp Franck, Chris­t­ian Rohlfs und Less­er Ury vor. Obwohl Max Lieber­mann einen her­aus­ra­gen­den Ein­fluss auf deutsche Kün­stler hat­te, als Samm­ler, Ausstel­lungs­mach­er und Men­tor, ist der deutsche Impres­sion­s­mus ger­ade durch seine vor und nach der Jahrhun­der­twende in ver­schiede­nen regionalen Schw­er­punk­ten ent­standene Vielfalt (außer Berlin u.a. in München, Stuttgart, Mannheim) beson­ders vielfältig. „Mit über 130 Werken aus mehr als 60 inter­na­tionalen Samm­lun­gen han­delt es sich bei der Schau um eine der größten Ausstel­lun­gen, die der Entwick­lung des deutschen Impres­sion­is­mus bis­lang gewid­met wur­den.“ (Ortrud Wes­t­hei­der, Direk­torin Muse­um Bar­beri­ni, S. 16) Das Kat­a­log­buch zeich­net sich durch pro­funde kun­sthis­torische Ein­führung­s­texte und Erläuterun­gen zu den Ausstel­lungss­chw­er­punk­ten aus (Draußen im Freien, Stadt­bilder, Haus und Garten, Kinder­bilder, Stil­lleben Große Gefüh­le auf Bühne und Lein­wand und schließlich Paradies am Wannsee. Lieber­manns Maler­garten). Große Bil­dauss­chnitte machen die freie Mal­weise, die ungezügelte Pin­selführung der Impres­sion­is­ten anschaulich.

Avant­garde – Max Lieber­mann und der Impres­sion­is­mus in Deutsch­land Fes­tein­band, 288 Seit­en, zahlre­iche Farb-Abbil­dun­gen, ISBN 978–3‑7913–7624‑0, Pres­tel Ver­lag, München 2025, 45 €

Art

365 Geburt­stage großer Kün­st­lerin­nen und Kün­stler

Kun­st­geschichte im Rhyth­mus des Kalen­ders

Dieses bib­lio­phile Neuer­schei­n­ung mit Lese­bänd­chen, Schmuck­ban­de­role und 365 far­bigen Abbil­dun­gen – ist ein immer­währen­den Kalen­der: mit „ART – 365 Geburt­stage großer Kün­st­lerin­nen und Kün­stler“ legt der Kun­sthis­torik­er Michael Semff ein Werk vor, das Kun­stlieb­haberin­nen und ‑lieb­haber durch das Jahr begleit­et – Tag für Tag, Bild für Bild, Biografie für Biografie.

Der Band vere­int 365 Kün­st­lerge­burt­stage aus allen Epochen und Regio­nen der Welt. Jed­er Tag ist einem Namen gewid­met – von ikonis­chen Fig­uren wie Leonar­do da Vin­ci und Fri­da Kahlo bis hin zu weniger bekan­nten, aber nicht min­der faszinieren­den Stim­men der Kun­st­geschichte. Eine große Vielfalt führt durch alle Epochen der Kun­st­geschichte. Die Auswahl ist bewusst weit gefasst: Malerei, Skulp­tur, Fotografie und Medi­enkun­st ste­hen gle­ich­berechtigt nebeneinan­der und spiegeln die Vielfalt kün­st­lerisch­er Aus­drucks­for­men. Eine wün­schenswerte Ein­beziehung von Architek­tur wäre wohl zu viel gewor­den. So sei eine beson­dere Aus­gabe eines Buch­es dieser Art zu den bedeu­ten­den Architek­ten und Architek­tin­nen angeregt.

Jed­er Ein­trag präsen­tiert ein Werk, ergänzt durch einen präg­nan­ten Text und biografis­che Angaben. Dabei gelingt es Semff in knap­per Form, kun­sthis­torische Tiefe mit feuil­leton­is­tis­ch­er Leichtigkeit zu verbinden. Der Kalen­der ist kein bloßes Nach­schlagew­erk, er regt dazu an, das Wis­sen über bekan­nte Kün­stler zu ver­tiefen und weniger bekan­nte Kün­stler und Kün­st­lerin­nen zu ent­deck­en.

Michael Semff: Art – 365 Geburt­stage großer Kün­st­lerin­nen und Kün­stler – Ein immer­währen­der Kalen­der, Fes­tein­band, 384 Seit­en, 365 Abbil­dun­gen, ISBN 978–3‑95415–157‑8, Pres­tel Ver­lag, München 2025, 28 €

Warten auf Susy

Mein afrikanis­ches Leben

Die Autorin, eine Schweiz­er TV-Jour­nal­istin gibt mit ihrem Lebens­bericht einen sehr per­sön­lichen, scho­nungslosen, gar erschüt­tern­den Ein­blick in die südafrikanis­che Leben­sre­al­ität. Heftige Schick­salss­chläge, erlebter Über­fälle, Dro­gen­sucht, falsch­er Män­ner­wahl und Fam­i­lien­dra­men aus den Town­ships treiben die Autorin fast in den Ruin. Der Leser ist fasziniert von ihren span­nen­den Schilderun­gen, erlebt haut­nah mit, wie sich ihre fast immer höchst prob­lema­tis­chen Beziehun­gen zur schwarzen Bevölkerungsmehrheit entwick­eln. Sehr anschaulich wer­den die prekären Lebensver­hält­nisse beschrieben, erleb­bar gemacht. Im Mit­telpunkt ste­ht das neben Kap­stadt beson­ders durch Krim­i­nal­ität belastete Johan­nes­burg, aber Reisen führen die Autorin auch nach Mozam­bique und Sim­bab­we, aus Län­dern aus denen zahlre­iche ille­gale Ein­wan­der­er stam­men. Ein sehr lesenswertes Buch, das man durch den unmit­tel­baren, gar span­nen­den Schreib­stil schnell durch­li­est. Fotografien hät­ten es noch anschaulich­er gemacht.

