Die goldenen Jahre des Franz Tausend

Dieser herausragende Roman schildert spannend die Geschichte des Hochstaplers Franz Tausend, kontrastiert sie mit dem Kampf Carl von Ossietzkys gegen die Wiederaufrüstung und macht so den zunehmenden Einfluss der Nazis schon zu Ende der Weimarer Republik deutlich. Franz Tausend hat in den 1920er Jahren tatsächlich 1,5 Millionen Goldmark mit seiner Behauptung ergaunert, er könne Gold herstellen. Die erzielten Gelder kamen zu einem großen Teil General Ludendorff und seinem nationalsozialistischen Umfeld zugute. Titus Müller macht mit seinem Roman ganz nah an den historischen Abläufen bewusst wie bedroht die Demokratie schon in den 1920er Jahren war u.a. durch finanzielle Unterstützung der Nationalsozialisten durch Großindustrielle und parteiische Justiz. Hitler und Ludendorff wurden begnadigt und der „Weltbühnen“-Herausgeber Carl von Ossietzky wegen eines Artikels zur geheimen Aufrüstung der Reichswehr zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Als Antipode zu Ossietzky wird zudem sehr einfühlsam die zögerliche Haltung Thomas Manns geschildert. Es entsteht ein faszinierendes Panorama Deutschlands Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre, in dem nicht nur die genannten Persönlichkeiten eine Rolle spielen, sondern auch vieles vom sozialen Elend dieser Zeit vermittelt wird. Titus Müller gelingt es (wie in seinem 2015 erschienenen Roman „Berlin Feuerland“ zur industriellen Revolution in Berlin), Geschichtsvermittlung mit einfühlsamen Darstellungen von Menschen dieser Zeit zu verbinden. Der Klappentext bezieht sich völlig zurecht auf ein Urteil von SWR 2: „Es gibt wenige Bücher, die man mit so großem Vergnügen und so viel Gewinn liest.“

Titus Müller: Die goldenen Jahre des Franz Tausend, Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, ISBN: 978-3-89667-617-7, Blessing Verlag, München 2020, € 20,00.

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