{"id":945,"date":"2019-09-07T15:46:00","date_gmt":"2019-09-07T15:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kum.rbvbg.de\/?p=945"},"modified":"2025-02-12T17:00:14","modified_gmt":"2025-02-12T17:00:14","slug":"mitternaechtliche-begegnung-mit-dem-golem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstundmedien.de\/index.php\/2019\/09\/07\/mitternaechtliche-begegnung-mit-dem-golem\/","title":{"rendered":"Mittern\u00e4chtliche Begegnung mit dem Golem"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap has-text-align-justify\">Vorhin bekam ich eine SMS: \u201eTre\u00adf\u00adfen heute um Mit\u00adter\u00adnacht an der syn\u00ada\u00adgoga staro\u201c. Das kam mir komisch vor: \u201cstaro\u201d passt doch vom  Genus her gar nicht mit \u201csyn\u00ada\u00adgoga\u201d zusam\u00admen. Wo soll \u00fcber\u00adhaupt die \u201eAlte Syn\u00ada\u00adgoge\u201c sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Auch der Absender war mir unbekan\u00adnt. Die Han\u00addynum\u00admer war unter\u00addr\u00fcckt und es hat\u00adte auch nie\u00admand einen Gru\u00df hin\u00adter\u00adlassen. Trotz\u00addem bildete ich mir ein, zu wis\u00adsen, wer dahin\u00adter steckt. Das ganze roch mir arg nach Hon\u00adsa, der oft auf solche Ideen kam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ich zer\u00adbrach mir nicht weit\u00ader den Kopf. Das ehe\u00adma\u00adlige Juden\u00advier\u00adtel ist nicht gro\u00df, seit\u00addem es vor 100 Jahren assaniert wurde. Auf dem Weg in die Stadt \u2014 mein Hotel liegt ziem\u00adlich weit drau\u00dfen \u2014 las ich aus gegeben\u00adem Anlass im \u201eGolem\u201c von Gus\u00adtav Meyrink. Um 23 Uhr habe ich im Restau\u00adrant \u201eSedm kon\u0161el\u016f\u201c in der \u017date\u00adck\u00e1 10 zu Abend gegessen. Es hat sich zu ein\u00ader Art Tra\u00addi\u00adtion entwick\u00adelt, dass ich immer, wenn ich in Prag bin, dor\u00adthin zum Ente\u00adnessen gehe. Zwar war die gebratene Ente \u2014 wie immer, wenn man nicht zur Lunchzeit kam \u2014 schon aus, aber es gab genug anderes auf der Speisekarte. Mir ist alles mit Knedlicky recht. Von der Met\u00adro\u00adsta\u00adtion Starom\u011bst\u00adsk\u00e1 aus ist das Restau\u00adrant gut zu erre\u00adichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Im Restau\u00adrant hat\u00adte ich das ungewisse Gef\u00fchl, von jeman\u00adden beobachtet zu wer\u00adden. Ich beachtete es nicht weit\u00ader, doch w\u00e4hrend ich anschlie\u00dfend die Zate\u00adck\u00e1 ent\u00adlang gehe, ver\u00adst\u00e4rkt sich dieser Ein\u00addruck. Gemesse\u00adnen Schrittes laufe ich einige Meter und drehe mich dann ruckar\u00adtig um: Die Stra\u00dfe ist v\u00f6l\u00adlig leer. Diese Ver\u00adlassen\u00adheit schl\u00e4gt mir wie etwas Ungl\u00fcck\u00adseliges auf den Magen. Die Dunkel\u00adheit der Nacht liegt auf der Umge\u00adbung, als wolle sie etwas ver\u00adber\u00adgen. Das mat\u00adte Licht der Stra\u00dfen\u00adlater\u00adnen kommt dage\u00adgen nicht an. Beina\u00adhe glaube ich, dort ein Gesicht aus\u00admachen zu k\u00f6n\u00adnen. Ich stiere in die Dunkel\u00adheit, um etwas zu erken\u00adnen. Da sehe ich, wie sich etwas bewegt. Ein dun\u00adkler Schat\u00adten, der riesen\u00adhaft auf mich zukommt. Mein Atem stockt. Abrupt rei\u00dfe ich meinen Blick von der Stelle los und set\u00adze meinen Weg z\u00fcgig fort. Wohin gehe ich eigentlich? Jet\u00adzt taucht vor mir eine Syn\u00ada\u00adgoge auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"369\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/alte-synagoge-josefsstadt-prag-1.jpg\" alt class=\"wp-image-1061\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/alte-synagoge-josefsstadt-prag-1.jpg 500w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/alte-synagoge-josefsstadt-prag-1-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pinkassy\u00adn\u00ada\u00adgoge \u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">In diesem schumm\u00adrig gel\u00adben Licht kann ich sie kaum erken\u00adnen. In den Fen\u00adstern spiegeln sich die Stra\u00dfen\u00adlater\u00adnen wie grim\u00admige Augen. K\u00f6n\u00adnte das die \u201eAlte Syn\u00ado\u00adgoge\u201c sein? Ich ziehe mein Handy aus der Hand\u00adtasche und google hek\u00adtisch nach den