Cristi­na Kar­rer: Warten auf Susy – Mein afrikanis­ches Leben, 296 Seit­en, Mair­Du­mont Ver­lag, Ost­fildern 2025, ISBN: 9783616035161, 18,95 €

Der Tag an dem sie freikamen

Bewe­gende Geschichte von Frauen, die nach Zwangsar­beit und Todes­marsch ihre Befreiung erlebten

Die Autorin Teréz Rud­noy schildert sehr ein­drucksvoll die Ver­schlep­pung jüdis­ch­er Bevölkerung aus Ungarn 1944, das Lei­den in Auschwitz, die Ver­bringung zur Zwangsar­beit in ein­er Muni­tions­fab­rik, den Todes­marsch nach Bergen-Belsen und schließlich die Befreiung durch amerikanis­che Trup­pen. All dies hat die Autorin selb­st erlebt. 1944 wurde Rud­nóy mit ihren Eltern, ihrem Ehe­mann, ihren bei­den Söh­nen und ihrer Schwest­er nach Auschwitz deportiert. Nur sie und ihre Schwest­er über­lebten. Teréz Rud­nóy war eine der 800 Zwangsar­bei­t­erin­nen im
KZ-Außen­lager Lipp­stadt I. Da sie ihre Lei­dens­geschichte als Roman veröf­fentlichte, auch nicht in Ich-Form berichtet, ist ger­ade dann, wenn es um eine unwahrschein­liche geplante Ver­schwörung im Gefan­genen­lager für SS-Ange­hörige geht, sind Zweifel an der Authen­tiz­ität berechtigt. Das ist schade. Den­noch: dieses Buch ist höchst lesenswert, ger­ade auch was die sprach­liche Präg­nanz anbe­langt.

Teréz Rud­noy: Der Tag an dem sie freika­men, Roman, aus dem Ungarischen und mit einem Nach­wort des Über­set­zers Laca Kor­nitzer, 229 S., geb., Wei­dle im Wall­stein Ver­lag, Göt­tin­gen 2025
ISBN 978–3‑8353–7597‑0, € 24,00

Die Villen des Leipziger Bürgertums

Eine wirk­liche Augen­wei­de

Dieser überzeu­gende Führer zu den prächti­gen Villen in Leipzig macht deut­lich, dass Leipzig neben ein­er Vielzahl ander­er Bau­denkmale einen erstaunlich großen Bestand an im Krieg unz­er­störter und bestens sanierten großbürg­er­lich­er Wohn­baut­en aufweist, mehr als andere deutsche Großstädte. Die bei­den Autoren zählen ca. 500 dieser Bau­typen, über­wiegend in Stil des His­toris­mus und unter Denkmalschutz ste­hend. Die pro­funde architek­turhis­torische Ein­führung zu diesem Buch ver­weist auf den Bedeu­tungswan­del der Villen vom prächti­gen Land­sitz (Pal­la­dios Villen sind das Parade­beispiel) zum großbürg­er­lichen repräsen­ta­tiv­en Wohn­haus erfol­gre­ich­er Geschäft­sleute in und an stadt­na­hen Parkan­la­gen (in Leipzig im Wald­straßen- und Musikvier­tel) und zeigen die Leipziger Beson­der­heit­en hin: „Diese Orte waren zugle­ich Lebens­mit­telpunk­te bedeu­ten­der Leipziger Per­sön­lichkeit­en aus Poli­tik, Wirtschaft, Kul­tur und Wis­senschaft. Leipzig als die führende Stadt der Muster­messe, des Pelzhan­dels, des Buch­han­dels, der poly­graphis­chen Indus­trie und…des Maschi­nen­baus beherbergte eine große Zahl von Män­nern und Frauen, die teils einen europaweit­en Ruf genossen.“ (S. 18) 58 Villen wer­den mit her­vor­ra­gen­den Farb­fo­tos vorgestellt, mit ihre Bau- und Nutzungs­geschichte beschrieben und z. T. mit Plan­ab­bil­dun­gen und Grun­dris­sen ergänzt. Da die beschriebe­nen Baut­en mit Num­mern in einem Stadt­plan auf Seite 157 gekennze­ich­net sind, kann das Buch gut als Führer zu ein­drucksvollen Rundgän­gen genutzt wer­den.

Wolf­gang Hoc­quél / Richard Hüt­tel: Die Villen des Leipziger Bürg­er­tums, Fes­tein­band, 160 Seit­en, 309 Abbil­dun­gen, ISBN 978–3‑95415–157‑8, Pas­sage-Ver­lag, Leipzig 2024, 29 €

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