Ein eigenes Zimmer für sechs Künstlerinnen

Was braucht es, um künstlerisch tätig zu sein: Ein eigenes Zimmer und fünfhundert Pfund pro Jahr. Das konstatierte Virginia Woolf in ihrem Essay „A Room of One’s Own“ aus dem Jahr 1929, in dem sie die oftmals benachteiligte ökonomische und soziokulturelle Stellung von Künstlerinnen in Geschichte und Gegenwart analysiert.

Zumindest ein eigenes Zimmer hat die Galeristin Anahita Sadighi sechs Künstlerinnen zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung „A Room of Her Own“ zeigt Werke von Franziska Beilfuß, Julia Eichler, Alexandra Ellerbrock, Paula Krause, Stella Meris und Clara Thorbecke. Sie ist vom 7. September bis 2. November 2019 in der Galerie „Anahita Contemporary“ in der Schlüterstr. 14 zu sehen.

Anahita Sadighi vor dem Gemälde „Ohne Titel“ von Alexandra Ellerbrock

Bei der Vernissage betont Anahita Sadighi die Verschiedenheit zwischen den Künstlerinnen und doch fällt eine grundsätzliche Harmonie zwischen den einzelnen Werken ins Auge. Alexandra Ellerbrock und Paula Krause sind ihre russischen Wurzeln gemeinsam. Während Ellerbrocks Schaffen ihren Ausgangspunkt von Landschaften her nimmt und über die Auseinandersetzung von Figur und Gegenstand eine Dynamik zwischen dem Betrachter und dem Gemälde auslösen möchte, geht Krause den umgekehrten Weg: Von der Allgemeinheit des Man kommend, fragt sie nach dem konventionellen Subjekt, nach dem, was wir unreflektiert rezepieren, nach der vereinnehmenden Stimme des Kollektivs.

Objekt und Malerei sind auch ein bestimmendes Thema für Julia Eichler. Für sie fungieren „gefundene und verworfene Materialien als Bildelemente“. Nicht als Wirkung, sondern als Thema beschäftigt sich Stella Meris mit Dynamiken: Es geht ihr um die Auseinandersetzung mit Körper und Raum. Nicht von ungefähr ist die Leinwand daher für ihre Gemälde keine zweidimensionale Fläche, sondern birgt eine aufregende Tiefendimension. Die grelle Farbgebung überracht.

Die Wirkung von Farbtönen ist das Spezialgebiet von Clara Thorbecke. Für sie steht das „Übereinander, Nebeneinander, Mit- und Gegeneinander von Farben und Formen“ im Mittelpunkt.

In diesem Zimmer sind also sechs Künstlerinnen versammelt, die es sich zu entdecken lohnt. Die obligatorischen fünfhundert Pfund im Jahr stehen für sie sicherlich nicht in Frage.

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