Syn\u00ada\u00adgogen in der Josef\u00adsstadt. Es han\u00addelt sich um die Pinkassy\u00adn\u00ada\u00adgoge. Rasch \u00fcber\u00adfliege ich die Beschrei\u00adbung: <em>Die Pinkassy\u00adn\u00ada\u00adgoge wurde 1479 von Rab\u00adbi Pinkas als pri\u00advate Syn\u00ada\u00adgoge gegr\u00fcn\u00addet und im 16. Jahrhun\u00addert durch Ele\u00admente im Renais\u00adsances\u00adtil erweit\u00adert\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Diese Syn\u00ada\u00adgoge scheint mir nicht alt genug zu sein, als dass man sie \u201eAlte Syn\u00ada\u00adgoge\u201c beze\u00adich\u00adnen w\u00fcrde. Im R\u00fcck\u00aden sp\u00fcre ich, wie mich etwas behar\u00adrlich belauert. Vom Ein\u00adgang der Pinkassy\u00adn\u00ada\u00adgoge aus gehe ich die \u0160irok\u00e1 ger\u00adadeaus weit\u00ader. Links biege ich in die Meiselo\u00adva ein.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"375\" height=\"500\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/maiselsynagoge-josefsstadt-prag.jpg\" alt class=\"wp-image-1062\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/maiselsynagoge-josefsstadt-prag.jpg 375w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/maiselsynagoge-josefsstadt-prag-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Maisel\u00adsy\u00adn\u00ada\u00adgoge &nbsp;\u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Bald f\u00e4llt mir ein Geb\u00e4ude auf, das hin\u00adter Bauger\u00fcsten ver\u00adsteckt imposant in die H\u00f6he ragt. Den David\u00adstern tr\u00e4gt es selb\u00adst\u00adbe\u00adwusst vor sich her. Bei Google lese ich, dass es die Maisel\u00adsy\u00adn\u00ada\u00adgoge ist. Sie wurde im 16. Jahrhun\u00addert durch den wohlhaben\u00adden Banki\u00ader und B\u00fcrg\u00ader\u00admeis\u00adter Mordechai Maisel erbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Auch hier kann ich Hon\u00adsa nir\u00adgends ent\u00addeck\u00aden. Langsam beginne ich daran zu zweifeln, ob er die SMS tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich geschrieben hat. Um mich herum gibt es nur Leere und Fin\u00adster\u00adn\u00adis. An der Stra\u00dfe\u00adnecke h\u00f6re ich etwas \u00fcber das Pflaster stolpern. Ich zucke zusam\u00admen. Mein Blick erhascht ger\u00adade noch, wie eine dun\u00adkle Sil\u00adhou\u00adette hin\u00adter ein\u00ader Haus\u00adfas\u00adsade ver\u00adschwindet. Anges\u00adpan\u00adnt laufe ich auf die Stelle zu, wo die Gestalt ges\u00adtanden hat, denn irgen\u00addet\u00adwas liegt dort auf dem Boden. Instink\u00adtiv greife ich danach: Es ist eine Hand, trock\u00aden, staubig. Sie ist in ein\u00ader grotesken Greifhal\u00adtung erstar\u00adrt. Sie beste\u00adht aus Lehm. Ver\u00addutzt blicke ich auf diesen Fremd\u00adk\u00f6r\u00adp\u00ader, der schw\u00ader in mein\u00ader Hand liegt. Ich wage nicht, ihn auf den Boden fall\u00aden zu lassen, und lege ihn wie ein Klein\u00adod sorgsam dor\u00adthin zur\u00fcck, wo ich ihn gefun\u00adden habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ohne darauf zu acht\u00aden, wohin ich gehe, finde ich mich unverse\u00adhens auf der \u0160irok\u00e1 wieder und laufe ger\u00adadeaus auf die V\u011bze\u0148sk\u00e1 zu. Ich f\u00fch\u00adle mich, als w\u00e4re die Gren\u00adze zwis\u00adchen Traum und Wirk\u00adlichkeit aufgel\u00f6st.  Einge\u00adh\u00fcllt in mattes, schlaftrunk\u00adenes Licht ist alles selt\u00adsam ent\u00adfremdet. Mir ist, als ob ich tr\u00e4ume. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"370\" height=\"500\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/franz-kafka.jpg\" alt class=\"wp-image-1063\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/franz-kafka.jpg 370w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/franz-kafka-222x300.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kaf\u00adka-Denkmal &nbsp;\u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Da taucht pl\u00f6t\u00adzlich ein Mann vor mir auf! Wo sich der Kopf befind\u00aden sollte, sitzt neck\u00adisch ein M\u00e4n\u00adneken. \u00dcberdeut\u00adlich pr\u00e4gt sich mir ein, dass ihm eine Hand fehlt. Ich muss an die Lehm\u00adhand denken, die auf dem Boden lag\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">\u201cDer Golem!