Der letzte Palast von Prag

Norman Eisen, der frühere US-Botschafter in Prag beschreibt sehr anschaulich und spannend die Geschichte der Botschaftsresidenz, das erst Ende 1920er Jahre fertiggestellte, historisierend gestaltete prächtige Petschek-Palais im Stadtteil Bubenec.

Durch aufwändige Archivrecherchen und Zeitzeugengespräche gelingt Eisen eine fesselnde Geschichte der Tschechoslowakei im 20. Jahrhundert im Spiegel eines herausragenden Gebäudes. Schade nur, dass das Buch so wenige Abbildungen enthält. Auch wird ganz unvermittelt von einer jüdischen Familie erzählt, nur spät wird klar, dass dies die Geschichte der Mutter des Autors ist. Wer liest schon die Danksagung am Ende des Buches zuerst? Vieles ist nicht mehr im Bewusstsein, gänzlich unbekannt. Wie z.B. das Erleben der früheren Schauspielerin Shirley Temple des „Prager Frühlings“ und ihre Rolle als Botschafterin 1989 oder das brutale Vorgehen der Polizei während der „Samtenen Revolution“. Diese wird spannend ausführlich erzählt, allerdings fehlt eine Beschreibung des weiteren Fortgangs. Aber man sollte nicht zu viel erwarten, auch so ist dieses Buch ein herausragendes Bespiel spannender Geschichtsschreibung.

Norman Eisen: Der letzte Palast von Prag, Hardcover, 592 Seiten, s/w-Abb.en, Propyläen Verlag, Berlin 2020, ISBN: 9783549074978, Preis: €26.00.

VON DR. JÖRG RAACH

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