{"id":812,"date":"2020-06-09T22:56:00","date_gmt":"2020-06-09T22:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kum.rbvbg.de\/?p=812"},"modified":"2025-01-28T18:29:57","modified_gmt":"2025-01-28T18:29:57","slug":"es-ist-tatsaechlich-ein-gefaehrliches-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstundmedien.de\/index.php\/2020\/06\/09\/es-ist-tatsaechlich-ein-gefaehrliches-spiel\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist tats\u00e4chlich ein gef\u00e4hrliches Spiel\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Ein Interview mit dem Schriftsteller Volker Kaminski \u00fcber seinen Roman \u201cDer Gestrandete\u201d<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Ein Grund\u00admo\u00adtiv des Romans \u201cDer Ges\u00adtran\u00addete\u201d k\u00f6n\u00adnte man mit dem Slo\u00adgan \u201clife imi\u00adtates art\u201d para\u00adphrasieren. Die Kun\u00adst \u2014 ob in Form eines The\u00adater\u00adst\u00fccks oder in Form ein\u00ader Zeich\u00adnung \u2014 greift im Roman auf das Leben der Pro\u00adtag\u00ado\u00adnis\u00adten \u00fcber. So ver\u00adsucht der Ich-Erz\u00e4h\u00adler Sascha Fehrmann \u00fcber den Roman von E. T. A. Hoff\u00admann (\u201cDie Elix\u00adiere des Teufels\u201d), den Geheimnis\u00adsen seines fr\u00fcheren Schulka\u00adm\u00ader\u00adaden Frank Kali\u00adna auf die Spur zu kom\u00admen. Hast Du damit eine falsche F\u00e4hrte gelegt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Volk\u00ader Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Kun\u00adst kann das Leben immer bee\u00adin\u00adflussen, manch\u00admal auf f\u00f6rdernde, begeis\u00adternde Weise, sie kann ganze Biografien ver\u00e4n\u00addern, Erweck\u00adungser\u00adleb\u00adnisse ver\u00adschaf\u00adfen, sie kann aber auch neg\u00ada\u00adtive Fol\u00adgen zeit\u00adi\u00adgen (das ber\u00fchmteste Beispiel aus der Lit\u00ader\u00adaturgeschichte ist wohl Goethes \u201eWerther\u201c, der zu sein\u00ader Zeit nicht nur eine Klei\u00adder\u00admode aus\u00adl\u00f6ste, son\u00addern sog\u00adar einige ungl\u00fcck\u00adlich Ver\u00adliebte zur Nachah\u00admung des Suizids ver\u00adleit\u00adete). An eine falsche F\u00e4hrte habe ich nicht gedacht, im Gegen\u00adteil, Sascha benutzt Hoff\u00admanns Roman eher zur Spuren\u00adsuche und befragt Frank mit Hil\u00adfe des Roman\u00adhin\u00adter\u00adgrunds, als er merkt, wie wichtig das Buch f\u00fcr diesen ist. Es ist ein Spiel mit Motiv\u00aden und M\u00f6glichkeit\u00aden, die der d\u00fcstere Hoff\u00admann-Roman vorgibt, da habe ich auch mein\u00ader alten Liebe zu Hoff\u00admann und der Roman\u00adtik Raum gegeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Willkommen bei den Fehrmanns: Die Lebenswelt der Protagonisten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Sascha reflek\u00adtiert ein ums andere Mal seine Lage. Nach\u00addem er zuerst sein\u00ader Frau spon\u00adtan von Franks Ver\u00adgan\u00adgen\u00adheit erz\u00e4hlt, entschlie\u00dft er sich dann, \u00fcber das, was er von und \u00fcber Frank erf\u00e4hrt, Stillschweigen zu bewahren. Das erscheint recht fahrl\u00e4s\u00adsig, wenn man bedenkt, welch schw\u00ader\u00ader Ver\u00addacht auf Frank liegt. Was sagt das \u00fcber Sascha aus? Liegt darin das Unberechen\u00adbare und Faszinierende des Pro\u00adtag\u00ado\u00adnis\u00adten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Es ist tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich ein gef\u00e4hrlich\u00ades Spiel, das Sascha treibt, er ringt ja auch andauernd mit sich, ob es richtig ist und ob er weit\u00ader schweigen und Franks N\u00e4he zu sein\u00ader Frau und der The\u00adater\u00adgruppe zulassen darf. Ander\u00ader\u00adseits ver\u00adlockt ihn die \u201eb\u00f6se\u201c Energie des alten Fre\u00adunds, er ist fasziniert von dessen ver\u00admeintlich authen\u00adtis\u00adcheren, exis\u00adten\u00adzielleren Lebensweise. Sascha muss sich st\u00e4ndig an ihm abar\u00adbeit\u00aden, seine \u201eRuh ist hin\u201c, k\u00f6n\u00adnte man mit Goethe sagen, sein gewohntes Leben ger\u00e4t in gef\u00e4hrlich\u00ades Fahrwass\u00ader. Aber das ist f\u00fcr ihn und seine Frau nat\u00fcr\u00adlich ander\u00ader\u00adseits auch span\u00adnend und her\u00adaus\u00adfordernd.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Auf der anderen Seite ver\u00adr\u00e4t Saschas Wahrnehmung viel \u00fcber seine Gef\u00fchlslage. Das kommt beson\u00adders gut in den Schilderun\u00adgen von seinem Garten zum Aus\u00addruck. Auf Seite 223 hei\u00dft es zum Beispiel: \u201eDer Garten zeigte wieder sein Som\u00admer\u00adgesicht, das fortschre\u00adi\u00adt\u00adend fre\u00adundlich\u00ader zu mir her\u00fcber\u00adsah.\u201c Dieser Ein\u00addruck ste\u00adht in schar\u00adfem Kon\u00adtrast zu anderen Pas\u00adsagen, wo die Urw\u00fcch\u00adsigkeit des Gartens im Vorder\u00adgrund ste\u00adht und als Bedro\u00adhung emp\u00adfun\u00adden wird. Geben die Wahrnehmungs\u00adbeschrei\u00adbun\u00adgen ein authen\u00adtis\u00adcheres Bild von Saschas Innen\u00adleben wieder als seine Gedanken?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Sascha der Garten\u00adfre\u00adund, der ewig sich auf der Liege Aus\u00adruhende. Warum ist er eigentlich so erhol\u00adungs\u00adbed\u00fcrftig? Seine merk\u00adw\u00fcrdi\u00adge Ver\u00adbun\u00adden\u00adheit mit der (Garten-)Natur war f\u00fcr mich von Anfang an ein Motiv im Roman. Die Lebenswelt der Fehrmanns, ihr Wohl\u00adstand, das geerbte Haus und der \u201ever\u00adwun\u00adsch\u00adene\u201c Garten dahin\u00adter, das ist f\u00fcr Sascha nicht unprob\u00adlema\u00adtisch, er ist nicht eins mit dieser Rolle als beh\u00fcteter B\u00fcrg\u00ader. Da rebel\u00adliert etwas in ihm, das nimmt er dann manch\u00admal als Bedro\u00adhung von au\u00dfen wahr. Das Gesicht des Gartens wan\u00addelt sich, je nach\u00addem wie sich seine innere Entwick\u00adlung fort\u00adbe\u00adwegt. Diese irra\u00adtionalen Gef\u00fch\u00adle sagen tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich viel, vielle\u00adicht mehr \u00fcber seinen Zus\u00adtand aus als seine ratio\u00adnalen Gedanken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Auch die Dialoge charak\u00adter\u00adisieren die Pro\u00adtag\u00ado\u00adnis\u00adten nat\u00fcr\u00adlich in ganz bes\u00adtimmter Weise. Im Roman ist der Dia\u00adlog zudem ein wichtiges Mit\u00adtel zur Wahrheits\u00adfind\u00adung. Frank r\u00e4umt ja expliz\u00adit ein, gegen\u00fcber Sascha einen Drang zur Beichte zu ver\u00adsp\u00fcren. Was er geste\u00adht, ste\u00adht f\u00fcr Sascha allerd\u00adings immer unter dem Vor\u00adbe\u00adhalt der L\u00fcge. Kann man w\u00f6rtlich\u00ader Rede im Roman trauen? Inwiefern hil\u00adft sie dabei, die Charak\u00adtere zu skizzieren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Ich bin ein gro\u00dfer