Michael Chabon – Wonder Boys

Es ist die Jacke, die Marilyn Monroe bei ihrer Hochzeit mit Joe DiMaggio trug, die dem Leben des abgehalfterten Autors Grady Tripp im Roman „Wonder Boys“ mehr als eine Wendung gibt.

Grady Tripp ist ein ehemals gefeierter Autor, der gerade an seinem neuesten Roman den „Wonder Boys“ arbeitet. Allerdings tüftelt er nun bereits seit sieben Jahren daran und es hat den unüberschaubaren Umfang von 2611 Seiten angenommen – ein Ende des Manuskripts ist nicht in Sicht.

Zwischenfälle am Rande

Grady Tripp ist auch ein Professor für Kreatives Schreiben an der Universität von Pittsburgh, die jährlich das WordFest veranstaltet. Gleich zu Beginn des Festivals verlässt ihn seine dritte Ehefrau. Sein Lektor, Terry Crabtree, reist indessen nach Pittsburgh, um den Fortschritt am Roman zu begutachten. Bei der Eröffnungsfeier im Haus seiner Geliebten, der Frau des Dekans, schleust Grady einen seiner Studenten namens James Lear ein. Der stielt heimlich Marilyns Jacke, ein Sammlerstück des Dekans, und erschießt dessen loyalen Hund. Der tote Hund zusammen findet zusammen mit einer Tuba in Gradys Kofferraum Platz. Nebenbei macht Grady auch die Bekanntschaft mit einem zwielichten, vernarbten Kerl, der behauptet, Grady würde dessen Wagen fahren.

Ein toter Hund, eine Tuba und Marilyns Jacke

Am nächsten Morgen sind diese Vorkommnisse in den Nebelschwaden einer durchzechten Nacht verschwunden, bis ein Polizist vor Gradys Haus steht und nach James Leer fragt. Grady gibt vor, nichts von James zu wissen und flüchtet mit ihm zu seiner Exfrau. Die Flucht endet im Nirgendwo und auf dem Nachhauseweg überfährt Grady eine monströse Schlange, die sich im Garten seiner Exfrau eingerichtet hatte. Diese kommt zusammen mit dem toten Hund, der Tuba und Marilyns Jacke in den Kofferraum.

Probleme sind dazu da, gelöst zu werden

Am nächsten beabsichtigt Grady, dem Dekan die Jacke zurückzugeben und damit die Angelegenheit ins Reine zu bringen. Die Polizei kommt ihm allerdings zuvor und verhaftet James Leer. Als Grady dann umso dringlicher die Jacke aus dem Auto holen will, stellt er fest, dass sein Wagen gestohlen wurde. Er ahnt, dass es etwas mit dem zwielichtigen Typen zu tun haben muss, der Ansprüche auf den Wagen erhoben hatte. Zusammen mit seinem Lektor und seinem Manuskript machen sie sich in einem Leihwagen auf die Suche nach dem Kerl. Dabei nimmt jedoch Gradys Manuskript irreparablen Schaden. Zum Abschluss des WordFests hat Grady alles verloren: Sein Manuskript, seine Frau, seinen Job und zuletzt auch seine Geliebte. Allerdings nimmt der Roman eine Wendung, die Gradys Leben einen neuen Sinn geben wird.

Ein unwahrscheinlicher Roman

„Wonder Boys“ ist Gradys Manuskript betitelt und es ist der Titel des Romans von Michael Chabon. Chabon ist ein Meister darin, vollblütige Charaktere zu entwerfen. Wenn Grady und Crabtree aufeinander treffen, wird Unwahrscheinliches wahrscheinlich und der Plot des Romans gewinnt eine innere Notwendigkeit. „Wonder Boys“ ist eine unprätentiöse Huldigung des Autorendaseins und eine bissige Satire auf den Literaturbetrieb.

Michael Chabon: Wonderboys, KiWi-Taschenbuch 2008, 384 Seiten, ISBN: 978-3-462-04027-2, EUR 8, 95.

VON SOPHIA HÖFF

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