\u201d, schie\u00dft es mir durch den Kopf. Er ist das unfer\u00adtige Gesch\u00f6pf, das von Men\u00adschen\u00adhand aus Lehm geschaf\u00adfen wurde. Es ist wed\u00ader lebendig noch tot. Nur durch geheimnisvolle Formeln kann es belebt wer\u00adden. Ich zwinge mich dazu, ratio\u00adnal zu sein, und sage immer wieder vor mich hin: \u201cDas ist blo\u00df eine Stat\u00adue!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Die Spanis\u00adche Syn\u00ada\u00adgoge, die neben der Stat\u00adue ste\u00adht, beachte ich gar nicht. Sie wurde im 19. Jahrhun\u00addert an der Stelle erbaut, wo im 11. Jahrhun\u00addert eine byzan\u00adti\u00adnis\u00adche Syn\u00ada\u00adgoge stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Schlafwan\u00addel\u00adnd streife ich weit\u00ader durch die Gassen. Gri\u00admassen glotzen von den Haus\u00adfas\u00adsaden herab.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"369\" height=\"500\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/spanische-synagoge-josefsstadt-prag-1.jpg\" alt class=\"wp-image-1066\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/spanische-synagoge-josefsstadt-prag-1.jpg 369w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/spanische-synagoge-josefsstadt-prag-1-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\"><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"373\" height=\"500\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gesicht-hausfassade-josefsstadt-prag-1.jpg\" alt class=\"wp-image-1067\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gesicht-hausfassade-josefsstadt-prag-1.jpg 373w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gesicht-hausfassade-josefsstadt-prag-1-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 373px) 100vw, 373px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Josef\u00ads\u00adtadt &nbsp;\u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Von der V\u011bze\u0148sk\u00e1 irre ich zur\u00fcck auf die \u0160irok\u00e1 und biege in die Meiselo\u00adva nach links ein. Dort tre\u00adffe ich auf eine andere Syn\u00ada\u00adgoge. Google ver\u00adr\u00e4t mir, dass es die \u00e4lteste Syn\u00ada\u00adgoge Europas ist: <em>Die Alt\u00adneusy\u00adn\u00ada\u00adgoge wurde 1275 erbaut. Den Namen tr\u00e4gt sie, weil es zur Zeit ihrer Erbau\u00adung bere\u00adits eine \u00e4ltere Syn\u00ada\u00adgoge gab und im 16. Jahrhun\u00addert eine eine neue Syn\u00ada\u00adgoge gebaut wurde. Sowohl die Alte Syn\u00ada\u00adgoge als auch die Neue Syn\u00ada\u00adgoge wur\u00adden im Zuge der Assanierung zer\u00adst\u00f6rt; nur die Alt\u00adneusy\u00adn\u00ada\u00adgoge blieb erhal\u00adten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Best\u00fcrzt lese ich den Satz noch ein\u00admal: Es gibt keine Alte Syn\u00ada\u00adgoge. Stand denn nicht in der SMS, dass wir uns an der Alten Syn\u00ada\u00adgoge tre\u00adf\u00adfen? Schla\u00adgar\u00adtig wird mir die tschechis\u00adche Beze\u00adich\u00adnung der Alt\u00adneusy\u00adn\u00ada\u00adgoge bewusst: Staronov\u00e1 syn\u00ada\u00adgoga. In der SMS stand, dass wir uns an der syn\u00ada\u00adgoga staro\u2026 tre\u00adf\u00adfen. Gemeint ist staronov\u00e1. Hier soll ich ihn tre\u00adf\u00adfen! Aber warum brach die SMS an dieser Stelle ab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ich drehe mich suchend um. Da bemerke ich, dass ein Mann direkt hin\u00adter mir ste\u00adht. Ich bringe nur einen stum\u00admen Schrei her\u00advor. Ich kann in der Dunkel\u00adheit das Gesicht nicht erken\u00adnen. Dessen Klei\u00addung ist alt\u00admodisch und abgewet\u00adzt. Unge\u00adlenk bewegt sich sein Arm nach oben. Wie geban\u00adnt starre ich auf seine Hand. In der Dunkel\u00adheit wirkt sie fahl und grob\u00adschl\u00e4chtig. Unver\u00admit\u00adtelt greift sie fest an meinen Hals. Entset\u00adzt entwinde ich mich seinem Griff. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ich renne kopf\u00adlos in eine Gasse links von der Alt\u00adneusy\u00adn\u00ada\u00adgoge hinein. Es kommt mir vor, als w\u00fcrde ich einen Tun\u00adnel ent\u00adlang laufen, der nur in eine Rich\u00adtung f\u00fchrt.   <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse.jpg\" alt class=\"wp-image-1068\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse.jpg 500w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"369\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse-2.jpg\" alt class=\"wp-image-1069\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse-2.jpg 500w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/prager-josefsstadt-gasse-2-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Josef\u00ads\u00adtadt \u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Wie das Licht die Mot\u00adten anzieht, st\u00fcrze ich auf das Haus am Ende der Gasse zu. Jeden Moment f\u00fcrchte ich, den harten, unbarmherzi\u00adgen Griff an meinem Nack\u00aden zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"375\" height=\"500\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhof.jpg\" alt class=\"wp-image-1071\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhof.jpg 375w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhof-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">Klausen-Syn\u00ada\u00adgoge \u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ich kann keinen Gedanken fassen. Stattdessen f\u00fch\u00adle ich meinen Herz\u00adschlag dr\u00f6h\u00adnend gegen meine Schl\u00e4fen pochen. Dieses Pochen kommt mir vor, wie die pras\u00adsel\u00adnden K\u00f6rn\u00ader ein\u00ader ver\u00adsiegen\u00adden San\u00adduhr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Ich atme hastig und doch bekomme ich kaum Luft. Am Ende der Gasse angekom\u00admen, erkenne ich, dass dort ein Fried\u00adhof ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Am Ende des Tun\u00adnels gibt es kein Licht. Der Tor\u00adein\u00adgang ist ver\u00adschlossen und dahin\u00adter ist nichts als Dunkel\u00adheit. Mir wird Schwarz vor Augen und ich sinke vor dem Tor\u00adein\u00adgang des Fried\u00adhofes zusam\u00admen.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"371\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhofstor.jpg\" alt class=\"wp-image-1072\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhofstor.jpg 500w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/friedhofstor-300x223.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><figcaption class=\"wp-element-caption\">J\u00fcdis\u00adch\u00ader Fried\u00adhof \u00a9 Sophia H\u00f6ff<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"> Das Pochen wird lauter. Ich sp\u00fcre die weichen Pol\u00adster des Sofas unter mir. Auf dem Couchtisch liegt \u201cDer Golem\u201d. Drau\u00dfen h\u00f6re ich jeman\u00adden meinen Namen rufen und  gegen das T\u00fcr\u00adblatt pochen. Das ist Hon\u00adsa, denke ich. Langsam d\u00e4m\u00admert mir, das ich mit ihm verabre\u00addet bin und auf ihn gewartet habe. Ich muss dabei eingeschlafen sein. Es ist erstaunlich, dass sich mir die Josef\u00adsstadt so detail\u00adliert ins Bewusst\u00adsein einge\u00adbran\u00adnt hat. <\/p>\n\n\n<div style=\"background-color:#f3f3f3;\" class=\"wp-block-post-author has-background\"><div class=\"wp-block-post-author__avatar\"><img alt src=\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b2bf35cd8bbeaa932bf9cec6cdd794a49d2a8506f6b2e2c32ba4bffa462f7f35?s=48&amp;d=blank&amp;r=g\" srcset=\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b2bf35cd8bbeaa932bf9cec6cdd794a49d2a8506f6b2e2c32ba4bffa462f7f35?s=96&amp;d=blank&amp;r=g 2x\" class=\"avatar avatar-48 photo\" height=\"48\" width=\"48\"><\/div><div class=\"wp-block-post-author__content\"><p class=\"wp-block-post-author__byline\">Ver\u00adfasst von<\/p><p class=\"wp-block-post-author__name\"><a href=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/index.php\/author\/sophia_hoeff\/\" target=\"_self\">Sophia H\u00f6ff<\/a><\/p><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorhin bekam ich eine SMS: \u201eTre\u00adf\u00adfen heute um Mit\u00adter\u00adnacht an der syn\u00ada\u00adgoga staro\u201c. Das kam mir komisch vor: \u201cstaro\u201d passt doch vom Genus her gar nicht mit \u201csyn\u00ada\u00adgoga\u201d zusam\u00admen. Wo soll \u00fcber\u00adhaupt die \u201eAlte Syn\u00ada\u00adgoge\u201c sein? Auch der Absender war mir unbekan\u00adnt. Die Han\u00addynum\u00admer war unter\u00addr\u00fcckt und es hat\u00adte auch nie\u00admand einen Gru\u00df hin\u00adter\u00adlassen. 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