Fan von Roman\u00addi\u00adalo\u00adgen, sie sind f\u00fcr mich ein ide\u00adales verklein\u00adertes Spielfeld zur Aus\u00adtra\u00adgung der im Roman behan\u00addel\u00adten Kon\u00adflik\u00adte. Indem die Protagonist*innen reden, stre\u00adit\u00aden, sich gegen\u00adseit\u00adig bel\u00fc\u00adgen, sich her\u00adaus\u00adfordern, unter Druck set\u00adzen etc., treiben sie die Hand\u00adlung voran und lassen den Span\u00adnungs\u00adbo\u00adgen sich weit\u00ader biegen. L\u00fcgen geh\u00f6ren naturgem\u00e4\u00df zum Dia\u00adlog, und die Beichte ist nahezu die \u00e4lteste Form des Wech\u00adselge\u00adspr\u00e4chs. Auch in Hoff\u00admanns Roman wird des \u00d6fteren gebe\u00adichtet (es ist ja auch ein M\u00f6nchs-Roman) und sich in L\u00fcgen gefl\u00fcchtet. Doch es gibt auch immer den Drang nach Wahrheit und den unb\u00e4ndi\u00adgen Wun\u00adsch sie ans Licht zu brin\u00adgen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dichtung und Wahrheit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Du bist in Karl\u00adsruhe geboren und hast Philoso\u00adphie studiert. Neben detail\u00adlierten Stadtschilderun\u00adgen ent\u00addeckt man im Text inter\u00ades\u00adsante philosophis\u00adche Gedanken. Der Dia\u00adlog set\u00adzt einen Gespr\u00e4chspart\u00adner voraus. Der Blick des anderen ist, wenn man Sartre fol\u00adgen m\u00f6chte, ein Spiegel der eige\u00adnen Seele. An promi\u00adnen\u00adter Stelle wird das Motiv des Spiegels im Roman aufge\u00adgrif\u00adf\u00aden, n\u00e4m\u00adlich auf der B\u00fchne w\u00e4hrend der Pre\u00admiere des The\u00adater\u00adst\u00fccks. Die Beziehung zwis\u00adchen Sascha und Frank kann man im Sinne Sartres ver\u00adste\u00adhen: Am Ende des Romans artikuliert Frank beispiel\u00adsweise, worin die geistige Ver\u00adwandtschaft zwis\u00adchen ihm und Sascha beste\u00adht. Etwas, das sich Sascha zuvor nicht einge\u00ads\u00adtanden hat. Hast Du bewusst philosophis\u00adche Gedanken im Text ver\u00adar\u00adbeit\u00adet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Ich w\u00fcn\u00adsche mir immer, dass die philosophis\u00adchen Ken\u00adnt\u00adnisse aus meinem Studi\u00adum ihren (unauf\u00addringlichen) Platz beim Schreiben find\u00aden. Philoso\u00adphie \u2013 wenn man sie ernst nimmt \u2013 l\u00e4sst sich ja nie aufgeben oder als erledigt betra\u00adcht\u00aden, sie stellt die Fra\u00adgen, die jed\u00ader Men\u00adsch hat. Und der Spiegel \u2013 etwas \u00fcber\u00adspitzt gesagt \u2013 ist Tr\u00e4ger der Wahrheit, und wer etwas Schlimmes getan hat und wen das Gewis\u00adsen peinigt, der schaut bekan\u00adntlich nicht gern hinein. Das Spiegelver\u00adh\u00e4lt\u00adnis zwis\u00adchen Sascha und Frank ist im Roman so eine Art These, die hin\u00adter\u00adfragt und zunehmend ver\u00adsch\u00e4rft gepr\u00fcft wird. Wie nahe l\u00e4sst Sascha den gef\u00e4hrlichen Fre\u00adund an sich her\u00adan, wo zieht er die Not\u00adbremse? Span\u00adnende Fra\u00adgen, die die Leser*innen, wie ich hoffe, auch ans Buch fes\u00adseln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nur eine Illusion von Freiheit?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Auch der Gedanke der Frei\u00adheit, der f\u00fcr den Exis\u00adten\u00adtial\u00adis\u00admus entschei\u00addend ist, wird enthu\u00adsi\u00adastisch von Frank auf ein\u00ader Par\u00adty gepriesen. Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich sind jedoch f\u00fcr Frank weniger seine autonomen Hand\u00adlun\u00adgen, son\u00addern eher seine affek\u00adtiv\u00aden charak\u00adter\u00adis\u00adtisch. Eben\u00adso kann man von Sascha sagen, dass er einen merk\u00adw\u00fcrdi\u00adgen Umgang mit sein\u00ader Entschei\u00addungs\u00adfrei\u00adheit hat. Auf Seite 206 hei\u00dft es: \u201eEs war meine Entschei\u00addung, ob und wann ich ein\u00adgreifen w\u00fcrde. Das war naiv.\u201c Das ist ein inter\u00ades\u00adsan\u00adter Satz, weil er dop\u00adpeldeutig ist: War es naiv zu glauben, eine Entschei\u00addungs\u00adfrei\u00adheit zu haben, oder war es naiv, seine Ver\u00adant\u00adwor\u00adtung, eine Entschei\u00addung zu tre\u00adf\u00adfen, hin\u00adauszuz\u00f6gern? Magst Du dazu etwas sagen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Sascha glaubt lange, das Heft in der Hand zu hal\u00adten, er redet sich ein, jed\u00aderzeit ein\u00adgreifen zu k\u00f6n\u00adnen, wenn es zu gef\u00e4hrlich wird, und alles zu stop\u00adpen, wenn er es nicht mehr ver\u00adant\u00adworten kann. So ist es ja oft im Leben, oder? Wir unternehmen etwas, beschlie\u00dfen, pla\u00adnen, gehen einen nicht unge\u00adf\u00e4hrlichen Weg in eine bes\u00adtimmte Rich\u00adtung \u2013 wenn es zu heikel wird, k\u00f6n\u00adnen wir ja umkehren, denken wir. Und ganz ohne Risiko geht es im Leben eben sel\u00adten (was wir ja auch ger\u00adade \u201elive\u201c erleben bez\u00fcglich der Abw\u00e4\u00adgung zwis\u00adchen Leben\u2011, Arbeiten\u2011, Reisen-Wollen und gesund\u00adheitlichen Risiken und Gefahren). Sind wir naiv, wenn wir glauben, dass wir in unserem Han\u00addeln frei sind? Manch\u00admal, wenn etwas Schlimmes ein\u00adtritt, dann kommt es uns vielle\u00adicht so vor. Dann m\u00fcssen wir ein\u00adse\u00adhen, dass wir ver\u00adlet\u00adzlich sind, schwach, angreif\u00adbar und unf\u00e4hig immer alle Risiken zu ken\u00adnen. Ein Satz wie der von dir zitierte ist aber neben\u00adbei auch ein willkommen\u00ader \u201eCliffhang\u00ader\u201c, bestens geeignet, um am Kapite\u00adlende den Felsvor\u00adsprung zu zeigen, an dem der Pro\u00adtag\u00ado\u00adnist \u201ebaumelt\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Verschiedene Lebenswege<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Das unbe\u00add\u00adingte Ver\u00adtrauen, mit dem sich Sascha und Frank von Anfang an im Roman begeg\u00adnen, erin\u00adnert an die Beziehung zwis\u00adchen Br\u00fcdern. Selb\u00adst der Ver\u00addacht, der auf Frank lastet, bringt Sascha nicht von der Zuver\u00adsicht ab, dass dieser seine Angele\u00adgen\u00adheit\u00aden ins Reine brin\u00adgen wird. Im Roman wird auf ein gemein\u00adsames urspr\u00fcnglich\u00ades Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis f\u00fcr das Unheim\u00adliche rekur\u00adri\u00adert. Die sp\u00e4teren Lebensen\u00adtw\u00fcrfe der bei\u00adden gehen ja auseinan\u00adder und Sascha hat sich ein ruhiges Leben geschaf\u00adfen. Welche Rolle spielt die gemein\u00adsame Schulzeit?