Im Zeichen internationaler Wiederentdeckung: Belgischer Symbolismus

Dieses herausragende Schau in der Alten Nationalgalerie Berlin stellt eine der selten gewordenen Höhepunkte im Ausstellungsangebot Berlins dar. Unter dem Titel „Dekadenz und dunkle Träume“ werden Hauptwerke des belgischen Symbolismus gezeigt. Diese so bedeutende, auch einflussreiche Kunstrichtung des Fin de Siècle ist aktuell Teil einer internationalen Wiederentdeckung: „Ab Ende 2018 feierte das Petit Palais in Paris in einer monografischen Ausstellung Fernand Khnopff, im laufenden Jahr wurde erstmals Léon Spilliaert mit einer großen Retrospektive in der Royal Academy in London und dann im Pariser Museé d:Orsay gewürdigt. Für die kommenden Jahren haben das New Yorker Metropolitan Museum und das Van Gogh Museum in Amsterdam Ausstellungen zum belgischen Symbolismus angekündigt.“ schreibt Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie im hervorragenden Ausstellungskatalog (S. 14/15). Mit Khnopff und Spilliaert sind auch die Höhepunkte der Berliner Ausstellung benannt. Fernand Khnopff mit seinem elegischen Frauenbildern und Stadtansichten hat schon eine gewisse Bekanntheit erreicht (siehe „Liebkosungen“ auf dem Titel des Katalogs), Léon Spilliaert in seiner erstaunlichen Modernität der flächigen Darstellung und Intensität ist eine Entdeckung, genauso wie Antoine Wiertz, auf den schon mit Verweis auf sein Museum in Brüssel der Botschafter im Grußwort hinweist („Urvater des belgischen Symbolismus“). Ralph Gleis verdeutlicht als Kurator der Ausstellung treffend die nicht zu unterschätzende internationale Bedeutung des belgischen Symbolismus: „Er kann als Versuchsanordnung in der Entwicklung von Jugendstil, Expressionismus und Surrealismus betrachtet werden und bildet so einen der bedeutenden Ausgangspunkte für die Kunst im 20. Jahrhundert… So kann der Symbolismus trotz intensiver Verarbeitung historischer Vorbilder als komplementär zu den anderen progressiven Kunstströmungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und als alternative Moderne verstanden werden.“ (S. 30) In der auf 13 Bereiche aufgefächerten Schau werden knapp 200 Werke gezeigt. Der starke Einfluss des Symbolismus in Europa wird mit Werken von Edvard Munch, Max Klinger und Gustav Klimt gezeigt, auch ein Vergleich mit zeitgleich entstandenen Werken des Impressionismus ist in einem eigenen Saal möglich.

Ausstellung in der Alten Nationalgalerie Berlin bis zum 17.1.2021, Katalogbuch: Gleis, Ralph (Hg.): Dekadenz und dunkle Träume: Der belgische Symbolismus, 336 Seiten, 265 Abbildungen in Farbe, gebunden, Hirmer Verlag, München 2020, ISBN: 978-3-7774-3507-7, 45 €.

verfasst von

Dr. Jörg Raach und Julia Kratzer

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