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Die gemein\u00adsame Schulzeit wird im Roman kaum the\u00adma\u00adtisiert \u2013 dazu ist wahrschein\u00adlich die Gegen\u00adwart durch das Ein\u00addrin\u00adgen Franks ins beschauliche Leben zu sehr aufgew\u00fchlt und beein\u00adtr\u00e4chtigt. Es ist eher so, dass die sehr ver\u00adschiede\u00adnen Lebensen\u00adtw\u00fcrfe der bei\u00adden es \u2013 zumin\u00add\u00adest f\u00fcr Sascha \u2013 schw\u00ader vorstell\u00adbar machen, dass sie sich \u00fcber\u00adhaupt jemals nahe ges\u00adtanden haben. Wie ver\u00adschieden haben sie doch gelebt! Und es war nicht anzunehmen, dass sie sich je wieder begeg\u00adnen, geschweige denn ann\u00e4h\u00adern w\u00fcr\u00adden. Aber das Leben kann voller \u00dcber\u00adraschun\u00adgen sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schreiben zwischen Theorie und Praxis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><strong>KUM<\/strong>: Inter\u00ades\u00adsant f\u00fcr alle, die Deine Schreib\u00adsem\u00adinare an der Alice-Salomon-Hochschule nicht besuchen, sind auf jeden Fall auch die im Roman ver\u00adstreuten poe\u00adt\u00adol\u00ado\u00adgis\u00adchen Reflex\u00adio\u00adnen \u2013 zum Beispiel zum The\u00adma des B\u00f6sen und der Span\u00adnung. Reflek\u00adtierst Du bere\u00adits w\u00e4hrend des Schreibens \u00fcber poe\u00adt\u00adol\u00ado\u00adgis\u00adche Aspek\u00adte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em><strong>Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>: Es ist m. E. ein immenser Unter\u00adschied zwis\u00adchen dem bel\u00adletris\u00adtis\u00adchen Schreiben und der the\u00ado\u00adretis\u00adchen Reflex\u00adion dar\u00fcber. So habe ich z. B. im Lauf meines Ger\u00adman\u00adis\u00adtik\u00adstudi\u00adums, als ich bere\u00adits regelm\u00e4\u00dfig Geschicht\u00aden schrieb oder es zumin\u00add\u00adest ver\u00adsuchte, immer dann gro\u00dfe Schreib\u00adschwierigkeit\u00aden bekom\u00admen, wenn das The\u00ado\u00adretis\u00adche zu schw\u00ader, kom\u00adplex und sozusagen \u201e\u00fcber\u00adgrif\u00adfig\u201c wurde. Schreiben set\u00adzt eine gro\u00dfe Unbe\u00adfan\u00adgen\u00adheit und Zuver\u00adsicht voraus, das poe\u00adt\u00adol\u00ado\u00adgis\u00adche Wis\u00adsen kann da wirk\u00adlich zum Hin\u00adder\u00adnis wer\u00adden und schlimm\u00adsten\u00adfalls eine Block\u00adade aus\u00adl\u00f6sen. Trotz\u00addem geh\u00f6ren die Bere\u00adiche zusam\u00admen, und w\u00e4hrend ich eine Geschichte ent\u00adfalte, stellen sich mir auch Form\u00adfra\u00adgen oder ich reflek\u00adtiere \u00fcber das The\u00adma und seine Imp\u00adlika\u00adtio\u00adnen und m\u00f6glichen Verkn\u00fcp\u00adfun\u00adgen zu anderen The\u00admen etc. Mich besch\u00e4ftigt am st\u00e4rk\u00adsten der Bau, die Kon\u00adstruk\u00adtion des Ganzen, weil ich den nicht vor dem Schreiben fes\u00adtlege. Eigentlich wei\u00df ich zun\u00e4chst nur, was der Aus\u00adgangskon\u00adflikt, das ber\u00fchmte aus\u00adl\u00f6sende Ereig\u00adnis ist. Darauf baue ich peu \u00e0 peu auf. Wenn ich dann selb\u00adst beim Schreiben das Gef\u00fchl habe, jet\u00adzt ist es aber \u00fcber\u00adhaupt nicht mehr span\u00adnend oder das ver\u00adste\u00adhe ich jet\u00adzt selb\u00adst nicht, das ist schreck\u00adlich weit herge\u00adholt, dann muss ich ein\u00adgreifen und \u00fcber\u00adlegen: Wo ist der Fehler? Wenn mir dann die Musen\u00adg\u00f6t\u00adtin einen guten Ein\u00adfall schenkt, bin ich ganz das gl\u00fcck\u00adliche Schreibkind und spiele unbeein\u00adtr\u00e4chtigt von jed\u00ader Poe\u00adt\u00adolo\u00adgie stun\u00adden\u00adlang weit\u00ader\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KUM<\/strong>: Ich danke Dir f\u00fcr das Inter\u00adview.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center has-white-background-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-jetpack-layout-grid-column wp-block-jetpack-layout-grid__padding-none\">\n<p class=\"has-drop-cap has-text-align-left has-small-font-size\"><strong>Volk\u00ader Kamin\u00ads\u00adki<\/strong>, geboren 1958 in Karl\u00adsruhe, hat Ger\u00adman\u00adis\u00adtik und Philoso\u00adphie studiert, lebt in Berlin. Neben Kurzgeschicht\u00aden, Rezen\u00adsio\u00adnen und Glossen (Berlin\u00ader Zeitung) hat er bish\u00ader sieben Romane ver\u00f6f\u00adfentlicht, zulet\u00adzt \u201eGesicht eines M\u00f6rders\u201c (2014), \u201eRot wie Schnee\u201c (2016) und \u201eAuf Probe\u201c (2018). Seit 2014 ist er Lehrbeauf\u00adtragter an der Alice Salomon Hochschule Berlin f\u00fcr das Mod\u00adul Cre\u00adative Writ\u00ading \u2014 Roman\u00adwerk\u00adstatt. <a href=\"http:\/\/volkerkaminski.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zur Home\u00adpage des Autors<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"333\" src=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/volker-kaminski-portraet.jpg\" alt class=\"wp-image-814\" srcset=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/volker-kaminski-portraet.jpg 500w, https:\/\/kunstundmedien.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/volker-kaminski-portraet-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\"><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bild\u00adnach\u00adweise: Cover\u00adbild \u00a9 Info Ver\u00adlag; Portr\u00e4t \u00a9 Volk\u00ader Kamin\u00ads\u00adki<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-width wp-block-button__width-100 is-style-outline is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-background-color has-text-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/kum.rbvbg.de\/index.php\/2020\/06\/09\/wenn-das-fahrwasser-unruhiger-wird\/\" style=\"color:#267191\">Hier geht\u2019s zur Rezen\u00adsion von \u201cDer Ges\u00adtran\u00addete\u201d<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"background-color:#f3f3f3;\" class=\"wp-block-post-author has-background\"><div class=\"wp-block-post-author__avatar\"><img alt src=\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b2bf35cd8bbeaa932bf9cec6cdd794a49d2a8506f6b2e2c32ba4bffa462f7f35?s=48&amp;d=blank&amp;r=g\" srcset=\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b2bf35cd8bbeaa932bf9cec6cdd794a49d2a8506f6b2e2c32ba4bffa462f7f35?s=96&amp;d=blank&amp;r=g 2x\" class=\"avatar avatar-48 photo\" height=\"48\" width=\"48\"><\/div><div class=\"wp-block-post-author__content\"><p class=\"wp-block-post-author__byline\">Ver\u00adfasst von<\/p><p class=\"wp-block-post-author__name\"><a href=\"https:\/\/kunstundmedien.de\/index.php\/author\/sophia_hoeff\/\" target=\"_self\">Sophia H\u00f6ff<\/a><\/p><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Inter\u00adview mit dem Schrift\u00adsteller Volk\u00ader Kamin\u00ads\u00adki \u00fcber seinen Roman \u201cDer Ges\u00adtran\u00addete\u201d KUM: Ein Grund\u00admo\u00adtiv des Romans \u201cDer Ges\u00adtran\u00addete\u201d k\u00f6n\u00adnte man mit dem Slo\u00adgan \u201clife imi\u00adtates art\u201d para\u00adphrasieren. Die Kun\u00adst \u2014 ob in Form eines The\u00adater\u00adst\u00fccks oder in Form ein\u00ader Zeich\u00adnung \u2014 greift im Roman auf das Leben der Pro\u00adtag\u00ado\u00adnis\u00adten \u00fcber. 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